Dr. Andreas Heinen, Risikomanager im Group Center der RWE AG

Erfahrungsbericht

Studium der Physik an der Universität Dortmund. Promotion über Quantenfeldtheorie im frühen Universum an der Universität Dortmund verbunden mit Forschungsaufenthalten am Los Alamos National Laboratory, U.S.A.

Einstieg als Physiker

In der Aussicht auf den baldigen Abschluss des akademischen Wirkens mit einem gewissen Selbstbewusstsein ausgestattet, bewarb ich mich im März 2005 im Group Center (Holding) der RWE AG um die Stelle eines Referenten im Bereich des „Risikomanagement Konzern“. Einen tiefen betriebswirtschaftlichen Hintergrund konnte ich meinen zukünftigen Vorgesetzten und Kollegen im Vorstellungsgespräch zwar noch nicht darlegen. Denn welcher Physiker absolviert während des Studiums oder gar während der Promotion schon ein Praktikum in einem Unternehmen? Glücklicherweise war jedoch auf beiden Seiten die Zuversicht vorhanden, dass meine quantitativen und analytischen Fähigkeiten als theoretischer Physiker auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen nützlich sind. Der Einstieg im Juli 2005 als Risikomanager mit dem Fokus auf „Marktrisiken und Methoden“ war geschafft und bereits eine Woche nach der Doktorprüfung ging es los!

Viel zu lernen

Die Risikomanagementaufgaben unter Verwendung finanzmathematischer Methoden bei einem Energieversorger haben mich von Anfang an stärker fasziniert als vergleichbare Aufgaben in anderen Branchen. Ab dem ersten Moment gab es sehr viel zu lernen: vor allem von meinen sehr kompetenten Kollegen und Vorgesetzten aus der eigenen Abteilung, im Rahmen von Schulungen zum „Energy Risk Management“ und natürlich auch im Selbststudium (Lesen!). Einige der notwendigen betriebswirtschaftlichen und unternehmerischen Sichtweisen konnte ich innerhalb eines Teams und über einen längeren Zeitraum in einem Unternehmens­planspiel erlernen und erproben. Als gezielte Maßnahme zur Personalentwicklung war dies für mich als Naturwissenschaftler sehr wertvoll. Und von dem Netzwerk aus vielen netten Kollegen profitiere ich noch heute sehr nachhaltig.

In den ersten Monaten

Nachdem ich in den ersten Monaten die Zusammenhänge der Modellierung von Kraftwerken als komplexe physische Optionen zwischen Strompreisen, Brennstoffpreisen und Preisen für CO2-Emissionsberechtigungen so gerade verdaut hatte, galt es z.B. in Analysen zur Einschätzung der Risiken aus der Vermarktung von flexibler virtueller Kraftwerkskapazität beizutragen. Die RWE Power AG hat anschließend als erster Energieversorger in Deutschland ein virtuelles Kraftwerk in einer Auktion angeboten. Ähnliche Analysen haben mich auch in der weiteren Zeit zunehmend eigenverantwortlich  begleitet.

Aufgaben in der Abteilung

Neben der immer neu herausfordernden Aufgabe, die Marktpreisrisiken aus Commodity-Position in allen Geschäftsbereichen unter Verwendung von zum Teil sehr komplexen Modellen abzubilden (und anschließend ggf. zu limitieren), macht mir auch die Vorbereitung von Entscheidungsgremien  Freude. Entscheidungsvorlagen und Informationen für unsere Vorstände müssen z.B. schnell verständlich sowie sachlich auf den Punkt formuliert werden. Immer wieder eine Herausforderung.

Sobald Unsicherheit und der Einfluss von Volatilität quantifiziert werden müssen, ist das Risikomanagement besonders gefordert. Beispiele sind die Bewertung von langfristigen Kraftwerksinvestitionen oder auch die Bepreisung von Lastprofilen, immer orientiert an der „best-practice“. Dabei wird in der Regel mit Vertretern aus mehreren Gesellschaften zusammengearbeitet.

Wohlfühlfaktoren

Im Risikomanagement mit dem Fokus auf Marktpreisrisiken und Methoden habe ich für mich nicht nur inhaltlich den perfekten Einstieg in das Berufsleben gefunden, sondern auch von Anfang an ein ausgesprochen stimulierendes Umfeld mit hochmotivierten Kollegen und Vorgesetzten vorgefunden. Hierdurch wurde es mir wirklich ausgesprochen leicht gemacht, mich zu integrieren!

An der Funktion im Group Center der RWE AG schätze ich besonders den Überblick über die gesamte Wertschöpfungskette des RWE Konzerns –­ von der Produktion über den Handel bis zum Kunden. Dabei hatte ich stets das Gefühl, wertvolle Beiträge für die Pflege und weitere Entwicklung einer umsichtigen Kultur der Bestimmung und des Managements von Commodity-Risiken leisten zu können und mich als Risikomanager zu etablieren.