Essen, 06. März 2012Diese Presseinformation ist mehr als zwei Jahre alt

RWE wird Talsohle zügig durchschreiten

  • Ergebnisrückgang 2011 weniger stark als erwartet
  • Ausblick für 2013 angehoben
  • Maßnahmenpaket zeigt positive Wirkungen
  • Neue Ziele für Effizienzsteigerung und Desinvestitionen

Das Geschäftsjahr 2011 war für die RWE AG von schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen geprägt. Allein die Entscheidungen der deutschen Bundesregierung zur Kernenergie haben einen negativen Ergebniseffekt von deutlich mehr als 1 Mrd. Euro. Daneben haben sich die Unterschiede zwischen den ölindexierten Einkaufpreisen für Gas und den deutlich niedrigeren Großhandelsverkaufpreisen sowie die weiterhin niedrigen Margen in der Stromerzeugung auf die Geschäftstätigkeit niedergeschlagen.

Bei allen relevanten Ergebnisgrößen für den Konzern zeigten sich im Jahr 2011 die prognostizierten Rückgänge: Das EBITDA ging um 18% auf 8,5 Mrd. Euro zurück, das betriebliche Ergebnis sank um 24% auf 5,8 Mrd. Euro. Das für die Dividendenberechnung entscheidende nachhaltige Nettoergebnis lag mit 34% im Minus bei 2,5 Mrd. Euro. Der Umsatz sank um 3% auf 51,7 Mrd. Euro. Diese Ergebnisse liegen knapp über der Prognose, die RWE im August 2011 gegeben hat.

RWE hält an der angekündigten Ausschüttungsquote von 50 bis 60% des nachhaltigen Nettoergebnisses fest. Deshalb schlagen Aufsichtsrat und Vorstand der Hauptversammlung eine Dividende von 2 Euro je Aktie vor, was einer Dividendenrendite von 7,4% (gemessen am Jahresschlusskurs der Stammaktie) entspricht.

„Wir haben die nötigen Maßnahmen eingeleitet, um die Talsohle zügig zu durchschreiten“, sagte RWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Großmann mit Blick auf die kommenden Jahre. Die ersten erfolgreichen Schritte seien getan, und einige dieser Maßnahmen wirkten sich schon heute auf die Ertragslage aus, die sich im laufenden Jahr stabilisieren dürfte. „Deshalb sind wir zuversichtlich, 2012 das Vorjahresniveau halten zu können.“ Dieser Trend, so erläuterte Großmann, werde sich auch 2013 fortsetzen: „2013 bekommen wir keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr, und durch das Desinvestitionsprogramm fallen Ergebnisbeiträge weg. Dennoch gehen wir davon aus, auch in diesem Jahr an das Ergebnis von 2011 anknüpfen zu können.“ Für 2013 und 2014 hat RWE ein neues Ziel zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung festgelegt. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 1 Mrd. Euro, drei Viertel davon sollen schon 2013 realisiert werden.

Zudem hat der Konzern den Gesamtwert des Desinvestitionsprogramms auf maximal
7 Mrd. Euro reduzieren können. Umfang und Auswahl der zu veräußernden Aktivitäten hängen maßgeblich davon ab, welchen Beitrag ihr Verkauf zur Verbesserung des Verschuldungsfaktors leisten kann. Das Programm soll bis Ende 2013 umgesetzt sein.

„Die eingeleiteten Maßnahmen schaffen uns Freiräume für künftiges, nachhaltiges Handeln und weitere Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien“, betont Großmann. „2011 haben wir knapp 3 Mrd. Euro für den Umweltschutz ausgegeben und sind stolz, dass uns die European School of Management and Technology in Berlin als innovativsten Energieversorger Europas ausgezeichnet hat.“ Im vergangenen Jahr hat RWE rund 150 Mio. Euro in mehr als 200 Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert.

Produktion und Absatz von Strom und Gas

Die Stromerzeugung ist im RWE-Konzern 2011 um 9% auf 205,7 Mrd. Kilowattstunden (kWh) zurückgegangen. Das liegt an verschiedenen Faktoren: In Deutschland wurde im Zuge des Kernenergie-Moratoriums das Kernkraftwerk Biblis stillgelegt; in den Niederlanden waren die Gaskraftwerke weniger ausgelastet und ein großer Steinkohleblock über längere Zeit in Revision; in Großbritannien war ein großes Steinkohlekraftwerk nicht am Netz, weil es auf Biomasse-Befeuerung umgestellt wurde, außerdem waren zwei Gaskraftwerksblöcke nicht verfügbar, weil ihre Transformatoren vom Hersteller ausgetauscht werden mussten. Der Stromabsatz, also die Lieferungen an konzernexterne Kunden, lag bei 294,6 Mrd. kWh und damit 5% niedriger als 2010.

Die konzernexternen Gaslieferungen haben sich um 19% auf 322,2 Mrd. kWh verringert. Die im Vergleich zum Vorjahr wesentlich mildere Witterung schlug sich in einem geringeren Heizwärmebedarf nieder, dazu kamen auch wettbewerbsbedingte Verluste sowohl im Privatkunden- als auch im Geschäfts- und Industriekundensegment.

Unternehmensbereich Deutschland

Das betriebliche Ergebnis des Unternehmensbereichs lag mit 4,2 Mrd. Euro um 25% unter dem Vorjahreswert. In der Stromerzeugung lag das Minus sogar bei 33% - hauptsächlich begründet durch die Auswirkungen der Beschlüsse der deutschen Regierung zur Kernenergie, aber auch bedingt durch niedrigere Preise, die RWE Power durchschnittlich für den 2011 produzierten Strom erzielen konnte. Das betriebliche Ergebnis im Geschäftsfeld Vertrieb/Verteilnetze sank um 4% auf 1,5 Mrd. Euro. Hier machen sich höhere Aufwendungen zur Verbesserung der Infrastruktur und niedrigere Entgelte wegen geringerer Gasdurchleitungsmengen bemerkbar.

Unternehmensbereich Niederlande/Belgien

Das betriebliche Ergebnis des Bereichs ging um 37% auf 245 Mio. Euro zurück. Hier wird sichtbar, dass wir seit 2011 Teile des Gas-Midstream-Geschäfts von Essent bei RWE Supply & Trading ausweisen. Außerdem verzeichnete Essent deutliche Margenrückgänge in der Stromerzeugung und verkaufte wegen der milden Witterung weniger Gas.

Unternehmensbereich Großbritannien

Dank umfangreicher Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzverbesserung stieg das betriebliche Ergebnis um 85 auf 357 Mio. Euro im Jahresvergleich. Diesen Verbesserungen im Vertriebsgeschäft und positiven Effekten aus der Inbetriebnahme des Gaskraftwerks Staythorpe standen Belastungen durch einen erhöhten Aufwand für die staatlich verordnete Unterstützung von Energiesparprogrammen sowie deutliche Margenrückgänge in der Stromerzeugung gegenüber.

Unternehmensbereich Zentralost-/Südosteuropa

Das betriebliche Ergebnis des Unternehmensbereichs hat sich um 5% auf 1,1 Mrd. Euro verringert. Im tschechischen Gasgeschäft belasteten Absatzrückgänge, geringere Durchleitungsmengen und rückläufige Transporterlöse. In Ungarn lag der Absatz im Stromvertrieb wettbewerbsbedingt niedriger als im Vorjahr.

Unternehmensbereich Erneuerbare Energien

Höhere Erzeugungsmengen und das zuletzt gestiegene Strompreisniveau trugen dazu bei, dass das betriebliche Ergebnis von RWE Innogy um 109 auf 181 Mio. Euro zulegte. Allerdings resultieren aus der Wachstumsstrategie weiterhin hohe Belastungen, da die Investitionsprojekte mit erheblichen Vorlaufkosten verbunden sind.

Unternehmensbereich Upstream Gas & Oil

Gestiegene Gas- und Ölpreise bei gleichzeitiger Erhöhung der Öl-Fördermengen haben das Dea-Ergebnis annähernd verdoppelt – auf 558 Mio. Euro. Der Explorationsaufwand war annähernd unverändert.

Unternehmensbereich Trading/Gas Midstream

RWE Supply & Trading schloss mit einem betrieblichen Verlust, der mit 800 Mio. Euro deutlich über dem Wert von 2010 lag (-21 Mio. Euro). Zum einen war die Performance im Handelsgeschäft ungewöhnlich schwach. Zum anderen belastete die Differenz zwischen dem Preisniveau in ölindexierten Langzeitlieferverträgen und dem Preis, den RWE beim Weiterverkauf am Markt erzielen kann, weiterhin das Gas-Midstream-Geschäft.

Investitionen

Das größte Investitionsprogramm der Konzerngeschichte ist auf der Zielgeraden.
2011 lagen die Investitionen noch einmal bei mehr als 7 Mrd. Euro, 6% über dem Vorjahreswert. Schwerpunkt der Sachinvestitionen (6,4 Mrd. Euro) blieb der Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten, vor allem im Bereich Erneuerbare und CO2-arme Kapazitäten.

Mitarbeiter

Am 31. Dezember 2011 waren 72.068 Mitarbeiter bei RWE beschäftigt, etwa 1.200 mehr als am Jahresende 2010. Vor allem in den Wachstumsfeldern erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie zur Verbesserung des Kundenservices wurden neue Stellen geschaffen. Der Konzern bildet weiterhin über Bedarf aus, Ende 2011 standen mehr als 3.000 junge Menschen in einem Ausbildungsverhältnis bei RWE.

Ausblick

Für 2012 und 2013 erwartet RWE ein betriebliches Ergebnis auf dem Niveau von 2011 – und diese Prognose berücksichtigt bereits die Ergebniseffekte aus dem laufenden Desinvestitionsprogramm. Das nachhaltige Nettoergebnis soll ebenfalls eine stabile Entwicklung nehmen. Für den Dreijahreszeitraum bis 2014 sind Investitionen in Höhe von 16 Mrd. Euro vorgesehen, etwa die Hälfte davon für Wachstumsprojekte. Investitionen und Ausschüttungen werden damit in Summe voraussichtlich höher sein als die Mittel, die dem Konzern aus laufender Geschäftstätigkeit zufließen. Dies soll sich spätestens ab 2015 ändern, wenn das Kraftwerkserneuerungsprogramm abgeschlossen sein wird.

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Annett Urbaczka
Konzernpresse
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Zukunftsbezogene Aussagen
Diese Pressemeldung enthält Aussagen, die sich auf die zukünftige Entwicklung des
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Weiterführende Informationen als Download:
Auf einen Blick: Eckdaten 2011 (Tabelle als PDF)



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