Projektgeschichte der 80er Jahre
1980 
Dem Bergamt in Celle wird das erste Konzept für Aufschlussbohrungen im Gebiet der Mittelplate vorgelegt. Die Bohrung Mittelplate 1 ist im August fündig. In 2.000 bis 3.000 Meter Tiefe befinden sich Ölvorkommen in porösen Dogger-Sandsteinschichten.
1980/81
Umfangreiche Feasibility-Studien (Machbarkeitsstudien) werden vergeben. Die Studien haben vor allem Baugrund-Untersuchungen und die Auswirkungen von Eis und Strömungen auf eine Bohr- und Förderanlage zum Inhalt. Die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres hat erheblichen Einfluss auf die Planungsarbeiten.
1981
Weitere Bohrungen von Mai bis September bestätigen das Vorkommen, das nunmehr auf 75 Millionen Tonnen Erdöl geschätzt wird. Die Lagerstättenbedingungen sind jedoch schwierig.
1981/82
Die denkbaren Möglichkeiten für eine Bohr- und Förderinsel werden geprüft, darunter warftähnliche Lösungen, der Schutz durch einen Ringdeich und eine durch Spundwände gesicherte Sandinsel. Mehrere Modellversuche geben Aufschluss über die Sicherheit und die Auswirkungen der jeweiligen Konstruktion auf die Umwelt. Als optimal stellt sich die Spundwandlösung dar.
1983
Das Leichtweiß-Institut der Universität Braunschweig und die Hamburger Schiffbau-Versuchsanstalt untersuchen die hydrographisch-strömungstechnischen Bedingungen im Gebiet der Mittelplate. Langzeit-Analysen über die Extremverhältnisse bei Sturm, Wellengang und Eisgang geben Aufschluss über die Maximalbelastungen des Bauwerks und über die Ausgestaltung im Einzelnen.
1984
Anfang des Jahres werden die Gesamtplanung für das Konstruktions- und Transportkonzept sowie die Detailplanung für die Bau-, Bohr- und Förderphase und für den Transport dem zuständigen Bergamt sowie dem Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein vorgelegt. Der Rahmenbetriebsplan für das Pilotprojekt Mittelplate wird im Oktober beim Bergamt in Celle eingereicht. Die Landesregierung in Kiel erklärt sich im Dezember mit der Durchführung des Pilotprojektes grundsätzlich einverstanden.
1985 
Das Bergamt in Celle lässt den Rahmenbetriebsplan zu, der nicht nur den beteiligten Behörden, sondern auch Naturschutz- und Umweltverbänden, der Fischerei und anderen möglicherweise Betroffenen zur Stellungnahme zugegangen ist. Im Juni beginnen die Bauarbeiten.
Unmittelbar an der Bohrung Mittelplate 1 wird eine 70 x 95 Meter große Bohr- und Förderinsel wie eine kompakte, flüssigkeitsdichte Stahl- und Betonwanne auf dem Sandwatt der Mittelplate errichtet, die durch Spundwände gesichert ist. Insgesamt beansprucht das Bauwerk nur eine geringe Fläche des Wattenmeeres und bietet eine sehr hohe Standfestigkeit gegenüber den Naturkräften, wie Modellversuche nachgewiesen haben.
Der schleswig-holsteinische Landtag verabschiedet im Juli das Gesetz über den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die Mittelplate liegt wie schon in den ersten Entwürfen in der Schutzzone 3, die bestimmte Nutzungen im Wattenmeer gestattet und die Ölförderung im Gebiet der Mittelplate ausdrücklich zulässt.
1986
Die Bohr- und Förderinsel ist Mitte des Jahres mit allen Anlagen für die Bohrarbeiten fertiggestellt und wird vom Bergamt und dem Germanischen Lloyd, dem TÜV der deutschen Seefahrt, abgenommen.
Beginn von drei abgelenkten Bohrungen zur Feldeserschließung im September. Eine weitere folgt Ende 1987, die den möglichen Entölungsgrad durch Wassereinpressung ermitteln soll.
1987
Der doppelwandige Transport-Leichter zum Abtransport des geförderten Öls zum Hafen Brunsbüttel mit seinen Raffinerieanschlüssen wird auf der Werft in Wewelsfleth vom Germanischen Lloyd nach Fertigstellung abgenommen.
Im Oktober des Jahres beginnt die Testförderung. Sie soll die für eine Entwicklung des Feldes notwendigen technischen und wirtschaftlichen Daten ermitteln. Die Sicherheits- und Umweltschutz-Programme sollen in der Praxis überprüft werden.
1988
Bis Oktober 1988 sind rund 200.000 Tonnen Erdöl ohne Zwischenfälle gefördert. Das Konzept hat sich in allen Belangen bewährt. Erste Ergebnisse der parallel mit dem Rahmenbetriebsplan vereinbarten Begleitstudien zur Umweltverträglichkeit zeigen, dass auch in ökologisch sensiblen Regionen Öl gefördert werden kann, ohne der Umwelt zu schaden.
1989
Die letzte der sechs Bohrungen im Rahmen des genehmigten Pilot-Programmes wird erfolgreich niedergebracht.

