Projektgeschichte der 90er Jahre

1990

Die Frühjahrsstürme „Vivian“ und „Wiebke“, die in Deutschland große Verheerungen anrichteten, übersteht die Insel Mittelplate ohne Schaden.


1991

Zoom Die Pilotphase wird beendet. Das Projekt ist in allen Belangen des Umweltschutzes, der Fördertechnik, der zu erwartenden Fördermengen und der Transportsicherheit realisierbar.

Die Fortführung und Ausdehnung der Förderung regelt ein erweiterter genehmigter Betriebsplan. Neue vorliegende Ergebnisse der Begleituntersuchungen belegen, dass mit Ausnahme des Baus der Insel keine bleibenden Abweichungen von den natürlichen Veränderungen im Watt eingetreten sind. Ende des Jahres ist eine Million Tonnen Rohöl gefördert.

1994

Nach dem neuesten Stand der Technik wird eine weitere Bohrung abgeteuft. Sie verläuft horizontal durch die Lagerstätte und kann damit ergiebiger aus einer langen Strecke im ölführenden Gestein fördern.

 

1995

ZoomDie Ölfördermenge der Mittelplate soll von 1996 an auf rund 1.750 Tonnen täglich verdoppelt werden. Auf der Grundlage eines von allen zuständigen Behörden und Dienststellen genehmigten Hauptbetriebsplans erfolgen deshalb entsprechende Erweiterungsmaßnahmen auf der bestehenden Insel.

Ein zweiter Transport-Leichter für den Abtransport der zusätzlichen Fördermengen ist gleichzeitig im Bau. Er steht bereits Ende des Jahres zur Verfügung.

Zur Verbesserung des Immissionsschutzes wird eine zweite Gasturbine auf der Insel installiert. Überschussmengen an Erdölgas sollen nicht mehr nutzlos abgefackelt, sondern in Strom umgewandelt und umweltschonend genutzt werden. Dazu wird im Herbst kurzfristig und ohne Umweltbeeinträchtigungen ein Stromkabel nach Friedrichskoog verlegt, über das seitdem Strom in das Netz an Land eingespeist wird.

 

1996  

Die Erweiterung der technischen Anlagen auf der Insel wird planmäßig abgeschlossen. Mitte des Jahres kann die Produktion auf jährlich 550.000 Tonnen Rohöl angehoben werden.

Zur besseren Erkundung des tieferen Untergrundes im Gebiet der Meldorfer Bucht erfolgen nach Genehmigung im Herbst weitere seismische Messungen. Die Arbeiten sollen das verfügbare, aber lückenhafte seismische Datenmaterial ergänzen und wichtige Erkenntnisse bringen über die genaue Lage und Ausdehnung des Salzstocks Büsum, die Ausdehnung der ölführenden Gesteinsschichten nach Osten in Richtung Küste und damit über die Möglichkeit, entfernte und neue Lagerstättenteile durch weit abgelenkte Bohrungen zusätzlich von Land aus zu erreichen.

 

1997

Aufgrund der Erkenntnisse aus der im Vorjahr durchgeführten Flachwasserseismik führen erfahrene Bohrteams im Sommer eine erste Aufschlussbohrung an Land durch. Hierzu wird ein Bohrplatz im Gebiet der Gemeinde Friedrichskoog mit umfangreichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt eingerichtet. Die Bohrung Dieksand 1 soll die geologischen Formationen im küstennahen Bereich und Fördermöglichkeiten von Land aus erkunden.

Eine erfolgreiche Zwischenbilanz lässt sich im Oktober zum zehnjährigen Förderjubiläum der Bohr- und Förderinsel Mittelplate ziehen. Aus der gleichnamigen Erdöllagerstätte sind über 3 Millionen Tonnen Öl ohne jeglichen Zwischenfall gefördert. Das speziell für die Bedingungen des sensiblen Fördergebietes entwickelte Bohr-, Förder- und Transportkonzept hat sich über viele Jahre unter allen Naturbedingungen bewährt.

Durch eine Anpassung der Fördereinrichtungen auf der Insel und eine Erweiterung der Transportkapazität ist zum Jahresende eine Erhöhung der jährlichen Fördermenge auf 800.000 Tonnen möglich. Die Produktion erfolgt in der bestehenden Anlage. Ein dritter Transport-Leichter wird zum Abtransport des geförderten Öls zusätzlich gebaut und eingesetzt. Zur weiteren Erkundung der geologischen Formationen der Erdöllagerstätte lässt das Konsortium im Oktober dreidimensionale Untersuchungen (3 D-Seismik) durchführen.

Außerdem wird die von Land aus niedergebrachte Aufschlussbohrung Dieksand 1 ausgewertet sowie eine weitere Bohrung vorbereitet. Die Bohrarbeiten für die Bohrung Dieksand 2 beginnen planmäßig Anfang Dezember und sollen sechs Monate dauern. Sie stellen die Fachleute vor große technische Herausforderungen. Um das Zielgebiet in rund 2.000 Meter Tiefe zu erreichen, muss die Bohrung weit abgelenkt über eine Bohrstrecke von fast 8.000 Metern in westlicher Richtung niedergebracht werden. Ermöglicht wird das Vorhaben durch die erfolgreiche Weiterentwicklung der Bohrtechnik - der so genannten Extended-Reach-Bohrtechnologie.

 

1998

ZoomDie Produktionsbohrung Dieksand 2 wird im Mai 1998 erfolgreich beendet. Nach einer Gesamt-Bohrstrecke von 7.727 Metern erreicht die von Friedrichskoog abgeteufte Bohrung ihr Ziel in den ölführenden Doggersanden im östlichen Teil der Lagerstätte Mittelplate. Damit gehört die Extended-Reach-Bohrung zu den am weitesten abgelenkten Bohrungen in der Welt.

Die Förderung auf der Insel Mittelplate verläuft unverändert störungsfrei. Zwei weitere abgeteufte Bohrungen sichern das Förderpotenzial. Ein Ende des Jahres vorgelegter Umweltbericht belegt, dass Bohr- und Förderbetrieb keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt verursachen.

 

1999 

ZoomNach den positiven Erfahrungen zur Erschließung des Ölvorkommens auch von Land aus beginnen im Frühjahr der Bau eines Betriebs zur Ölaufbereitung in Friedrichskoog und die Verlegearbeiten von Rohrleitungen zum Abtransport des raffineriefertigen Öls, des Erdölgases und des Kondensats nach Brunsbüttel zur dortigen Weiterleitung an die Abnehmer. Die Arbeiten sollen bis Mitte 2000 abgeschlossen sein.

Bis Ende des Jahres werden außerdem zwei weitere Extended-Reach-Bohrungen niedergebracht. Sie erreichen ihr Zielgebiet nach Bohrstrecken von 8.284 und 8.367 Metern. Primäres Ziel der Dieksand-Bohrungen ist es, die hochproduktiven östlichen Lagerstättenteile des Ölfeldes Mittelplate zu erschließen. Die zusätzlich geplante Produktionskapazität aus der Landförderung beträgt rund 1 Million Jahrestonnen. Aus dem großflächigen westlichen Teil der Lagerstätte, der von Land aus nicht erreichbar ist, wird parallel von der Bohr- und Förderinsel aus gefördert.

Die bisherige Fördermenge der Insel Mittelplate beträgt bis Ende 1999 fast 4,9 Millionen Tonnen Erdöl. Mit einer Jahreskapazität von rund 800.000 Tonnen ist wegen der tidenbedingt eingeschränkten Transportmöglichkeiten inzwischen das Förderlimit erreicht. Im Oktober 1999 beschließt der schleswig-holsteinische Landtag ein neues Nationalparkgesetz. Der Betrieb der Bohr- und Förderinsel Mittelplate ist in der jetzt festgelegten Schutzzone 2 weiter zulässig.