Projektgeschichte 2000 - 2009
2000
Eine wichtige neue Phase der Erschließung des größten deutschen Erdölvorkommens Mittelplate beginnt im Juni 2000. Nach rund 15-monatiger Bauzeit und kurzer Testförderung können in Friedrichskoog die Anlagen zur Ölgewinnung auch von Land aus in Betrieb genommen werden. Damit lässt sich die Ölförderung aus dem Feld optimieren. Bis Jahresende verlaufen alle Arbeitsprozesse auf der Landstation reibungslos und störungsfrei, der Betrieb der Transportleitung erfolgt ohne besondere Vorkommnisse. Auf dem Bohrplatz wird die Bohrung Dieksand 5 abgeteuft.
Die Bilanz zu den Arbeiten auf der Bohr- und Förderinsel ist zum Ende des Jahres erneut positiv. Ohne jegliche Störungen fördert der Offshore-Betrieb über 800.000 Tonnen Öl. Die Fördermenge der halbjährigen Landerschließung beträgt 495.000 Tonnen. Seit Beginn der Förderung aus dem Vorkommen ergibt dies eine Gesamtmenge von fast 6,2 Millionen Tonnen. Jüngste Reserve-Ermittlungen führen zu der Erkenntnis, dass statt der bisher erwarteten 30 Millionen Tonnen Öl mindestens 35 Millionen Tonnen gewinnbar sind. Auch eine zusätzliche Steigerung des förderbaren Potenzials schließen Geologen nicht aus.
2001
Um noch genauere Daten über die geologischen Formationen der Erdöllagerstätte zu erhalten und weitere Möglichkeiten zu erkunden, entfernte und neue Lagerstättenteile durch abgelenkte Bohrungen von Land aus zu erreichen, werden im April 2001 ergänzende dreidimensionale seismische Untersuchungen (3-D-Seismik) durchgeführt.
Die Bohrteams können die Landbohrung Dieksand 5 erfolgreich abschließen. Sie hat ihr Ziel nach 8.995 Metern Bohrstrecke erreicht; eine Distanz, die in Deutschland unübertroffen ist und weltweit einen Platz unter den ersten 10 am weitesten abgelenkten Bohrungen einnimmt. Eine weitere Extended-Reach-Bohrung im zweiten Halbjahr soll den Onshore-Betrieb absichern.
Die im Jahr 2000 begonnenen Bohraktivitäten auf der Insel Mittelplate werden fortgesetzt. Erhebliche Mittel werden in diesem Jahr in Erneuerung und verbesserte Ausrüstung der Bohranlage investiert. Ferner sind die Modernisierung von Betriebseinrichtungen und Wohnquartieren geplant. Die Arbeiten bleiben auf die Insel beschränkt.
2002
Auswertungen der seismischen Untersuchungen aus dem vergangenen Jahr und Erkenntnisse aus weiteren Bohrungen haben ergeben, dass die förderbaren Reserven des Ölfeldes erheblich größer sind als zunächst angenommen. Die Ausförderung dieses höheren Reservenpotenzials würde mit dem bestehenden Konzept noch etliche Jahrzehnte erfordern. Dem stünden die einschlägigen bergrechtlichen Bestimmungen auch nicht entgegen.
Nach Vorlage der neuen Bewertungen des Vorkommens werden allerdings Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Ölförderung entwickelt. Erforderlich ist eine Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand in Friedrichskoog. Mit der Rohrleitungsanbindung würden sich die Transportkapazitäten des Offshore-Betriebs im Vergleich zur Verschiffung des Rohöls beträchtlich erweitern. Die Onshore-Ausförderung mit Horizontalbohrungen von Land aus bleibt davon unberührt.
Einem kurzfristigen Eingriff in die Natur während der geplanten Verlegung von zwei ca. 7,5 Kilometer langen Pipelines durch das Wattenmeer sowie einer landseitigen ca. 2,8 Kilometer langen Rohrverlegung zur Landstation steht der ökologische Gesamtnutzen des Projektes gegenüber: Jährlich könnten rund 2.000 Öltransporte mit den eingesetzten speziellen Schubverbänden entfallen. Für die vorgegebenen Prüf- und Genehmigungsverfahren werden die erforderlichen Antragsunterlagen erstellt.
Konzept der Pipeline-Verlegung durch Horizontalbohrungen (2005) Die gesamte Fördermenge aus der Offshore- und Onshore-Erschließung des Ölfeldes übertrifft im Jahr 2002 erstmals die Grenze von 2 Millionen Tonnen Erdöl.
2003
Mit inzwischen sieben Hightech-Produktionsbohrungen ist die Onshore-Bohrkampagne abgeschlossen. Die letzte, im Februar 2003 in Betrieb genommene, weit abgelenkte Bohrung hat eine Länge von 8.672 Meter und eine Förderrate von rund 400 Tonnen pro Tag. Der Betrieb auf der Landstation Dieksand verläuft reibungslos. Die künftig erwartete Jahresproduktion aus der Onshore-Förderung beträgt 1,1 - 1,2 Millionen Tonnen Öl.
Die Mittelplate-Produktionsbohrung A16 wird ebenfalls fertig gestellt und in Betrieb genommen. Ihre Produktion liegt mit einer Förderrate von rund 300 Tonnen pro Tag über den Erwartungen.
Im Beisein von Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Behörden sowie von Medienvertretern wird Ende März in Friedrichskoog die Förderung der zehnmillionsten Tonne Öl aus dem Feld Mittelplate gefeiert. Das mit zahlreichen Innovationen entwickelte und immer wieder erweiterte Bohr-, Förder- und Transportkonzept hat sich zu jeder Zeit bewährt. Die Projektdurchführung, die vor allem den Bedingungen des ökologisch sensiblen Fördergebietes Rechnung zu tragen hat, gilt inzwischen international als vorbildlich.
Nach einem problemlosen Antransport und erfolgreicher Installation kann das neue Wohnquartier mit zugehörigen Betriebseinrichtungen im Oktober in Betrieb genommen und bezogen werden. Nun können 96 statt bisher 69 Personen auf der künstlichen Insel Mittelplate untergebracht werden. Der Wohnkomfort wurde wesentlich erhöht. Die Projektinvestitionen für die Neueinrichtung betragen rund 20 Millionen Euro.
Mitte Oktober 2003 erlässt das Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld den Planfeststellungsbeschluss für die Rohrleitungsanbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Landstation Dieksand in Friedrichskoog. Im Dezember ist der Beschluss nach Ablauf der Widerspruchsfristen rechtskräftig. Die integrierte Offshore- und Onshore-Entwicklung bewährt sich und trägt zu einer schnelleren Ausförderung des Ölfeldes bei. Die Jahresfördermenge erhöht sich im Jahr 2003 auf 2,22 Millionen Tonnen Erdöl; die Gesamtförderung übersteigt 12 Millionen Tonnen.
2004
Ende März wird der Auftrag zum Bau einer neuen Bohranlage für die Bohr- und Förderinsel Mittelplate erteilt. Ein Austausch der Bohreinrichtungen ist erforderlich, um die weitere, technisch immer anspruchsvollere Feldesentwicklung planmäßig fortführen zu können. Es ist geplant, die neue Bohranlage im 2. Halbjahr 2005 auf der Insel zu installieren und sie Ende 2005 in Betrieb zu nehmen. Dann können Bohrungen von bis zu 8.000 Metern Länge in einem Radius von zirka sechs Kilometern um die Insel Mittelplate herum abgeteuft werden. Das Auftragsvolumen beträgt knapp 38 Millionen Euro. Auf der Insel Mittelplate sind inzwischen 17 von 44 möglichen Bohrungen niedergebracht. Die Gesamtfördermenge hat sich auf über 13 Millionen Tonnen Erdöl erhöht.
Nach Abschluss des weiteren Planfeststellungsverfahrens und Zulassung der Pipeline-Anbindung durch das Landesbergamt beginnen im Oktober die vorbereitenden Arbeiten. Über 700 Einzelrohre von 18 Metern Länge werden bis Ende Februar 2005 zu zehn Rohrsträngen in Längen bis zu 1.400 Metern zusammengeschweißt.
Verlauf der Pipeline-Anbindunge an die Aufbereitungsanlagen an Land Parallel zu den landseitigen Vorbereitungen in Friedrichskoog beginnt die Hafengesellschaft Brunsbüttel im betriebseigenen Elbehafen mit der Ausrüstung von zwölf Offshore-Arbeitspontons. Jeweils zwei der bis zu 100 Meter langen und über 20 Meter breiten Pontons werden für die Bau- und Bohraktivitäten an den sechs Baugruben entlang des Trassenverlaufs benötigt.
2005
Um die Ausförderung des Ölvorkommens zu optimieren, wollen RWE Dea als Betriebsführer und Partner Wintershall bis Ende 2005 mit einem Investitionsaufwand von insgesamt rund 150 Millionen Euro weiter planmäßig die neuen Konzepte zur weiteren optimierten Erschließung und Förderung sowie zur Steigerung von Transportmöglichkeiten realisieren. Kernstück der Vorhaben ist die Pipeline-Anbindung mit einem Investitionseinsatz von allein rund 100 Millionen Euro. Ergänzend dazu werden zahlreiche Betriebseinrichtungen im Offshore- und Onshore-Bereich ausgebaut, optimiert oder erneuert.
Einen wichtigen Meilenstein der Arbeiten zur Pipeline-Anbindung markiert der 19. Mai 2005: Alle zwölf Horizontalbohrungen für die sektionsweise Unterbohrung der insgesamt 7,5 km langen Strecke zwischen der Bohr- und Förderinsel Mittelplate und dem Festland in Friedrichskoog-Spitze sind erfolgreich abgeschlossen. Nach Beendigung der Schweißarbeiten zur Verbindung der in sechs Sektionen verlegten Rohrleitungen und dem Rückbau der Baugruben erfolgen im Juni Abtransport von Arbeits-Pontons und Material. Die Rückbauarbeiten der Offshore-Rohrleitungstrasse und der Transporteinrichtungen in Friedrichskoog-Spitze werden beendet.
Im Juni sind aus dem größten deutschen Erdölvorkommen Mittelplate 15 Millionen Tonnen Öl gefördert. Die Offshore-Fördermenge aus bisher 18 von 44 möglichen Bohrungen beträgt 9,5 Millionen Tonnen Öl. Die Gesamtfördermenge von Land aus beläuft sich auf rund 5,5 Millionen Tonnen Erdöl.
Im Juli 2005 ist die Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Öl-Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand im seeseitigen Bereich ohne besondere Vorkommnisse abgeschlossen. Der kurzzeitige Eingriff in das Wattenmeer ist damit beendet. Planmäßig verläuft die landseitige offene Leitungsverlegung zur Landstation Dieksand.
August/September 2005: Aufrüstung und Umbau der Insel Mittelplate zur weiteren optimierten Erschließung und Förderung sind in vollem Gange. Transporte, der Aufbau und Installationsarbeiten von erforderlicher Prozesstechnik zur Erhöhung der offshore-seitigen Produktion auf jährlich 1,2 bis 1,6 Millionen Tonnen Öl verlaufen sicher und planmäßig. Ebenso die Einrichtung und der Anschluss von Anlagen und Systemen zur Inbetriebnahme der Pipeline.
Auf der Insel Mittelplate wird die vorhandene Bohranlage durch eine neue leistungsstärkere High-Tech-Anlage ersetzt. Die tonnenschweren vorgefertigten Anlagenteile für den Unterbau waren mit Pontons zur Insel transportiert, mit dem neu errichteten Portalkran entladen, auf ihre Positionen gebracht und in Modulbauweise auf kleinster Fläche zusammengebaut worden. Inzwischen steht die Anlage mit Turmaufbauten bis 70 Meter Höhe zur Einrichtung von Gestänge- und Hebewerken.
Termingerecht erfolgen auf der Landstation Dieksand die erforderlichen Modifikationen und Erweiterungsmaßnahmen der dortigen prozesstechnischen Einrichtungen. Die Produktionskapazität der Aufbereitungsanlagen wird von 1,2 auf 2,5 Millionen Tonnen Rohöl erhöht. Auf dem 55.000 m2 großen Betriebsgelände werden zusätzliche Prozessfelder, eine Maschinenhalle, eine Gastrocknungsanlage, ein Flachbodentank, diverse Prozessbehälter und Separatoren errichtet sowie Erweiterungen an den Betriebsgebäuden vorgenommen.
28. Oktober 2005: Im Beisein des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen sowie weiteren Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Behörden nehmen RWE Dea AG als Betriebsführer und Wintershall Holding AG als Partner das neue Öl-Transportsystem offiziell in Betrieb.
Die Durchführung des technisch aufwändigen Pipeline-Verlegekonzeptes verlief planmäßig und erfüllte die hohen Umweltanforderungen, die das Vorhaben im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer an das Projekt stellte. Der ökologische Nutzen ist erheblich. Jährlich entfallen ca. 2000 Schiffsbewegungen mit Doppelhüllen-Schiffen zum Abtransport des Rohöls. Bis Ende 2005 sind über 16 Millionen Tonnen Öl störungsfrei aus dem größten deutschen Ölfeld Mittelplate gefördert.
2006
Die Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate bewährt sich. Pro Tag werden inzwischen 2.700 Tonnen Öl aus Deutschlands förderstärkstem Ölfeld durch die neue Edelstahl-Rohrleitung wetterunabhängig und problemlos an Land transportiert. Der kurzfristige Eingriff, der zur Verlegung der Pipeline notwendig war, hat die Watt-Ökologie nicht nachhaltig beeinflusst. Dies belegen die nun vorliegenden Ergebnisse des baubegleitenden Monitorings. Externe Gutachter hatten das Projekt während der Baumaßnahme begleitet und die Auswirkungen auf Seehunde, Vögel und im Boden lebende Tiere beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die gesteckten Umweltziele erreicht worden sind.
Nach einer kurzen Testphase hat die neu errichtete High-Tech-Bohranlage auf der Insel Mittelplate ihr umfangreiches Bohrprogramm aufgenommen. Die insgesamt rund 50 Millionen Euro teure Anlage mit der Bezeichnung T-150 ist durch ihre spezielle Ausstattung auf eine umweltgerechte Arbeit im sensiblen Wattenmeer ausgerichtet. Mit ihrem großen Bohrradius von 6.000 Meter Länge um die Insel Mittelplate und Bohrlängen von insgesamt etwa 8.000 Metern kann die Anlage das Ölfeld Mittelplate optimal erschließen.
Seit Mai wird die Bohrung A20 niedergebracht. Ende Juni wird ein neues Logistik-Zentrum für den Umschlag von Bohrklein in Cuxhaven offiziell eröffnet. Das bei den Bohrarbeiten durch den rotierenden Bohrmeißel erzeugte Bohrklein kann im Zuge des neuen Entsorgungskonzeptes nun in der neuen Anlage auf hohem umwelt- und sicherheitstechnischem Niveau gelagert, umgeschlagen und thermisch aufbereitet werden.
Bohr- und Förderbetrieb verlaufen das ganze Jahr über störungsfrei. Die Gesamtfördermenge offshore und onshore beträgt 2006 rund 2,15 Millionen Tonnen Öl.
2007
Das 2005 begonnene umfangreiche Investitionsprogramm für den Offshore- und Onshore-Betrieb ist planmäßig abgeschlossen. Bohr-, Förder- und Transportkonzept sind dem neuesten Stand der Technik angepasst und setzen mit den realisierten und höchst anspruchsvollen Neuerungen einen weltweiten Branchenmaßstab. Rund 670 Millionen Euro wurden inzwischen investiert. Erhebliche Teile der Investitionssumme erklären sich aus den hohen Standards bei Arbeitssicherheit und Umweltschutz.
Passend zum 20-jährigen Jubiläum im Oktober 2007 wurde die 20-millionste Tonne Erdöl aus der Lagerstätte gefördert. Die anfänglichen Fördermengen von jährlich rund 200.000 Tonnen Öl haben sich mehr als verzehnfacht. Die Ölproduktion im sensiblen Ökosystem Wattenmeer verlief zu jeder Zeit störungsfrei. Die jährliche Fördermenge beträgt inzwischen mehr als 2 Millionen Tonnen Öl.
Die dynamische Entwicklung von geophysikalischen Verfahren sowie der Bohrtechnologie in den letzten Jahren hat neue Horizonte für effiziente Bohr- und Förderverfahren eröffnet und dazu geführt, dass die Ölgewinnung ständig optimiert werden konnte. Ergänzend zu den bereits produzierten 20 Millionen Tonnen Öl gelten nach aktuellem Stand noch rund 30 bis 35 Millionen Tonnen Öl als gewinnbare Reserven. Da die übrigen inländischen Lagerstätten weitgehend ausgefördert und erschöpft sind, ist Mittelplate damit nicht nur das förderstärkste deutsche Ölfeld, sondern mit knapp 65 Prozent der nationalen Rohölreserven auch eines der wenigen bisher nachgewiesenen Vorkommen mit Zukunft. Verfeinerte Auswertungen seismischer Untersuchungen lassen inzwischen noch weitere Öl-Ressourcen erwarten. Die Frage, ob und wie viel Öl sich unter dem Wattenmeer befindet, soll anhand von Probebohrungen geklärt werden.
2008
Da die neue Mittelplate- Bohranlage T-150 für weiter abgelenkte Bohrungen mehr Strom benötigt, werden mit einer Spezialmaschine bis Herbst 2008 zwei 20 KV-Leitungen in 6 bis 10 Meter Tiefe verlegt. Die Verlegung erfolgte kontinuierlich während der Fahrt der Maschine in jeweils schmalen Gräben, die umgehend wieder geschlossen wurden.

