Ergänzende Informationen zum Antragsverfahren auf Stilllegung und Abbau der Blöcke A und B des Kraftwerks Biblis (Stand 06.08.2012)

Genehmigungsverfahren für Stilllegung und Abbau

RWE Power beabsichtigt die Genehmigung der Stilllegung und des Abbaus von Biblis A und B über mehrere Antragsschritte zu erlangen. Diese Aufteilung auf mehrere Abbauanträge ist etablierte Praxis, um den Umfang der Abbauarbeiten in zeitlich und sachlich sinnvolle Abschnitte einzuteilen. Bestandteil des Genehmigungsverfahrens sind darüber hinaus eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Für die Großgewerke Reaktordruckbehälter, biologischer Schild sowie für Maßnahmen an der äußeren Umschließung der Anlage sieht RWE mindestens einen weiteren gesonderten Abbauantrag vor. Die Einreichung der entsprechenden weiteren Anträge und der zugehörigen Unterlagen wird rechtzeitig vor der geplanten Ausführung erfolgen. Nach den vorliegenden Erfahrungen anderer Anlagen kann die Erteilung einer Genehmigung mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Eine abschließende Entscheidung über die tatsächliche Durchführung der Stilllegung und des Abbaus kann erst nach Vorliegen einer Genehmigung erfolgen.

Abbau mit Brennelementen in den Lagerbecken

Stilllegung und Abbau sind auch mit Brennstoff in der Anlage technisch möglich. Hierbei können nur die Bereiche und Systeme stillgelegt bzw. abgebaut werden, die zur Einhaltung der Schutzziele (z.B. Abfuhr der Nachzerfallswärme) für die Brennstofflagerung nicht benötigt werden.
Die Erlangung der Brennstofffreiheit ist von verschiedenen, von RWE nur eingeschränkt beeinflussbaren Faktoren abhängig. Aus diesem Grund hat RWE bei der Antragstellung vorsorglich unterstellt, dass zum Beginn der Ausnutzung einer Stilllegungs- und Abbaugenehmigung noch Brennstoff in den Blöcken sein könnte. Ungeachtet dessen setzt RWE alles daran, den Block A Ende 2014 und den Block B in 2016 brennstofffrei zu haben.

Umgang mit radioaktivem Abfall

Beim Abbau eines Kernkraftwerks fallen radioaktive Reststoffe an, die entweder nach Entfernung der Aktivität (Dekontamination) dem konventionellen Abfallwirtschaftskreislauf zugeführt werden können oder als radioaktiver Abfall geordnet zu entsorgen sind. Die Bearbeitung von Reststoffen und die Behandlung radioaktiver Abfälle können am Standort Biblis und/oder in externen Einrichtungen erfolgen. Hierzu gibt es noch keine abschließenden Entscheidungen. Nur ein kleiner Teil des gesamten Materials einer kerntechnischen Anlage ist überhaupt jemals mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen. So sind von der Gesamtmasse eines abzubauenden Kontrollbereiches weniger als 5 Prozent als radioaktiver Abfall zu klassifizieren und entsprechend endzulagern. Hierbei unterscheidet man Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung, die für das Endlager Konrad bestimmt sind, und wärmentwickelnde Abfälle wie abgebrannte Brennelemente. Diese werden in Castoren verpackt und in ein vom Bund noch einzurichtendes Endlager verbracht. Die beim Abbau des Kraftwerks Biblis anfallenden radioaktiven Abfälle können also frühestens bei Einlagerungsbereitschaft von Schacht Konrad bzw. dem vom Bund einzurichtenden Endlager dorthin verbracht werden.