Kraftwerk Emsland

Im niedersächsischen Lingen sind heute drei Kraftwerksblöcke auf Erdgasbasis installiert. 1974/75 wurden die Blöcken B und C in Betrieb genommen, 2010 ging mit einer Leistung von 887 MW das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) als Block D in Betrieb. Die Lingener Gaskraftwerke sind Wärmekraftwerke und nutzen Erdgas, um Wasser zu verdampfen und damit eine Turbine mit angeschlossenem Generator anzutreiben. Die Blöcke B und C unterscheiden sich von Block D jedoch in einem wesentlichen Detail: B und C erzeugen den Dampf mit einer Erdgasfeuerung, Block D nur mit dem heißen Abgas der Gasturbinen.

Kern der beiden 471-MW-Blöcke B und C sind die beiden Dampferzeuger: Sie erhitzen Wasser, das anschließend als Dampf eine Dampfturbine antreibt. Der Dampf strömt auf die Turbinenschaufeln und versetzt die Antriebswelle in Rotation. Wie bei allen Turbinen wird durch diese Drehbewegung ein Generator angetrieben, der den Strom erzeugt. Den Dampferzeugern vorgeschaltet sind jeweils zwei Gasturbinen. Sie treiben mit dem entstehenden Gemisch aus Verbrennungsgasen und Luft einen eigenen Generator an. Anschließend werden sauerstoffreichen Verbrennungsabgase im Dampferzeuger als Verbrennungsluft zum Erhitzen des Wassers für die Dampfturbinen genutzt. Weil die Gasturbinen den Kernprozess auf diese Weise ergänzen, bezeichnet man sie in diesem Fall auch als Vorschalt-Gasturbinen. Wegen der effektiven und umweltfreundlichen Kombination zweier unterschiedlicher Turbinen wird dieser Anlagentyp Kombikraftwerk genannt. Im Jahr 2011 sind die Gasturbinen der Blöcke B und C durch jeweils zwei neue Aggregate des Herstellers Rolls Royce ersetzt worden. Der Gesamtwirkunsgrad konnte von 41 Prozent auf 46 Prozent gesteigert werden. Die 200-Millionen-Euro-Investition hat den Gesamtwirkungsgrad der Kombiblöcke um bis zu zwölf Prozent gesteigert und den CO2-Ausstoß bei gleicher Stromerzeugung um über 45.000 Tonnen pro Jahr verringert.

Block D setzt weltweit Maßstäbe in Effizienz und Umweltfreundlichkeit. Wie die benachbarten Blöcke B und C ist auch Block D für die Kraft-Wärme-Kopplung ausgelegt: Die Abgase der zwei Gasturbinen werden über zwei Abhitzekessel einer gemeinsamen Dampfturbine zugeführt werden. Aus dem Prozess können dank Kraft-Wärme-Kopplung stündlich bis zu 100 Tonnen Prozessdampf ausgekoppelt werden. Das heißt: Ein Teil des Dampfes wird von der Dampfturbine abgezweigt und einem Industriekunden zur Verfügung gestellt. GuD-Technik und Kraft-Wärme-Kopplung erhöhen den Wirkungsgrad eines Erdgaskraftwerks beträchtlich, im Fall von Block D auf 59,2 Prozent. Ein derart effizienter Einsatz von Brennstoff und Wärme verringert auch den CO2-Ausstoß erheblich – zum Wohl der Umwelt und des Klimaschutzes.

Das Erdgaskraftwerk Emsland profitiert von seiner optimalen Anbindung an das Ferngasnetz: RWE Power bezieht den Brennstoff aus fünf verschiedenen Versorgungsnetzen. Um die Gasversorgung des Kraftwerks noch weiter zu verbessern, hat RWE Power zusätzlich eine so genannte Optimierungsleitung gebaut. Diese rund 28 Kilometer lange und etwa 1,50 Meter dicke unterirdische Leitung ist in etwa drei Kilometern Entfernung vom Kraftwerk verbaut. Sie dient der Bevorratung von Brennstoff und kann bis zu zwei Millionen Kubikmeter Erdgas bereitstellen. Das von einer Verdichterstation auf dem Kraftwerksgelände so auf 100 bar komprimierte Gas entspricht der Menge, die das Kraftwerk für zwölf Stunden Volllastbetrieb benötigt. Dadurch können kurzzeitige Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden.


Daten, Zahlen, Fakten – Kraftwerk Emsland

Block B/CBlock D
Generatorleistung GasturbineMW55 (2x)281 (2x)
Generatorleistung DampfturbineMW355 (2x)326
Gesamtnettowirkungsgrad%4259,2
Gasturbine
ErdgasmengeNm1/s5,639,43
DrehzahlU/min3.0003.000
Dampferzeuger
Anzahl Brenner16-
Erdgasmenge maximalNm1/s22-
Dampfkraftanlage
DrehzahlU/min3.0003.000
Kühlwassermengekg/s8.94411.526
Dampfstromkg/s320234,5
Dampftemperatur°C535585
Dampfdruckbar185,4160


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Kernkraftwerk Emsland

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