Kraftwerk Emsland

Im niedersächsischen Lingen sind heute drei Kraftwerksblöcke auf Erdgasbasis installiert. 1974/75 wurden die Blöcken B und C in Betrieb genommen, 2010 ging mit einer Leistung von 887 MW das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) als Block D in Betrieb. Die Lingener Gaskraftwerke sind Wärmekraftwerke und nutzen Erdgas, um Wasser zu verdampfen und damit eine Turbine mit angeschlossenem Generator anzutreiben. Die Blöcke B und C unterscheiden sich von Block D jedoch in einem wesentlichen Detail: B und C erzeugen den Dampf mit einer Erdgasfeuerung, Block D nur mit dem heißen Abgas der Gasturbinen. Auf Grund des Preisverfalls am Großhandelsmarkts und der verstärkten Einspeisung erneuerbarer Energien, insbesondere Photovoltaik, haben wir die Kraftwerksblöcke 2014 für die Sommermonate vom Netz genommen.

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Die Blöcke B und C – Stark durch Kombination

Kern der beiden 475-MW-Blöcke B und C sind die beiden Dampferzeuger: Sie erhitzen Wasser, das anschließend als Dampf eine Dampfturbine antreibt. Der Dampf strömt auf die Turbinenschaufeln und versetzt die Antriebswelle in Rotation. Wie bei allen Turbinen wird durch diese Drehbewegung ein Generator angetrieben, der den Strom erzeugt. Den Dampferzeugern vorgeschaltet sind jeweils zwei Gasturbinen. Sie treiben mit dem entstehenden Gemisch aus Verbrennungsgasen und Luft einen eigenen Generator an. Anschließend werden sauerstoffreichen Verbrennungsabgase im Dampferzeuger als Verbrennungsluft zum Erhitzen des Wassers für die Dampfturbinen genutzt. Weil die Gasturbinen den Kernprozess auf diese Weise ergänzen, bezeichnet man sie in diesem Fall auch als Vorschalt-Gasturbinen.

Wegen der effektiven und umweltfreundlichen Kombination zweier unterschiedlicher Turbinen wird dieser Anlagentyp Kombikraftwerk genannt. Im Jahr 2011 sind die Gasturbinen der Blöcke B und C durch jeweils zwei neue Aggregate des Herstellers Rolls Royce ersetzt worden. Der Gesamtwirkunsgrad konnte von 41 Prozent auf 46 Prozent gesteigert werden. Mit diesen Triebwerken stehen zudem im Falle eines Blackouts sogenannte Schwarzstartreserven zur Verfügung. Die 200-Millionen-Euro-Investition hat den Gesamtwirkungsgrad der Kombiblöcke um bis zu zwölf Prozent gesteigert und den CO2-Ausstoß bei gleicher Stromerzeugung um über 45.000 Tonnen pro Jahr verringert.

Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung

Die neue GuD-Anlage funktioniert nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Die bereits in den Gasturbinen zur Stromerzeugung genutzten heißen Abgase werden zur Wasserverdampfung verwendet. Dieser Dampf treibt eine weitere Turbine zur Stromerzeugung an und wird teilweise als Prozessdampf wieder ausgekoppelt.

 

 

GuD-Anlage

Block D setzt weltweit Maßstäbe in Effizienz und Umweltfreundlichkeit. Wie die benachbarten Blöcke B und C ist auch Block D für die Kraft-Wärme-Kopplung ausgelegt: Die Abgase der zwei Gasturbinen werden über zwei Abhitzekessel einer gemeinsamen Dampfturbine zugeführt. Aus dem Prozess können dank Kraft-Wärme-Kopplung stündlich bis zu 100 Tonnen Prozessdampf ausgekoppelt werden. Das heißt: Ein Teil des Dampfes wird von der Dampfturbine abgezweigt und einem Industriekunden zur Verfügung gestellt. GuD-Technik und Kraft-Wärme-Kopplung erhöhen den Wirkungsgrad eines Erdgaskraftwerks beträchtlich, im Fall dieses Kraftwerkblocks auf 59,2 Prozent. Ein derart effizienter Einsatz von Brennstoff und Wärme verringert auch den CO2-Ausstoß erheblich – zum Wohl der Umwelt und des Klimaschutzes. Auf Grund des Preisverfalls am Großhandelsmarkt und der verstärkten Einspeisung erneuerbarer Energien, insbesondere Photovoltaik, waren die Kraftwerksblöcke für die Sommermonate vom Netz abgemeldet. Während dieser Zeit wurde die Schnellstartfähigkeit des Block D durch Anlagenumbau und einer Betriebsleittechnikanpassung optimiert. Nunmehr können die Gasturbinen innerhalb von nur 45 Minuten ihre volle Leistung von 540 MW zur Verfügung stellen und garantieren damit Versorgungs- und Netzsicherheit. Seit Ende September stehen diese Kraftwerke nun wieder uneingeschränkt dem Lastverteiler auf Anforderung zur Verfügung.

Gasversorgung und Optimierungsleitung

Das Erdgaskraftwerk Emsland profitiert von seiner optimalen Anbindung an das Ferngasnetz: RWE Generation bezieht den Brennstoff aus fünf verschiedenen Versorgungsnetzen. Um die Gasversorgung des Kraftwerks noch weiter zu verbessern, hat RWE Generation zusätzlich eine so genannte Optimierungsleitung gebaut. Diese rund 28 Kilometer lange und etwa 1,50 Meter dicke unterirdische Leitung ist in etwa drei Kilometern Entfernung vom Kraftwerk verbaut. Sie dient der Bevorratung von Brennstoff und kann bis zu zwei Millionen Kubikmeter Erdgas bereitstellen. Das von einer Verdichterstation auf dem Kraftwerksgelände so auf 100 bar komprimierte Gas entspricht der Menge, die das Kraftwerk für zwölf Stunden Volllastbetrieb benötigt. Dadurch können kurzzeitige Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden.

Zahlen, Daten, Fakten


Block D
TypGas- und Damptturbinen (GuD-) Anlage
EinsatzbereichMittellast
InbetriebnahmeMitte 2009
BrennstoffErdgas
Investitionenca.500 Mio.
Blockleistung (netto)MW876
Wirkungsgrad%59,2
Dampfauskopplungt/hmax. 100

Die Grundsteinlegung

Am 15.6.2007 legte Ministerpräsident Wulff den Grundstein für den Bau der neuen Anlage. Bilder, Reden und der Film zur Grundsteinlegung dokumentieren das Geschehen vor Ort.

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Bilder von der Baustelle

Aktuelle Bilder dokumentieren den Baufortschritt des neuen Kraftwerks.

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Links und Downloads

Hier steht unter anderem die Broschüre zur GuD-Anlage zum Download zur Verfügung. Zu finden sind außerdem Links zu den anderen beiden Kraftwerken am Standort Lingen und zu regionalen Websites.

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Kontakt

Informationszentrum Kernkraftwerk EmslandAm Hilgenberg49811 LingenT+49 591/806-1611
F+49 591/806-1610