Essen/Köln, 18. März 2010, RWE Power AGDiese Presseinformation ist mehr als zwei Jahre alt

Tagebau Inden: Arbeitsböschung im Bereich des Betriebsgeländes abgerutscht



  • Bereich frühzeitig geräumt und gesichert / Bergbehörde umgehend informiert
  • Temporäre Böschung wurde unter Berücksichtigung archäologischer Funde länger stehen gelassen

Im Tagebau Inden ist am 12. März ein Teil einer so genannten Arbeitsböschung innerhalb des Betriebsgeländes abgerutscht.

Arbeitsböschungen werden nur für kurze Zeiträume (zwei bis drei Monate) gebildet, weil sie im Rahmen des Arbeitsfortschritts weggebaggert werden. Arbeitsböschungen unterliegen – wie alle Böschungssysteme im Tagebau – einer intensiven Überwachung. Sie sind allerdings wegen der weiteren Bearbeitung durch Großgeräte steiler angelegt als die Endböschungen, die dauerhaft stehen bleiben und dementsprechend flacher gestaltet werden. Arbeitsböschungen, die sich im Tagebau befinden, sind Teil des Betriebsgeländes und somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Betrieb wird unter anderem durch Verwallungen, Schranken und Beschilderungen vor unbefugtem Zugang gesichert.

Hintergrund: Der Tagebau nimmt fortwährend Flächen zur Freilegung der Kohle in Anspruch. In diesem Zusammenhang werden laufend Arbeitsböschungen angelegt. Auf der obersten Sohle im Tagebau Inden waren im Herbst vergangenen Jahres besondere archäologische Funde entdeckt worden. Um den Archäologen die Möglichkeit zu geben, diesen Bereich zu untersuchen, wurde die Arbeitsböschung entsprechend angepasst. Die Archäologen sind während ihrer Arbeiten in den Betriebsprozess eingebunden und in die Sicherheitsvorschriften eingewiesen.

Die Arbeitsböschung in dem betroffenen Bereich wurde kontinuierlich überwacht. Durch die im Vorfeld getätigten geologischen Untersuchungen war bekannt, dass in diesem Bereich auf sogenannte tektonische Sprünge zu achten ist. Während der Arbeiten des Baggers ist daher die Beobachtung weiter intensiviert worden. Als die Überwachungsergebnisse Hinweise auf mögliche Bewegungen gegeben haben, ist durch den Tagebau sofort angeordnet worden, den Bereich zu räumen, zu sperren und zu sichern. Auch Archäologen waren ab diesem Zeitpunkt hier nicht mehr tätig. Es wurde zusätzlich ein Sicherheitswall gebildet. In einem Abstand von zwei Tagen kam es dann zu einem Abrutschen der Arbeitsböschung. Eine Gefährdung von Personen und Geräten bestand daher zu keiner Zeit. Die zuständige Bergbehörde wurde umgehend informiert. Die Rutschung ging nicht über den planmäßigen Arbeitsbereich des dort eingesetzten Baggers hinaus. Sie wird in Kürze im Zuge der weiteren Gewinnungstätigkeit im Regelbetrieb aufgenommen.

Die Sachverhaltsschilderung macht deutlich, dass es keine Vergleichbarkeit zum Ereignis von Nachterstedt gibt. Eine Gefährdung für die Bewohner im unmittelbaren Umfeld des Tagebaus war nicht zu befürchten.



Interview mit Indener Tagebauleiter Arthur Oster: "Niemand war durch abgerutschte Arbeitsböschung gefährdet"

Im Tagebau Inden ist am 12. März ein Teil einer so genannten Arbeitsböschung innerhalb des Betriebsgeländes abgerutscht. Was ist tatsächlich passiert? Waren Menschen gefährdet? Wie ist der Vorgang einzuordnen? Arthur Oster, Leiter des Tagebaus Inden, bezieht Stellung.

Arthur Oster
Arthur Oster

Herr Oster, wurden durch die abgerutschte Böschung Menschen gefährdet?
Oster: Ein klares und deutliches Nein! Eine Gefährdung von Personen bestand zu keiner Zeit – weder auf Tagebaugelände noch für die Bewohner im unmittelbaren Umfeld des Tagebaus.

Wie bewerten Sie den Vorgang?
Oster: Dazu muss man etwas ausholen: Arbeitsböschungen, und um eine solche handelt es sich hier, werden von einem Bagger nur für etwa zwei bis drei Monate hergestellt. Im Rahmen des Abbaufortschritts des Tagebaus werden sie dann wieder weggebaggert. Wie alle Böschungssysteme im Tagebau unterliegen sie einer intensiven Überwachung. Richtig ist auch, dass diese Art der Böschung wegen der weiteren Bearbeitung durch Großgeräte steiler angelegt ist als Endböschungen, die ja dauerhaft stehen bleiben und dementsprechend flacher gestaltet werden.

Die Arbeitsböschungen befinden sich im Tagebau, sie sind also Teil des Betriebsgeländes und somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Durch Beschilderungen, Schranken, Verwallungen oder Gräben sichern wir diese Areale zusätzlich vor unbefugtem Zugang.

Im Tagebau waren Archäologen tätig. Warum?
Oster: Ein Tagebau nimmt fortwährend Flächen zur Förderung der Kohle in Anspruch. Auf der obersten Sohle in unserem Tagebau Inden haben wir im Herbst vergangenen Jahres besondere archäologische Funde aus der Römerzeit entdeckt. Wir wollten den Archäologen die Möglichkeit geben, diesen Bereich wie üblich zu untersuchen. Deshalb haben wir den Zeitablauf des Abbaus den archäologischen Arbeiten angepasst.

Zum besseren Verständnis: Archäologen sind häufig in unseren Tagebauen, da sie hier ein interessantes Tätigkeitsfeld vorfinden. Während ihrer Arbeiten sind sie natürlich in den Betriebsprozess eingebunden und für sie gelten wie für alle Mitarbeiter und Besucher unsere strengen Sicherheitsvorschriften.

Was ist genau passiert?
Oster: Wie bereits erwähnt werden unsere Arbeitsböschungen kontinuierlich überwacht, das gilt natürlich auch für den betroffenen Bereich. Durch unsere detaillierten Lagerstättenunterlagen wussten wir, dass wir in diesem Bereich auf tektonische Sprünge zu achten haben. Auch unsere Mitarbeiter kennen diese Informationen und richten ihre Tätigkeit danach aus. Während der Arbeiten des Baggers haben wir daher die Beobachtung weiter intensiviert. Denn Sicherheit hat oberste Priorität.

Als die Überwachungsergebnisse dann Hinweise auf mögliche Bewegungen gegeben haben, haben wir sofort angeordnet, den Bereich zu räumen, zu sperren und zu sichern. Das heißt natürlich: Auch die Archäologen waren ab diesem Zeitpunkt dort nicht mehr tätig. Zur zusätzlichen Absicherung haben wir Gräben hergestellt und Wälle aufgeschüttet. Innerhalb von zwei Tagen nach den ersten Anzeichen kam es dann zu dem nicht mehr unerwarteten Abrutschen der Böschung.

Mussten die Arbeiten danach eingestellt werden?
Oster: Nein, wir haben den Bagger gezielt in einem anderen Bereich eingesetzt. Parallel ist der betroffene Bereich intensiv untersucht worden. Dabei war auch die zuständige Bergbehörde eingebunden, die wir umgehend informiert hatten. Die Rutschung ist im Übrigen nicht über den planmäßigen Arbeitsbereich des zuvor dort eingesetzten Baggers hinausgegangen. Die abgerutschte Erde werden wir in den nächsten Tagen während des normalen Betriebs wegbaggern.

Warum wurde die Öffentlichkeit nicht informiert?
Oster: Die Böschungsumbildung, die ja schon zwei Tage im Voraus absehbar war, hat innerhalb des Betriebsgeländes stattgefunden. Niemand ist beeinträchtigt worden und die ursprüngliche Arbeitsböschung wäre ohnehin planmäßig abgebaggert worden. Für den Betrieb stellte dies also keine große Herausforderung dar. Ungeachtet dessen haben wir natürlich die Behörde informiert. Auf das öffentliche Interesse, das durch einen Zeitungsartikel ausgelöst wurde, haben wir unmittelbar durch eine Presseinformation reagiert und den interessierten Medienvertretern Rede und Antwort gestanden. Alle Journalisten, die sich selbst ein Bild von der Situation machen wollten, konnten das vor Ort im Tagebau tun.

Der Vergleich mit Nachterstedt liegt nahe …
Oster: Das ist unzulässig. Die Situation in Nachterstedt ist generell nicht auf die Verhältnisse im rheinischen Braunkohlenrevier übertragbar. Diese Einschätzung wird ja auch von unabhängigen Experten wie dem Geologischen Dienst in NRW geteilt.




Für Presserückfragen:
Lothar Lambertz
Presse RWE Power
T 0201-12 23984


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