Essen, 07. April 2015, 07. April 2015, RWE PowerDiese Presseinformation ist mehr als zwei Jahre alt

Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender RWE Generation/Power im Interview zur aktuellen Situation rund um die Braunkohle



Herr Hartung, kürzlich wurden Vorschläge des Bundeswirtschaftsministeriums bekannt, wie die Klimaschutzziele der Bundesregierung durch eine Reduktion von CO2 im Kraftwerkspark umgesetzt werden soll. Welche Auswirkungen hätte das für RWE?
Das wäre fatal. Denn das würde dazu führen, dass vor allem zahlreiche Braunkohlekraftwerke kein Geld mehr verdienen und geschlossen werden müssten. Das träfe nicht nur viele Kraftwerke, sondern auch Tagebaue. Um das mit konkreten Zahlen zu verdeutlichen: Allein in der deutschen Braunkohlenindustrie wären rund 30.000 Stellen bedroht. Hinzu kämen zigtausende Arbeitsplätze bei Partnerfirmen und Zulieferern. Deshalb sind Betroffenheit und auch der Ärger, die nicht nur in unseren Betrieben sondern im ganzen Konzern wegen dieser Pläne spürbar ist, absolut nachvollziehbar. Ich bin sicher, dass dies in der Politik angekommen ist. Das ist vor allem auch dem großen Einsatz unserer Betriebsräte und der Gewerkschaften zu verdanken! Eins ist aber allen klar: Wir müssen alle gemeinsam weiter kämpfen, damit die Pläne vom Tisch kommen!

Und der Klimaschutz?
Das ist doch das Absurde: Der Effekt fürs Klima wäre gleich Null. Der in dem Papier vorgeschlagene Mechanismus kann gar nicht funktionieren. Wenn die betroffenen Kraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt werden müssen, werden sie nicht die CO2-Zertifikate erwerben, die die Bundesregierung eigentlich dem europäischen Emissionshandel entziehen will. Und so wird eben keine echte CO2-Minderung erreicht. Vielmehr werden Emissionen ins Ausland verlagert. Nichts gewonnen fürs Klima – aber viel verloren für deutsche Unternehmen. Es war wichtig, die Wirkung dieser Pläne klar zu benennen. Und ich kann nur alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auffordern: Erklären Sie ihren Freunden und Bekannten, worum es geht. Wer den Zusammenhang versteht, der sieht dann auch: Hier steht nicht der Klimaschutz im Mittelpunkt – vielmehr geht es darum, die Kohle aus dem Markt zu nehmen. Im Übrigen verschließen wir uns keineswegs dem Klimaschutz. Warum haben wir denn in der Vergangenheit Milliarden in unseren Kraftwerkspark, in erneuerbare Energien, in die Netze investiert? Doch dafür, dass die Energiewende erfolgreich sein kann. Auch in die laufende Debatte haben wir eigene Vorschläge eingebracht. Aber eins geht nicht: die Kohle einseitig zu belasten und damit tausende Arbeitsplätze zu gefährden!

Wie geht es jetzt weiter?
Am Ball bleiben, nicht nachlassen, weiter unsere Argumente energisch vertreten! Jeder an seinem Platz. Jeder mit seinen Möglichkeiten. Ich spüre in persönlichen Gesprächen, aber auch wenn ich morgens die Zeitung aufschlage, dass der Widerstand gegen diese Pläne wächst. Deshalb bitte ich Sie alle: Lassen Sie uns zusammen kämpfen – für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung, für Tausende von Arbeitsplätzen, für die Braunkohlenregionen, aber auch für den Industriestandort Deutschland.


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