Diversity-Macher bei RWE

Laura Hesseln

Laura Hesseln ist Mitarbeiterin beim RWE Vertrieb. Sie ist von Geburt an gehörlos, braucht im Job aber nur manchmal einen Gebärdendolmetscher.

Was behindert Sie mehr: Ihre Gehörlosigkeit oder das Verhalten Ihrer Mitmenschen?
Barrieren gibt es immer mal wieder – sowohl in meinem Privatleben als auch im Job. In manchen Sitzungen brauche ich einen Dolmetscher. Wenn sich Menschen nicht deutlich artikulieren, komme ich schlecht mit. Die Kollegen, mit denen ich eng zusammenarbeite, geben sich aber Mühe. Sie sprechen so deutlich, dass ich alles von den Lippen ablesen kann.

Haben Sie einen Wunsch an RWE?
RWE ist in Sachen Inklusion gut unterwegs. Schön wäre es natürlich, wenn mehr Kollegen ein paar Grundbegriffe der Gebärdensprache kennen würden.

Womit verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich spiele Fußball in einem Verein für Gehörlose in Augsburg und in der Nationalmannschaft der Gehörlosen. Außerdem spiele ich in meinem Heimatort mit Hörenden zusammen.

Stefan Balázs

Stefan Balázs arbeitet bei der RWE AG in der Abteilung Interne und Online Kommunikation

Warum haben Sie sich entschieden, von zu Hause aus zu arbeiten?
Ich arbeite Teilzeit. Dazu passt es ideal, dass ich an bestimmten Tagen im Homeoffice bleiben kann – nämlich immer dann, wenn ich meine Kinder zur Betreuung bringe und sie abhole. Ich erspare mir die Pendlerzeiten und das Risiko, auf dem Heimweg im Stau stecken zu bleiben. Darüber hinaus kann ich daheim kreativer arbeiten. Die üblichen Unterbrechungen im Büro fallen weg und das Umfeld ist inspirierender.

Inwieweit müssen sich die Kollegen darauf einstellen, dass Sie nicht vor Ort sind?
Meetings mit mehreren Kollegen sind nur an den Präsenztagen möglich. Das lernt man im Team aber relativ schnell. Wenn ein Großteil der Tätigkeit ohnehin digital abgewickelt wird, ist der Unterschied recht gering, ob man im Nebenzimmer sitzt oder im Homeoffice. Wenn das Bürotelefon auf das Handy umgestellt ist, merken einige gar nicht, dass man nicht vor Ort ist.

Werden die Menschen in zwanzig Jahren noch gemeinsam in Büros arbeiten? Wie stellen Sie sich die Arbeitswelt von morgen vor?
So wie unsere gesamte Umwelt wird auch die Arbeitswelt noch digitaler und virtueller werden. Wir werden überall und jederzeit arbeiten können. Büros werden die Funktion von „Basislagern“ haben, dort sammelt man Vorräte und aktuelle Informationen. In dieser neuen Welt müssen wir allerdings darauf achten, dass Privatleben und Berufsleben nicht vollständig verschmelzen. Es ist wie alles im Leben eine Frage des Gleichgewichts.

Silke Hansen

Silke Hansen absolvierte als erste Frau die Fortbildung zur Triebfahrzeugführerin beim RWE-Bahnbetrieb in Bergheim.

Was fasziniert Sie an Lokomotiven?
Schauen Sie sich diese Maschine an! Meine Lok hat 3.800 PS. Mit Anhänger voller Kohle ist mein Zug 180 Meter lang und 2.000 Tonnen schwer. Solche Massen zu bewegen, ist eine richtig tolle Aufgabe.

Wollten Sie schon als Kind Lokführerin werden?
Ich habe über einen Umweg zu diesem Beruf gefunden, der ja zu den klassischen Traumberufen von Jungs gehört. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Elektronikerin gemacht. RWE Power bot mir dann aber an, mich zur Lokführerin weiterzubilden. Also hieß es weiterbüffeln: Theorie und Grundlagen des Rangierens. Dann durfte ich in Begleitung die große Lok durchs Braunkohlenrevier fahren. Sieben Monate später bestand ich die Prüfungen.

Wie haben Freunde und Kollegen reagiert?
Meine Freunde finden es total cool, dass ich Lokführerin bin. Die Kollegen hatten anfangs Probleme. Denn den Job haben bei RWE 45 Jahre lang nur Männer gemacht. Wir haben uns aber schnell und prima aneinander gewöhnt.

Gibt es auch einen Wermutstropfen?
Ich reite leidenschaftlich gerne. Dieses Hobby wird durch den Schichtdienst ziemlich eingeschränkt. Aber Job und Freizeit kriege ich mit der Zeit sicher auch noch vernünftig unter einen Hut.

Graham Weale

Der RWE Chefvolkswirt Graham Weale ist gebürtiger Brite, lebt aber mit seiner Frau bereits seit Mai 2007 in Essen.

Sie arbeiten seit Jahren in Deutschland. Gibt es noch immer Eigenheiten im deutschen Büroalltag, über die Sie sich wundern oder amüsieren?
Auf jeden Fall. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie formell sich die Deutschen im täglichen Umgang verhalten. Mich befremdet es beispielsweise immer noch, dass so viele Deutsche ihre Kollegen siezen.

Was können Briten besser als Kontinentaleuropäer?
Die Briten sind sicherlich besser darin, Bürokratie auch mal zu umgehen und „fünfe gerade sein zu lassen“.

Und umgekehrt?
Deutsche behalten oft alles im Blick und achten darauf, auch Details nicht zu vernachlässigen.

Warum sind international gemischte Teams kreativer als national homogene Teams?
International gemischte Teams verfügen über eine breite Palette von Sichtweisen und Erfahrungen, auf die sie zurückgreifen können – wie im Übrigen allerdings auch Teams, deren Mitglieder unterschiedliche Ausbildungen genossen haben.

Dr. Gabriele Haas

Dr. Gabriele Haas leitet den Bereich Recht, Revision, Compliance bei der Envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz. Zudem ist sie im Aufsichtsrat von Westnetz GmbH und RWE Česká republika s.a.

Was reizt Sie an Ihrer Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied?
Zum einen natürlich die Überwachungsfunktion des Aufsichtsrates. Zum anderen, dass ich viel für meine Kernaufgabe als Bereichsleiterin Recht bei enviaM mitnehme. Denn als Aufsichtsrätin beschäftige ich mich nicht nur mit Recht und Ordnung, sondern auch mit Aspekten der Unternehmensführung wie Strategie und Wirtschaftlichkeit.

Wie gelingt es Ihnen, das Mandat mit Ihren sonstigen Aufgaben zu verbinden?
Wie man Aufgaben eben erledigt: priorisieren, manches gegebenenfalls delegieren und Unterlagen, falls erforderlich, auch mal am Wochenende durchsehen.

Wie haben Sie Ihre erste Aufsichtsratssitzung erlebt?
Ich war aufgeregt. Das hat sich aber schnell gelegt, weil ich die Geschäftsleitungen von Westnetz und RWE Česká und viele der größtenteils sehr erfahrenen Aufsichtsratsmitglieder schon vorher kannte.

Was empfehlen Sie Frauen, die auch ein solches Mandat anstreben?
Zunächst einmal laut aussprechen, dass sie Aufsichtsrätin werden wollen. Wenn dann ein Mandat ansteht, sollten sie sich auf die Rechte und Pflichten gut vorbereiten und dafür sorgen, dass sie ausreichend Zeit erübrigen können.

Tamás Steványik

Tamás Steványik leitet das Personalwesen bei RWE in Ungarn und sorgt als „Diversity Champion“ dafür, den Diversity-Gedanken in den Konzern zu tragen.

Welche Rolle spielt das Thema Diversity bei RWE Ungarn?
Wir legen großen Wert auf das Thema Diversity. Mit unserem Knowledge Management Programme wollen wir den Nachwuchs von dem Wissen und den Erfahrungen der älteren Generation profitieren lassen. Auch unser Mentoring Programme zielt auf einen solchen Erfahrungsaustausch ab: Hier können sich talentierte Studentinnen und Studenten für ein Stipendium bewerben.

Inwieweit unterscheiden sich die Herausforderungen in Ungarn von denen in Deutschland?
Bei uns sind fast alle Mütter berufstätig. Diesen Frauen bieten wir diverse Arbeitszeitmodelle an, damit sie Beruf und Familie vereinbaren können. Dazu zählen Teilzeit und Homeoffice. Vor und nach dem Mutterschaftsurlaub unterstützen wir durch unser Mother Management Programme.

Wie haben Ihre Freunde und Verwandten reagiert, als sie von Ihrer Aufgabe erfuhren?
In Ungarn ist es ungewöhnlich, dass sich ein Arbeitgeber so für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert. Die Vorreiterrolle, die RWE einnimmt, erkennt man auch daran, dass uns sogar die Gewerkschaften loben. Ich bin stolz darauf, was wir in diesem Bereich bereits erreicht haben.

Diana Custodis

Diana Custodis bekleidet seit 2013 die Funktion des CFO bei der RWE Slovensko und ist gleichzeitig bereits seit 2011 CFO bei der Východoslovenská energetika in der Slowakei. Sie setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen Führungspositionen übernehmen.

Warum sollten Frauen die gleichen Chancen auf Spitzenjobs haben wie Männer?
Chancengleichheit ist kein Selbstzweck. Die Unternehmen vergeuden Potenzial, wenn sie ihre Topmanager primär aus dem männlichen Teil der Bevölkerung rekrutieren. Männer dominieren derzeit die entscheidenden Positionen. Frauen haben meist weniger Erfahrungen mit männliche Ritualen, Erfolgs-, Kommunikations- und Selbstvermarktungsstrategien, da sie seit dem Sandkasten tendenziell eher mit weiblichen Gefährten zu tun hatten. Das schafft im männlich dominierten Umfeld einen Wettbewerbsnachteil bei sonst gleichen Voraussetzungen. Dieses Problem kann nur gelöst werden, indem man für eine Übergangsperiode mehr weibliche Entscheidungsträger erzwingt. Mentoringprogramme können zusätzlich unterstützen.

Welchen persönlichen Eigenschaften verdanken Sie Ihren Aufstieg ins Management?
Als Frau muss man zusätzlich zu den ohnehin notwendigen Voraussetzungen zur Besetzung einer Managementposition eine überproportional hohe Frustrationstoleranz und den Willen zum Durchhalten mitbringen.

Was raten Sie Frauen, die auf dem Weg nach oben eine „gläserne Decke“ spüren?
Aus meiner Sicht gibt es keine gläserne Decke, sondern auf jeder Managementstufe tägliche Herausforderungen im männerdominierten Umfeld. Frauen sollten sich mit dieser Tatsache auseinandersetzen und Strategien entwickeln, um auch unter diesen erschwerten Bedingungen erfolgreich zu sein.