2. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre

2.1 Die 1960er: Öl statt Kohle

Der Niedergang der deutschen Steinkohleförderung war wesentlich durch die verstärkte Integration Westdeutschlands in den Welthandel mitbedingt: Die erstarkende Exportwirtschaft brauchte Energie; diese ließ sich wiederum besonders billig durch den Import von Energieträgern aus dem Ausland bereitstellen.

Zum einen wurde damit die heimische Kohle immer stärker dem Wettbewerbsdruck durch Importkohle ausgesetzt. Diesem konnte sie auf Grund ihrer Wettbewerbsnachteile nur durch permanente, hohe Subventionierung standhalten. Sie wurden im Zeitverlauf von reiner Preissubventionierung zunehmend auf Zahlungen zur Effizienzsteigerung und zur Absatzförderung umgestellt.

Zum anderen wurde die Energie-Infrastruktur immer stärker an Öl als wichtigstem Energieträger ausgerichtet – dies geschah auch im Zuge der weltweiten Angleichung industrieller Prozesse.

Mit dem Vordringen des Öls und dem zunehmenden Wettbewerb an den Energiemärkten verlor die Montanunion in den 60er-Jahren an Bedeutung, einige ihrer starren Regeln wurden abgeschafft; als besonders bedeutsam galt die Streichung des Subventionsverbots nach Artikel 4c des Vertrags zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl im Jahr 1964. An der Subventionspraxis änderte dies nichts: Seit Jahren hatten die Mitgliedsstaaten diese Vereinbarung umgangen oder sie schlicht missachtet.

Zudem gestaltete die Regierung – die Große Koalition – Energiepolitik aktiver. Erstmals wurden energiepolitische Ziele und Maßnahmen konkret formuliert und zusammengefasst: im Rahmen des Jahreswirtschaftsberichts 1969 und des Strukturprogramms 1969. Oberste Prämisse war dabei noch immer ein niedriger Energiepreis – ganz im Sinne der starken Exportwirtschaft. Fragen der Versorgungssicherheit spielten eine untergeordnete Rolle. Der Glaube an die unbegrenzte Verfügbarkeit von Energieressourcen war nach wie vor tief verwurzelt. Der Umstand, dass fast alle anderen Industrienationen sich ähnlich verhielten, führte zum Verhängnis: Die Welt hatte sich an billiges Öl gewöhnt, die Industrie war darauf ausgerichtet. Die Abhängigkeit von diesem Energieträger war zugleich eine Abhängigkeit von den Öl produzierenden Staaten Afrikas und des Nahen Ostens geworden, aus denen der überwiegende Teil der Öleinfuhren stammte.