1. Von der Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre

1.1 Wiederaufbau, Montanunion und EURATOM

Wiederaufbau einer zerstörten Volkswirtschaft: Mit dieser Aufgabe sah sich die deutsche Politik nach Ende des zweiten Weltkriegs konfrontiert. Eine sichere Energieversorgung war dafür Bedingung. Zwar waren viele Schachtanlagen zur Steinkohleförderung noch intakt, doch ein nicht geringer Anteil der in Deutschland geförderten Kohle musste als Reparation an die Alliierten abgeführt werden und stand weder den frierenden Menschen, noch dem Aufbau der Wirtschaft in Deutschland zur Verfügung.
Zudem gab es keine integrierte Energiepolitik: Die Verantwortung dafür war zwar 1945 dem Wirtschaftsministerium übertragen worden, wurde jedoch ohne strukturierten Plan auf verschiedene Referate zersplittert. So wurde etwa das bedeutsame Thema Mineralölwirtschaft der Abteilung für gewerbliche Wirtschaft zugeordnet.
Energiepolitik bedeutete zu dieser Zeit vor allem eines: Kohlepolitik.
Ihr oberstes Ziel in den ersten Jahren war die Ausdehnung der Fördermenge zur Überwindung von Versorgungsengpässen.

Robert Schuman entwickelte den Plan für eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl Ende der 40er-Jahre arbeitete der französische Wirtschaftspolitiker Jean Monnet einen Plan aus, nach dem die gesamte französische und deutsche Produktion der kriegswichtigen Güter Kohle und Stahl vertraglich aufeinander abgestimmt werden sollte – um dem Frieden langfristig eine Chance zu geben. Fernziel war die europäische Integration – mittelfristig sollten zu diesem Zweck die nationalen Kohle- und Stahlmärkte zu einem gemeinsamen Markt ausgebaut werden. Mit dem Vertrag zur „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl – kurz „Montanunion“ – sollte auch ein Weg gefunden werden, um die alliierte Kontrolle der deutschen Ruhrindustrie zu beenden. Nachdem der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer dem Plan zugestimmt hatte, verkündete der französische Außenminister Robert Schuman im Jahr 1950: „Der Zusammenschluss der Kohle- und Stahlproduktion wird die Geschicke jener Gebiete wandeln, die seit alters her jene Waffen gefertigt haben, deren ständige Opfer sie selbst gewesen sind.“ Ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich würde nicht nur undenkbar, sondern physisch unmöglich.

Der so genannte Schuman-Plan war Grundlage für die Montanunion – sie gilt heute als Ursprung der Europäischen Union, die sich, auf dem energiepolitischen Vertrag aufsetzend, schrittweise entwickelte. Im Jahr 2002 lief der Vertrag zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl aus, ihre politische Bedeutung hatte die Montanunion zu diesem Zeitpunkt jedoch längst verloren. 

Neben der Montanunion stellt der am 25. März 1957 in Rom unterzeichnete Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft einen weiteren entscheidenden Schritt zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften dar. Nach den Worten des Vertrages ist es Aufgabe der Atomgemeinschaft, durch den Aufbau von Kernindustrien den Lebensstandart der Europäer zu heben und die Beziehungen zu Drittstaaten auszubauen. Der EURATOM-Vertrag wurde über die Jahre durch die Gründung verschiedener Arbeitsgruppen weiterentwickelt und hat bis heute Bestand.