2. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre

2.3 1980er Jahre - Umweltbewegung

Auch den ökonomischen Wechselfällen der 70er-Jahre kehrte mit den 80er-Jahren auch in der Energiepolitik eine gewisse Stabilität zurück. Wichtige Ausnahme ist die Kernenergie. Die kostengünstige Alternative zur Verfeuerung von fossilen Energieträgern geriet bereits Anfang der 80er-Jahre in die Kritik von Umweltschützern. Die geplante Aufbereitungsanlage für gebrauchte Brennstäbe im bayerischen Wackersdorf, die Reaktoren in Brokdorf und Mühlheim-Kärlich waren Zielscheibe heftigen Protests von Kernkraftgegnern. Den Unfall im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl im April 1986 verstanden viele Umweltschützer als Bestätigung ihrer Ängste vor der Kerntechnologie.

Fragen nachhaltigen Wirtschaftens im Energiesektor rückten mit dem Erstarken der Ökologiebewegung immer stärker ins öffentliche Bewusstsein. Der Club of Rome, eine Art Think Tank, dem sich Wissenschaftler weltweit in Form eines Netzwerkes anschlossen, stellte mit dem viel beachteten Buch „Die Grenzen des Wachstums“ Prognosen über die verbleibende Menge an weltweiten Energieressourcen auf. Obgleich sich diese Voraussagen nachträglich als grob unzutreffend erwiesen, wurde die öffentliche Debatte auf das wichtige Thema der Diversifizierung der Energieversorgung gelenkt.

Ebenfalls von großer Bedeutung für die öffentliche Debatte um den Umweltschutz war das so genannte „Waldsterben“ – das Phänomen zeitweise zunehmender Schäden am deutschen Wald, welches wesentlich der Schadstoffbelastung aus der Verfeuerung fossiler Energieträger zugerechnet wurde. Wie sich später herausstellte, waren die Ausschlag gebenden Ursachen für Waldschäden zwar andere gewesen. (Holzberger: Das so genannte Waldsterben) Doch war die damalige Diskussion der Auslöser für gesetzgeberische Maßnahmen, mit denen die Rauchgasreinigung in fossil gefeuerten Kraftwerken zur Reduktion des Schwefeldioxid- und Stickoxid-Ausstoßes flächendeckend durchgesetzt wurde. Deutsche Kraftwerke zählen seither zu den saubersten der Welt.

An der Struktur der deutschen Energiewirtschaft änderte dieses gewandelte Bewusstsein weiter Teile der Bevölkerung kurzfristig wenig. Der Grund für die Stabilität der deutschen Energiewirtschaft ist im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) zu suchen, das über Jahrzehnte die Struktur der deutschen Energiewirtschaft geprägt hat. In seinen Grundzügen stammt es aus der Weimarer Republik. Erst mit den achtziger Jahren zeichnete sich langsamer Wandel ab.

Im Wandel: Energiepolitik