Was haben ein Stück Braunkohle und ein Apfel gemeinsam?

26. Juni 2015 – Wer herzhaft in einen Apfel beißt denkt in der Regel nicht an den heimischen Energie- und Rohstoffträger Braunkohle. Wenn er auch nicht gleich auf der Hand liegt, der Bezug zwischen einem Stück Kohle und dem runden Obststück aus dem Supermarkt ist gar nicht so weit hergeholt.

Die Schale vieler Äpfel ist zum Schutz mit einer feinen Wachsschicht überzogen – das Prinzip kennen wir auch vom Käselaib, dessen Rinde das Milchprodukt länger haltbar macht. Genau dieses Wachs kann über die stoffliche Nutzung von Braunkohle gewonnen werden.

„Aus der Braunkohle kann man sozusagen alles herstellen, was üblicherweise aus Öl oder Erdgas produziert wird – und damit fast alles, vom Plastikeimer über Handydisplays bis zur Wärmedämmung für Häuser“, beschreibt Urs Overhoff, Projektleiter im Forschungs- und Entwicklungsteam der RWE Generation. So funktioniert‘s: Die Kohle wird dafür zunächst getrocknet, mit Hilfe eines Kohlevergasers in eine gasförmige Substanz (Synthesegas) umgewandelt und gereinigt. Anschließend wird das Synthesegas in einem letzten Schritt mit Hilfe von Katalysatoren zum Endprodukt umgewandelt.

Die Chinesen nutzen Kohle schon seit langer Zeit für unterschiedlichste Zwecke, fern der Energieproduktion. Die Ursachen sind schlicht und einfach geopolitisch begründet: In der Mongolei gibt es riesige Braunkohlenvorkommen aber kaum eigenes Erdgas. So begann man in Fernost in großen Anlagen Kohle in synthetisches Erdgas umzuwandeln und über Pipelines zu den Industriestätten zu befördern. Dort nutzt man es um Treibstoffe und Basismaterialien für die chemische Industrie herzustellen oder für den Wärmemarkt.

RWE ist auf diesem Gebiet bereits seit den 40er Jahren unterwegs und treibt heute Forschungs- und Entwicklungsarbeiten aktiv im Innovationszentrum Kohle am Kraftwerksstandort Niederaußem voran. Dazu gehört die Entwicklung neuer Ansätze, um die Braunkohle bei uns stofflich nutzbar zu machen. Ehemalige RWE-Forschungsprojekte helfen jetzt. Die Verfahren werden auf die aktuelle Situation und neue Randbedingungen angepasst und optimiert. Denn mittlerweile ist die Technik fortgeschritten, neue Ideen schaffen eine bessere wirtschaftliche Basis und erhöhen die Effizienz.

Aktuelles Projekt: In Niederaußem erprobt RWE schon bald in einem Teststand Katalysatoren zur Herstellung von Naphtha, Wachsen und Treibstoffen mit Hilfe der sogenannten Fischer-Tropsch-Technik, einem großtechnischen Verfahren zur Kohleverflüssigung. Naphtha dient zum Beispiel als Ausgangsstoff für die Petrochemie: „Mit Naphtha lassen sich zahlreiche Produkte herstellen, darunter Kunststoffe, die man auch für Laptops oder Autos benötigt. Aus den Wachsen gewinnt man Komponenten für pharmazeutische Produkte und Kleber, beispielsweise für Spanplatten“. Das reine Wachs kann aber auch für die Produktion von Kerzen oder Schmierstoffen eingesetzt werden, oder eben als feines, dünnes Schutzschild für Äpfel und Käse.