Prüfen, wie die Braunkohle in der chemischen Industrie einsetzbar ist

In unserer Serie zur stofflichen Nutzung des heimischen Energieträgers geht es heute um die Einschätzung der Enquete-Kommission.

Es ist ein richtiger, wichtiger Schritt erneut zu prüfen, wie die Braunkohle in der chemischen Industrie einsetzbar ist. Gerade jetzt, wo weltweit der Bedarf an Energie und Rohstoffen enorm wächst. Das hat kürzlich auch die Enquete-Kommission des NRW-Landtags zur Zukunft der chemischen Industrie in ihrem Abschlussbericht deutlich gemacht.

Darin betont die überfraktionelle Arbeitsgruppe, dass die Kohle stofflich genutzt einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der Rohstoffbasis leistet.

Durch die Umwandlung von Braunkohle in flüssige (CtL: Coal to Liquid) oder gasförmige (CtG: Coal to Gas) Zwischenprodukte könnte die chemische Industrie ein Stück unabhängiger werden – von Weltmarktpreisen und geopolitischen Risiken. Ein weiterer positiver Faktor: Die Diskussion über die Kohle wird nicht weiter einseitig auf den Klimaschutz reduziert.

Den rund 460 Seiten umfassenden „Abschlußbericht der Enquetekommission zur Zukunft der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf nachhaltige Rohstoffbasen, Produkte und Produktionsverfahren“ finden Sie hier.

Nachfolgend zusammengefasste Argumente aus dem Abschlussbericht der Enquetekommission

  • Braunkohle ist der einzige heimische Rohstoff, der den gesamten Bedarf der chemischen Industrie decken könnte und langfristig zur Verfügung steht. Im Gegensatz zur heimischen Steinkohle kann sie wettbewerbsfähig gefördert werden und ist noch über lange Zeiträume verfügbar. Zudem wird so die Importabhängigkeit reduziert. Daher sollen die Verfahren zur stofflichen Nutzung von Braunkohle weiterentwickelt werden.
  • Der Vorteil für die chemische Industrie: Eine heimische Alternative zum importierten Öl – 71 Millionen Tonnen Rohbraunkohle könnten 16 Millionen Tonnen Rohöl ersetzen, die die chemische Industrie jährlich benötigt.
  • Der Kohlenstoffbedarf der organischen chemischen Industrie ließe sich theoretisch mit einem Viertel der gegenwärtigen deutschen Braunkohlenproduktion decken.
  • Derzeit werden nur zehn Prozent der in Deutschland jährlich geförderten 170 bis 180 Millionen Tonnen Braunkohle stofflich genutzt – ein deutlicher Wachstumsmarkt.
  • Als heimische Kohlenstoffquelle wird Braunkohle mittel- bis langfristig dann besonders attraktiv, wenn CO2 wieder in den Kohlenstoffkreislauf zurückgeführt wird und die Energie aus erneuerbaren Quellen stammt.
  • In Deutschland steht die Kohlennutzung in Konkurrenz zu ähnlichen Entwicklungen in China und Südafrika. Geopolitisch wäre eine eigene Rohstoffquelle mittel- und langfristig vorteilhaft, so die Einschätzung der Enquete-Kommission.
  • Abschließend hat die Kommission mehr als 50 Handlungsempfelungen abgegeben. Zwei der wichtigsten Punkte: Mit staatlicher Unterstützung soll eine Pilotanlage zur Kohlevergasung installiert werden und zukünftig ein Lehrstuhl für Kohlechemie in Nordrhein-Westfalen etabliert sein.