Die Bedeutung der Braunkohle

Sein Arbeitsplatz ist 96 Meter hoch, 225 Meter lang und wiegt fast so viel wie 15.000 VW-Käfer zusammen. Bernhard Mainka, genannt „Bobby“, arbeitet im Tagebau Hambach auf dem größten Bagger der Welt für RWE Power. 13.500 Tonnen mit einer Hand bewegen - Bernhard Mainka kann’s. Und für ihn ist die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der Braunkohle klar: Sie wird als zuverlässiger Stromlieferant und Partner der erneuerbaren Energien gebraucht. Mit seinen Kollegen arbeitet er Tag für Tag dafür, dass der heimische Energieträger im Tagebau gewonnen und in den benachbarten Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt wird. 2014 wurden rund 178 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Denn Kraftwerke auf Braunkohlenbasis erzeugten 2014 rund 156 Milliarden Kilowattstunden Strom. Etwa jede vierte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom basiert auf dem Einsatz der heimischen Braunkohle! Der Rohstoff deckt also 25 Prozent des deutschen Strombedarfs.

Das sind „nur“ die Zahlen aus der Energie-Statistik. Für die Menschen vor Ort bedeutet die Braunkohle mehr, nämlich Arbeit und Einkommen, Diese Menschen zahlen Steuern, leben mit ihren Familien in zum Teil strukturschwachen Regionen. Egal, ob in der Lausitz, in Mitteldeutschland oder bei RWE im Rheinischen Revier: Von der Kaufkraft der Bergleute und Kraftwerker lebt das Lebensmittelgeschäft ebenso wie der Bäcker, der Handwerker, das Bauunternehmen und andere Dienstleister. Die Arbeitsplätze von mehr als 20.000 Menschen im Rheinischen Revier hängen direkt oder indirekt von der Braunkohle ab – rein wirtschaftlich betrachtet ist das für die Region ein unverzichtbares Plus.

Und Braunkohle stiftet Identität. Ein Beispiel dafür ist die gerade beim Land NRW eingereichte Bewerbung als LEADER-Region „Rheinisches Revier an Inde und Rur”. Dieser Zusammenschluss von neun Gemeinden will die Region weiterentwickeln, will sie nach vorne bringen. In der Bewerbung heißt es wörtlich: „Das zentrale verbindende Element und auf ganz besondere Weise prägend für Landschaft, Wirtschaft, Klima, Natur und die Menschen der Region sind der Energieträger Braunkohle und die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden im Rheinischen Revier.“

Bleibt die Diskussion rund um das CO2, das bei der Stromerzeugung durch Kohle entsteht. Doch wie emotional die Diskussion geführt wird, ist angesichts der Realität nicht nachvollziehbar. Denn auch bei diesem Teilaspekt sprechen die Fakten eine andere Sprache: Der Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums würde tatsächlich kein CO2 einsparen.

Der Grund: Die Unternehmen wären in vielen Fällen aus ökonomischen Gründen gezwungen, Kraftwerke stillzulegen. Damit zahlen sie dann aber gerade keinen „Klimabeitrag“ und erwerben keine Emissionszertifikate, die dann vom Bund vernichtet werden könnten. Im Ergebnis bleibt die Zahl der Emissionsberechtigungen gleich, die Emissionen würden dann in der Folge nur ins Ausland verlagert.

Nicht nur, dass durch den BMWi-Vorschlag also kein CO2 eingespart wird, er hat auch erhebliche Nebenwirkungen: So sind weit mehr als die angeblichen zehn Prozent der fossilen deutschen Kraftwerke von den BMWi-Plänen betroffen. Rund 40 Prozent der Anlagen würden in ihrem Betrieb eingeschränkt oder sogar stillgelegt werden müssen. Eine Kapazität von mehr als zehn Gigawatt ginge vom Netz. Zusammen mit dem Kernenergieausstieg würde Deutschland so bis 2025 mehr als 20 Gigawatt gesicherte Leistung durch Kraftwerksstilllegungen verlieren. Diese Lücke könnte weder durch Neubau noch durch Stromimporte geschlossen werden, so die Fachleute. Zudem ginge mit der „Kohleabgabe“ eine massive Gefährdung der Beschäftigung in den Braunkohlenregionen einher: Arbeitsplatzverluste in Höhe von 40.000 Stellen allein in der Braunkohlenindustrie wären zu befürchten, würden die BMWi-Pläne für die Sonderabgabe auf die Verstromung von Kohle Realität (inkl. indirekter und induzierter Arbeitsplätze; Quelle HWWI-Studie 3/2015). Dabei stehen die Pläne auf wackliger Basis: So hat, wie die Zeitung „Die Welt“ am 17.04.2015 berichtete, die von der Gewerkschaft IG BCE beauftragte Investmentbank Lazard die Berechnungsgrundlage des Baake-Konzepts überprüft. Laut vorläufigem Ergebnis, so "Die Welt", gehen Ökoinstitut und Prognos in ihren Gutachten für das BMWi für 2020 von einem unrealistisch hohen Strompreis von 45 bis 50 Euro pro Megawattstunde aus. Während auf diesem Niveau der Weiterbetrieb der meisten Braunkohlenkraftwerke auch mit Klimaabgabe vielleicht noch darstellbar wäre, dürfte, so Lazard, der Strompreis 2020 tatsächlich sehr viel niedriger sein. Beim aktuellen Niveau der Terminmarktpreise an der Strombörse für 2020 von 32,50 Euro pro Megawattstunde wären laut Lazard-Berechnungen in einer Vollkosten-Betrachtung zwischen 85 und 95 Prozent der Kraftwerksblöcke unprofitabel, wenn es zur Einführung der Klimaabgabe kommt. Weil aber die verbleibenden Kraftwerke das System von Tagebauen und ihrer Rekultivierung nicht mehr finanzieren könnten, droht ein Domino-Effekt, der zum Aus für die gesamte Braunkohle führen könnte.

Dagegen setzt RWE bereits eine Vielzahl an Maßnahmen für die Reduzierung von Emissionen für eine noch klimafreundlichere Kohleverstromung um. Bestes Beispiel dafür sind die BoA-Kraftwerke im Rheinischen Revier. Die drei Braunkohlen-Blöcke mit optimierter Anlagentechnik vermeiden zusammen jährlich rund 9 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zu Altanlagen bei gleicher Stromproduktion und gelten als die weltweit modernsten ihrer Art. Auch bei vielen älteren Anlagen hat RWE die Effizienz durch Retrofit-Maßnahmen erhöht. Das führt auch hier zu höheren Wirkungsgraden – zu mehr Strom aus weniger Kohle.

Um in Sachen Klimaschutz weitere Maßnahmen zu entwickeln, bündelt RWE im Innovationszentrum Kohle in Niederaußem seine Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten. Dort betreibt RWE mit Partnern wie Linde und BASF eine Pilotanlage zur CO2-Rauchgaswäsche mit der Kohlendioxid aus dem Rauchgas abgetrennt werden kann. Die Erkenntnisse können weltweit in Kohlenkraftwerken Anwendung finden. Damit leistet RWE im Revier Grundlagenforschung für eine weltweit klimafreundlichere Kohleverstromung.

Schließlich kann die rheinischen Braunkohle einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der Rohstoffbasis der Chemischen Industrie in NRW leisten, wie nicht zuletzt die Enquete-Kommission des NRW-Landtags zur Zukunft der Chemischen Industrie in ihrem Abschlussbericht hervorgehoben hat. Die Umwandlung der Braunkohle in flüssige oder gasförmige chemische Ausgangsstoffe macht die chemische Industrie in NRW ein Stück unabhängiger von Weltmarktpreisen und geopolitischen Risiken. RWE selbst erprobt dabei Schlüsseltechnologien für die notwendigen Umwandlungsprozesse.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts EMNID im Auftrag des Deutschen Energierohstoff-Zentrums zufolge akzeptieren 60% der Deutschen Kohlenkraftwerke als Brückentechnologie zur Gewährleistung einer preis- und versorgungssicheren Energieversorgung. 54 Prozent aller Deutschen sind laut einer anderen Umfrage von INSA-CONSULERE gegen das Abschalten von Braunkohlenkraftwerken, wenn dadurch die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen steigt. Fest steht: Ob als Politiker oder als Bergmann auf dem Schaufelradbagger: Große Verantwortung tragen alle Beteiligten – für eine sichere, bezahlbare und zuverlässige Stromversorgung.

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