In der Braunkohle steckt mehr als Strom

In ihm steckt enorm viel – in unserem heimischen Energieträger, der Braunkohle. Vor allem Kohlenstoff und damit eines der wichtigsten chemischen Elemente. Es liegt also nahe, die Braunkohle nicht nur zur Verstromung oder als Brennstoff, sondern auch für die Herstellung chemischer Produkte zu nutzen. RWE ist auf diesem Gebiet unterwegs und treibt Innovationen auf diesem Gebiet aktiv im Innovationszentrum Kohle voran.
Gänzlich neu ist die Idee nicht: Treibstoff aus Braunkohle wurde bereits in den 40er Jahren in Wesseling von der Union Rheinische Braunkohlen-Kraftstoff hergestellt. In Zeiten der Kriegswirtschaft lohnte sich das, danach wegen des billigeren Erdöls nicht mehr. Später, zu Beginn der 70er trafen die beiden Ölkrisen die Industriestaaten ins Mark. Um die Abhängigkeit vom Öl zu mindern, wurden ehrgeizige Forschungsprogramme aufgelegt. Rheinbraun baute beispielsweise Anlagen zur Herstellung von Synthesegas, einem Vorprodukt für die Herstellung des Benzin-Ersatzstoffs Methanol. Zu einem großtechnischen Einsatz kam es nicht – Öl blieb billiger.

Heute, über 20 Jahre später, nimmt RWE das Thema erneut in die Hand, untersucht, wie die Braunkohle stofflich zum Einsatz kommen kann – zum Beispiel für die Herstellung von chemischen Rohstoffen wie Synthesegas und Methanol. Die Forschungsprojekte von damals helfen jetzt. Die Verfahren werden aus den Tresoren geholt und optimiert. Denn mittlerweile ist die Technik fortgeschritten.

„In der Braunkohle steckt mehr Potenzial, als die Meisten wissen“

betont Reinhold Elsen (siehe Bild oben), Leiter Forschung und Entwicklung (F&E) bei RWE Generation. Es ist ein richtiger, wichtiger Schritt erneut zu prüfen, wie die Braunkohle in der chemischen Industrie einsetzbar ist. Gerade jetzt, wo weltweit der Bedarf an Energie und Rohstoffen enorm wächst. Erst vor wenigen Wochen hat das auch die Enquete-Kommission des NRW-Landtags zur Zukunft der chemischen Industrie in ihrem Abschlussbericht deutlich gemacht. Darin betont die überfraktionelle Arbeitsgruppe, dass die Kohle stofflich genutzt einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der Rohstoffbasis leistet. Durch die Umwandlung von Braunkohle in flüssige (CtL: Coal to Liquid) oder gasförmige (CtG: Coal to Gas) Zwischenprodukte könnte die chemische Industrie ein Stück unabhängiger werden – von Weltmarktpreisen und geopolitischen Risiken. Ein weiterer positiver Faktor: Die Diskussion über die Kohle wird nicht ­weiter einseitig auf den Klimaschutz reduziert.

Jens Hannes, Leiter Brennstoffe aus dem F&E-Team:
„Die Schlüsselkomponenten für die stoffliche Braunkohlennutzung entwickeln wir im Innovationszentrum Kohle in Niederaußem”

Zu den Versuchsanlagen gehören ein Katalysator-Teststand zur Herstellung von Produkten aus der Kohleverflüssigung wie zum Beispiel Rohbenzin. Das RWE-eigene Mineralogielabor ermöglicht die Charakterisierung von Brennstoffen und Rückständen. Außerdem spielt die von RWE entwickelte Trocknungstechnik WTA eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Produkten aus Braunkohle.

Weil Industrie und Rohstoffvorkommen nah beieinander liegen, ergeben sich gerade in Nordrhein-Westfalen gute Optionen für die Kohlennutzung. Zudem verfügt das Land über wissenschaftliche Strukturen, die bestens für die weitere Entwicklung von CtL und CtG nutzbar wären. Zurzeit bespricht RWE mit Unternehmen der chemischen Industrie Kooperationsmöglichkeiten. Denn die neuen Potenziale des heimischen Energieträgers bieten für viele Akteure Chancen und Zukunftsperspektiven.

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