Der Ablauf im Überblick

Im rheinischen Braunkohlenrevier gibt es drei Tagebaue: Garzweiler, Hambach und Inden. Für alle gilt das gleiche Prinzip: Die beiden Tagebauseiten sind durch kilometerlange Bandanlagen miteinander verbunden; so ergibt sich eine Förderkette aus Gewinnungsgeräten (den Schaufelradbaggern), Transportmitteln (den Bandanlagen) und Verkippungsgeräten (den Absetzern). Jeder Tagebau ist terrassenförmig angelegt; die einzelnen Arbeitsebenen heißen in der Sprache der Bergleute Sohlen. Die Kohle wird überwiegend auf den unteren Sohlen gewonnen; Bagger auf den darüberliegenden Sohlen tragen den Abraum, also die Deckschicht, ab. Förderbänder transportieren Kohle und Abraum dann zu einem Verteiler, dem Bandsammelpunkt. Dort werden die Massen auf unterschiedliche Transportwege geschickt: Die Kohle kommt entweder zur Zwischenlagerung in den Kohlebunker oder direkt in die umliegenden Kraftwerke und Veredlungsbetriebe – je nach  Entfernung mit Bandanlagen oder per Werksbahn. Der Abraum wird über Förderbänder auf die ausgekohlte Seite des Tagebaus geleitet, die so genannte Innenkippe. Auf den einzelnen Arbeitsebenen verteilen Absetzer den Abraum und schichten das Erdreich terrassenförmig auf, bis das Loch verfüllt ist.

Zusatzinformationen

Schaufelradbagger, die Markenzeichen des Tagebaus

Schaufelradbagger sind die größten Arbeitsmaschinen der Welt. Ein einziger von ihnen kann täglich so viel Kohle fördern, dass sich damit eine 250 Kilometer lange Lkw-Schlange beladen ließe. Schaufelradbagger fördern sowohl Abraum als auch Kohle. Dies geschieht mit Schaufeln, die in ein Rad eingelassen sind wie die Zähne eines Zahnrads. Über eine schiefe Ebene rutscht das gebaggerte Material auf ein Förderband. Das Schaufelrad liegt am Ende eines bis zu 100 Meter langen Auslegers, der auch das Förderband für den Abtransport der Massen trägt. Die größten Schaufelradbagger sind 240 Meter lang und 96 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 144 Meter lang und 157 Meter hoch. Ein Bagger wiegt 13.500 Tonnen und erreicht eine Förderleistung von bis zu 240.000 Kubikmetern pro Tag.

Bandanlagen, die starken Transporteure

Eine Bandanlage besteht im Wesentlichen aus zwei Trommeln, über die ein endloses Förderband läuft – so, wie man es von Supermarktkassen kennt. Die Antriebsstation, groß wie ein Einfamilienhaus, beschleunigt das Band auf bis zu 27 Kilometer pro Stunde. Die beiden Endpunkte einer Bandstrecke – die Antriebsstation am Kopf der Anlage und die Umkehrstation am hinteren Ende – können bis zu fünf Kilometer weit auseinander stehen. Lange oder nicht gerade verlaufende Förderwege setzen sich aus mehreren solcher Bandstrecken zusammen. Alle Bandanlagen treffen sich am Bandsammelpunkt. Dort lässt sich jedes ankommende Band mit jedem abgehenden verbinden und der Materialstrom wie auf einem Verschiebebahnhof lenken. Abraum und Kohle werden am Bandsammelpunkt auf die weiterführenden Förderstrecken verteilt und dann in Richtung Absetzer, Kraftwerk, Zugbeladung oder Kohlebunker transportiert.

Absetzer, die Wegbereiter der Rekultivierung

Absetzer sind auf der Verkippungsseite des Tagebaus die Gegenstücke zu den Schaufelradbaggern auf der Gewinnungsseite. Das bedeutet: Was die Bagger an Abraum abgetragen haben, verteilen die Absetzer in den bereits ausgekohlten Bereichen des Tagebaus. Dafür kommen Kies, Sand und Ton über mehrere Förderbänder des Absetzers auf den bis zu 100 Meter langen, höhenverstellbaren und schwenkbaren Abwurfausleger. Von dort aus stürzt der Abraum auf die Kippe. Jeder Absetzer wird von drei Mitarbeitern bedient und kann täglich punktgenau bis zu 240.000 Kubikmeter Erdmassen verteilen.

Kohlebunker, die riesigen Vorratskammern

Die Kohleversorgung von Kraftwerken und Veredlungsbetrieben muss jederzeit gewährleistet sein – auch dann, wenn Bagger oder Förderwege einmal durch eine Störung ausfallen sollten oder wenn im Tagebau Ruhetag ist. Deshalb lagern große Vorräte an Braunkohle im Kohlebunker, der bis zu 800.000 Tonnen fasst. Dieser Speicher ermöglicht nicht nur eine ununterbrochene Versorgung der Kraftwerke, sondern erlaubt auch eine Trennung oder Mischung der Kohle nach unterschiedlichen Qualitäten. Dies ist beispielsweise im Hinblick auf den Heizwert wichtig, der über die Eignung des Rohstoffs für bestimmte Kraftwerkskessel entscheidet.

Werksbahnen, die zugkräftigen Schwergewichte

Tagebaue, Kraftwerke und Kohlenverarbeitungsbetriebe sind nicht nur über die Bandanlagen, sondern bei längeren Strecken auch über eine Werksbahn miteinander verbunden. In den Tagebauen werden die Züge, die mit Elektro- oder  Dieselmotoren ausgerüstet sind, halbautomatisch beladen. Kohle und Abraum gelangen durch Trichter von oben in die Waggons und werden dann mit etwa 60 Kilometern pro Stunde abtransportiert.