"Unser gutes Recht"

Interview mit Vorstand Lars Kulik zum Stopp der Rodungen im Hambacher Forst

Die Rodungen im Hambacher Forst sind angelaufen und wurden gerichtlich vorerst gestoppt. Dabei sind sie im Einklang mit Recht und Gesetz. Lars Kulik, im Vorstand der RWE Power für die Braunkohle zuständig, erklärt team:news die Hintergründe.

team:news: Herr Kulik, in Berlin wurde viel über die Kohle diskutiert, am Tagebau Hambach erst protestiert, dann wurden die Rodungen gerichtlich vorerst gestoppt. Es sind keine einfachen Zeiten für die Braunkohle und für die Kollegen vor Ort.
Lars Kulik: Daher gilt jeder Kollegin und jedem Kollegen im System Braunkohle und vor allem im Tagebau Hambach mein Respekt. Was die Mannschaft unter diesen Bedingungen leistet, kann ich gar nicht hoch genug schätzen. Das geht nur, weil jeder einzelne vom Wert seiner Arbeit für die Gesellschaft und für RWE überzeugt ist. Dabei sollten wir auch sehen, dass wir mit unserer Meinung nicht alleine stehen, sondern beispielsweise große Teile der Wirtschaft und auch der Gesellschaft dieses ebenfalls so sehen.

Was entgegnen Sie denjenigen außerhalb von RWE, die davon eben nicht überzeugt sind?
Wir brauchen die Braunkohle! Ich sagen ihnen auch, dass wir einen konkreten Fahrplan zur Reduktion der CO2-Emissionen haben. Wir leisten hier deutlich mehr als andere Branchen. In der aktuellen Diskussion zum Hambacher Forst weise ich stets darauf hin, dass auch wir den Wald schätzen. Schauen Sie sich die Rekultivierung an und die nachhaltige Natur, die wir da schaffen. Im gesamten Rheinischen Revier haben wir bis heute rund 87 Quadratkilometer Wald angelegt. Das ist mehr, als wir bisher in Anspruch genommen haben. Wir roden den Wald nicht zu unserem Vergnügen. Nein, wir müssen roden, damit sich der Tagebau Hambach planmäßig innerhalb der genehmigten Abbaugrenzen weiterentwickeln und somit für sichere und bezahlbare Energie sorgen kann. Daher hat die rot-grüne Landesregierung diese Grenzen erst 2016 bestätigt und die aktuelle Landesregierung hat sich ebenfalls dazu bekannt. Sie hat auch gesagt, dass die Braunkohle noch viele Jahre zur Sicherung der Stromversorgung gebraucht wird.

Hätten wir denn den Wald nicht auch erstmal stehen lassen können?
Nein, wir machen nur so viel Tagebauvorfeld frei, wie der Tagebau in einem Jahr weiterwandert. Wir bereiten also die unmittelbar bevorstehende Braunkohlengewinnung vor. Roden wir nicht, käme der Tagebau schnell zum Stillstand. Wir können auch nicht um den Wald herum baggern. Die Kohle liegt in Hambach bis zu 470 Meter tief. Wegen der hohen Böschungen käme man nicht mehr an die Kohle heran. Auch das wäre das sofortige Ende des Tagebaus. Es ist also nicht so, wie der BUND behauptet, dass wir durch die Rodung Fakten schaffen sondern genau umgekehrt, man möchte damit den umgehenden Kohleausstieg erzwingen – ein durchsichtiges Spiel. Nicht mit uns, denn die Kohleverstromung wird für die Versorgungssicherheit noch dringend gebraucht.

Und wenn dann doch ein Datum für den schnellen Kohleausstieg genannt wird?
Unabhängig davon, was in Berlin eines Tages entschieden wird: Die Kohleverstromung wird weiter abnehmen, aber das ist ein langfristiger Prozess, der mit unserem Braunkohlenfahrplan im Einklang ist. Etwas anderes mit der Brechstange, Pflastersteinen oder gerichtlich zu erzwingen, ist für mich nicht akzeptabel. Recht und Gesetz schützen nicht nur den einzelnen Bürger, sondern auch Unternehmen und seine Mitarbeiter. Die Leitentscheidung und auch das Urteil des Verwaltungsgerichts waren in der Sache eindeutig.

Wie geht es jetzt weiter?
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat beschlossen, dass die Rodungen bis zur Entscheidung über die Beschwerde des BUND gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln auszusetzen sind. Diese Zwischenentscheidung ist keine Entscheidung in der Sache. Das Gericht verschafft sich nur Zeit zur Prüfung. Ich gehe fest davon aus, dass das OVG nach der inhaltlichen Bewertung des Sachverhaltes die Entscheidung des VG Köln bestätigen wird.

Bild oben: Sandra Janz, Abteilung Landschafts- und Naturschutz, und Vorstand Lars Kulik vor einer Karte des Tagebaus Hambach: Die rekultivierten Flächen sind Grün und Gelb eingefärbt, Lars Kulik deutet auf den Hambacher Forst.