50 Millionen Euro für den Artenschutz rund um den Tagebau Hambach investiert

Der verbliebene Hambacher Forst braucht nicht unter Schutz gestellt zu werden. Weder ist der Restwald unverzichtbar für den Erhalt seltener Tierarten wie der Bechsteinfledermaus. Noch eignet er sich in besonderem Maße zu diesem Zweck. Andere Bereiche sind deutlich besser geeignet. Zu diesem Fazit kommt der Kieler Biologe Dr. Ulrich Mierwald in einem Fachgutachten, das er Anfang dieser Woche in Köln Journalisten vorstellte.

Er tat dies auf Einladung von RWE Power. Das Unternehmen hatte Mierwald mit dem Gutachten über die naturschutzrechtlichen Aspekte beauftragt. Damit wurden Sachfragen aufgegriffen, die das Oberverwaltungsgericht Münster Ende vergangenen Jahres in einem Eilverfahren formuliert hatte. Die 40-seitige fachgutachterliche Stellungnahme des renommierten Kieler Experten wurde mit dem Hauptbetriebsplan 2018-2020 bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht. Sie hat den naturschutzrechtlichen Status nunmehr umfassend geklärt. Die Bezirksregierung Arnsberg ließ den Hauptbetriebsplan für den Tagebau Hambach am 29. März zu (siehe dazu auch die Pressemitteilung vom Tage). Der BUND NRW reichte vergangenen Freitag erwartungsgemäß Klage beim Verwaltungsgericht Köln gegen die Zulassung ein. Die Braunkohlengewinnung kann wegen der Anordnung des Sofortvollzugs, die ebenfalls am 29.März ausgesprochen wurde, uneingeschränkt weitergehen. Rodungen sind ohnehin nicht vor dem 1. Oktober gestattet. RWE Power sieht dem weiteren Verfahren zuversichtlich entgegen.

Die im vergangenen Winter gestoppten Rodungen müssen nachgeholt werden, stellte Michael Eyll-Vetter klar. Er leitet die Sparte Tagebauentwicklung. Zudem müssten weitere Abschnitte gerodet werden, um den Fortschritt des Tagebaus Hambach sicherzustellen. Von den zurzeit noch übrigen rund 200 Hektar des Hambacher Forstes würden mehr als 100 Hektar weichen. Gleichzeitig betonte Eyll-Vetter, dass mittlerweile rund 1.500 Hektar ehemaliger Bergbaufläche hochwertig rekultiviert seien. Dazu kommen weitere 1.500 Hektar außerhalb des Abbaufeldes, die dem Artenschutz dienen.

Bei der gleichen Veranstaltung präsentierte Sandra Janz von der Abteilung Landschafts- und Naturschutz das Artenschutzkonzept für den Tagebau Hambach. Dafür hat RWE Power bislang mehr als 50 Millionen Euro ausgegeben. Rund 800 Hektar Altwald im Umfeld des Tagebaus werden ökologisch aufgewertet. In Steinheide, Dickbusch und anderen Gebieten bleiben alte Eichen 50 Jahre länger als üblich stehen. Totholzstämme werden nicht weggeräumt, sondern dienen Tieren als Heimstatt. Auf weiteren 100 Hektar werden Alleen, Grünzüge und andere Vernetzungsstrukturen angelegt – Ausbreitungswege für die Fledermäuse. Und auf noch einmal 600 Hektar ehemaligem Ackerland entstehen Streubobstwiesen und Kuhweiden (großes Bild oben), wo die verdrängten Waldtiere Nahrung finden.

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