Wo und wie wird gehandelt?

Der Handel mit Energie spielt sich an Börsen und im Vergleich zu den Finanzmärkten vor allem auch außerhalb ab. In Europa gibt es derzeit mehr als ein Dutzend dieser Börsen, die bedeutendsten sind die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und die NORDPOOL in Oslo. Hier sind mehrere hundert Handelsteilnehmer aus vielen Ländern engagiert. Eine der größten Warenbörsen für Erdgas, Erdöl, Metalle und Wetterderivate ist die Intercontinental Exchange (ICE) in Atlanta, USA. Die New York Mercantile Exchange (NYMEX) ist die größte Terminbörse für Energie in Nordamerika.

An Börsen werden Standardprodukte angeboten, der Handel verläuft anonym, d.h. Anbieter und Nachfrager kennen sich nicht. Von zentraler Bedeutung ist das sogenannte Clearing an Börsen: dieser Mechanismus sichert den Ausfall eines Vertragspartners mit einer Prämie; dies gilt in wachsendem Maße auch für die Absicherung außerbörslicher Transaktionen.

Anna Katharina Obertacke Denn der größte Teil der Geschäfte läuft außerhalb der Börsen. Analystin Anna Katharina Obertacke erläutert das Prinzip: „Im sogenannten Over-the-counter-Handel (über den Ladentisch, kurz OTC) kaufen oder verkaufen die Teilnehmer individuelle Produkte. OTC wird im elektronischen Handel über Vermittler angeboten, die sogenannten Broker.“ Fast ebenso wichtig ist der direkte Telefonhandel zwischen zwei Vertragspartnern.

Etwas Besonderes ist der Gashandel in Europa, sagt Obertacke. „Dabei spielt sich das größte Handelsvolumen an sogenannten virtuellen Handelspunkten (Hubs) ab. Dort fließt nicht wirklich Gas, sondern Vertragspartner schließen Geschäfte ab.“ Bedeutende Hubs sind der „National Balancing Point“ für UK und das „Title Transfer Facility“ in den Niederlanden. An Liquidität deutlich zu nimmt der Gashandel an der EEX.