Wachstum im Stromhandel

  • Nach Berechnungen von RWE ergibt sich für Deutschland ein quantifizierbares Stromhandelsvolumen von 5.905 TWh (EEX und e-OTC, also ohne Telefon- und bilateralen Handel). Das sind 372 TWh oder 6,7% mehr als 2012.1
  • Die Stromnachfrage in Deutschland 2013 wurde vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) auf rund 596 TWh geschätzt. Das heißt, dass jede Terawattstunde etwas mehr als zehnmal gehandelt wurde, bevor der Kontrakt erfüllt bzw. bevor es zu einer (physischen) Lieferung gekommen ist.
  • An der European Power Exchange (Fusion aus der deutschen EEX und der französischen Powernext) wurde im Jahr 2013 insgesamt ein Volumen von 1.610 TWh im Spot- und Terminhandel umgesetzt.

Mehr Liquidität, mehr Wettbewerb

  • Deutschland setzt Standards bezüglich Wettbewerb, Handelsvolumen und Transparenz.

Fragen und Antworten zum Energiehandelsmarkt

Wie sieht RWE den Fortschritt bei der Integration der europäischen Energiehandelsmärkte?

  • Die Integration der europäischen Handelsmärkte schreitet stetig voran. RWE’s Einsatz, gleiche Marktbedingungen für alle Teilnehmer zu schaffen, spielt dabei eine entscheidende Rolle.
  • RWE unterstützt aktiv die Einführung des europäischen Zielmodells zur Integration der Energiemärkte und nimmt am Dialog zwischen der EU Kommission und den Initiativen anderer Marktteilnehmer teil.
  • Bereits jetzt ist der deutsche Strommarkt eng mit den Nachbarländern verbunden. Die Koppelung der zentralwesteuropäischen/nordeuropäischen Märkte zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Skandinavien hat bereits zu gleichen Spotpreisen in vielen Stunden des Jahres geführt. Wir erwarten weitere Verbesserungen durch die Einführung des „North-Western Europe Price Coupling“ (einschließlich Großbritannien) ab November 2014 und die lastflussbasierte Kapazitätsberechnung ab Anfang 2015.
  • Die Marktkopplung basiert auf impliziten Auktionen. Die Teilnehmer bekommen die grenzüberschreitenden Kapazitätsrechte nicht direkt bereitgestellt, sondern geben ihre Stromgebote an ihrer jeweiligen Börse ab. Die Börsen nutzen dann die verfügbare grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten, um Preisdifferenzen zwischen zwei oder mehr Regionen zu minimieren, so dass ein volkswirtschaftlicher Nutzen entsteht.
  • Dieses System hat zu identischen Börsenpreisen geführt, solange keine Netzengpässe bestehen.
  • Darüber hinaus bietet ein Terminmarkt sowohl Erzeugern als auch Industriekunden und Händlern die Möglichkeit, sich gegen Risiken abzusichern. Die Buchung grenzüberschreitender Kapazität unterstützt die Festlegung fixer Strompreise mit entsprechend fixierten Preisen für Durchleitungskapazitäten.

Was sind die Verdienste des deutschen Energiehandelsmarktes?

  • Neben Skandinavien ist Deutschland der am weitesten entwickelte Energiehandelsmarkt in Europa.
  • Aus Händlersicht setzt der deutsche Energiehandelsmarkt die Benchmarks für Europa: Kein anderer Markt bietet so viel Wettbewerb, Liquidität und Transparenz.
  • Teilnehmer an anderen europäischen Handelsmärkten nutzen den deutschen Markt, um ihre Portfolios und Risiken wirksam zu managen. Die Preise des deutschen Marktes haben eine leitende Funktion für viele weniger entwickelte Märkte in Europa.


Das Stromhandelsvolumen in Europa von 2001 bis 2013:

 

 

Wie bewertet RWE Initiativen der EU, Prinzipien der Finanzmarktregulierung auf Commodity Märkten zu übertragen und den außerbörslichen Handel mit Derivaten zu regulieren?

  • RWE begrüßt alle Initiativen der EU, die darauf abzielen Transparenz, Integrität und Vertrauen in die Großhandelsmärkte für Energie zu stärken. So wird die Zahl der Marktteilnehmer und die Liquidität in unseren Märkten erhöht.
  • Finanzvorschriften müssen jedoch entsprechend auf die verschiedenen Märkte, deren Teilnehmer und die spezifischen Umstände zugeschnitten werden. Die Übertragung der Bankenregulierung auf physische Märkte und deren Teilnehmer nach dem Motto „one size fits all“, droht die Liquidität der Energiemärkte zu untergraben und steigert die Kosten für die Verbraucher, ohne die allgemeinen Stabilität der Finanzmärkte zu verbessern.
  • Die Vorteile des Börsen- und außerbörslichen Handels müssen gleichermaßen erhalten bleiben, um wirkungsvollen Wettbewerb zwischen Handelsplattformen zu gewährleisten, um Flexibilität beim Managen von Risiken in OTC Märkten zu erhalten und gleichzeitig auf die Vorteile des Clearing zurückgreifen zu können wo es sinnvoll ist.
  • RWE arbeitet gemeinsam mit den EU Institutionen und anderen Interessengruppen intensiv an einer Verbesserung der Marktintegrität und Transparenz, um angemessene Befreiungen von der Finanzmarktregulierung für Akteure auf Energiemärkten sicherzustellen und für sachgemäß gezogene Grenzen zwischen physischen und finanzbasierten Märkten.
  • In unserem Handelsgeschäft halten wir nur Positionen, die wir für kontrollierbar halten und die ökonomisch vernünftig sind. Unser Risikomanagement ist darauf ausgerichtet, die Häufung von Long- und Shortpositionen, mit ihren inhärenten Risiken, in Übereinstimmung der täglichen Situation am Markt zu begrenzen.

Ist Spekulation nicht an sich verantwortlich für inflationäre Preise?

  • Spekulation ist ein konstitutives Element von Märkten und deren Erwartungen zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage in Bezug auf Mittel, aber auch Energieressourcen und den dazugehörigen Derivaten.
  • Spekulanten übernehmen Preisrisiken, die Produzenten und Verbraucher nicht übernehmen wollen. Produzenten verkaufen ihren Überschuss – in unserem Falle Strom und Verbraucher kaufen was sie benötigen. Spekulanten kaufen was sie nicht benötigen und verkaufen was sie noch nicht haben. Sie übernehmen folglich die Risiken für beide, Produzenten und Verbraucher.
  • Spekulation ist auch ein Resultat von Märkten, sie beurteilt die grundlegende Berechtigung von Preisen. Der Markt kann diesen Signalen folgen und so bestätigen, dass es stichhaltige Gründe für ein spekulatives Engagement gibt.
  • Unserer Meinung nach schwächt ein rigide kontrollierender Eingriff in die Preisbildung und Marktprozesse die Liquidität. Er mindert so die Chance, Handelspartner zu finden und sich gegen Risiken abzusichern. In letzter Konsequenz kann das zu deutlich steigenden Preisen für die Endverbraucher führen.

 

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1 Comparison:
Skandinavien: 1.903 TWh (-2.5 % bzw. -49 TWh)
Frankreich: 572 TWh (+7.9 % bzw. +42 TWh)
Spanien: 614 TWh (+18 % bzw. +94 TWh)
Niederlande: 326 TWh (+34.1 % bzw. +83 TWh)