Integral

PowerMatching City Hoogkerk II, Niederlande

Das Projekt PowerMatching City Hoogkerk wurde im März 2011 mit beachtlichem Erfolg abgeschlossen und zog Fernsehteams aus Ländern wie Korea und Frankreich an. In diesem Projekt wurde demonstriert, dass es möglich ist, ein automatisiertes nachfrageseitiges Lastmanagement-System (Demand-Response(DR)-System) zur Optimierung des Energiesystems aus Sicht der „Prosumenten“1 zu nutzen, während sich gleichzeitig sowohl für Energieversorger als auch lokale Netzbetreiber die Möglichkeit zur Prozessoptimierung bietet, indem preisliche Anreize für die Prosumenten geschaffen werden.

Für einen Netzbetreiber liegt die Herausforderung darin sicherzustellen, dass das Stromnetz bei einem plötzlichen Anstieg der Nachfrage oder der lokalen Stromerzeugung nicht zusammenbricht. Aus Sicht der Energieversorger und Stromproduzenten sind diese Entwicklungen in der intelligenten Netztechnik (smart grid) aus einer Reihe von Gründen von großem Interesse.

Der wichtigste Aspekt ist, dass die Stromversorgungssysteme im Zuge des steigenden Einsatzes erneuerbarer Energien immer stärkeren Belastungen ausgesetzt werden. Derzeit folgt die Stromproduktion stets der Nachfrage. Doch mit dem Anstieg des Anteils an nicht steuerbarem nachhaltigem Strom, z.B. aus Wind- und Solarenergie, muss sich die Nachfrage zukünftig der Produktion anpassen. Dass dies machbar ist, hat das Projekt PowerMatching Hoogkerk bewiesen.

Damit ein solches System funktioniert, müssen aber dennoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Vor allem sollte ein solches intelligentes Stromnetz für den Verbraucher attraktiv sein. Da Verbraucher sowie lokale Stromerzeuger eine immer wichtigere Stellung im Stromversorgungssystem einnehmen, werden sich auch Rolle und Position der Energieversorger ändern: Vom großen Anbieter eines Produkts von geringem Interesse werden sie zum Vermittler und lokalen Partner für Energiemanagement.

Bei Hoogkerk II geht es darum, diese neue Rolle der Energieversorger näher zu beleuchten. Es erfolgt ein Ausbau des Projekts durch mehr smart homes und Elektroautos, doch das Hauptaugenmerk dieses Projekts liegt auf der Interaktion mit Prosumenten und Energiemarkt. Auf der Infrastruktur Hoogkerks aufbauend werden neue Dienstleistungen und Produkte getestet; von Stromverträgen mit dynamischen Preisen, die sicherstellen, dass die Waschmaschine unter Ausnutzung des niedrigsten Energiepreises wäscht, bis hin zum Verkauf des überschüssigen Stroms durch Privatpersonen über Websites oder Social Media-Seiten, egal ob an die eigene Familie oder jemand anderen, der nicht benötigte Solarenergie kaufen möchte.

Dieser Markt kann jedoch von uns, RWE, und unseren Projektpartnern nicht alleine erschaffen werden. Im Rahmen des Pilotprojekts haben wir deshalb das „Technologie-Sprungbrett“ entwickelt, ein Programm, bei dem interessierte Unternehmen die Infrastruktur in Hoogkerk nutzen können, um ihre eigenen Produkte und Technologien zu testen und weiterzuentwickeln. So nutzt z.B. ein Halbleiterhersteller die Pilotanlage um seine integrierten Chips mit der PowerMatcher-Technologie zum Aufladen elektrischer Motorroller zu testen.

Das Projekt beginnt im September 2011 und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Neben RWE/Essent werden auch der lokale Netzbetreiber Enexis und die Wissens- und Technologielieferanten KEMA, TNO und HUMIQ an diesem Smart Energy-Pilotprojekt teilnehmen.

A.d.Ü.: aus dem Englischen „prosumer“ – producer/consumer (Produzent/Konsument)