Anleihe-Platzierung der RWE AG

am 20. September 2010

RWE hat am 20. September eine Hybrid-Anleihe im Volumen von 1,75 Milliarden € begeben. Die Anleihe stieß auf reges Interesse bei den Investoren, die das Papier deutlich überzeichneten. Sie ist damit die größte Euro-Hybrid-Anleihe, die bisher in Europa von einem Industrieunternehmen begeben wurde. Der Kupon beträgt anfänglich 4,625 % p.a. bei einem Ausgabekurs von 99,7 %.

IR-Mitteilung zur Anleiheplatzierung am 20. September 2010

Wertpapierprospekt zur Emission (teilweise in deutscher Sprache) (PDF)

Die Hybrid-Anleihe ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital und bietet daher einen höheren Kupon als herkömmliche Anleihen. Sie hat theoretisch eine unendliche Laufzeit, RWE hat allerdings erstmals nach fünf Jahren das Recht zur Rückzahlung. Die Wertpapiere können bereits ab einer Stückelung von 1.000 € erworben werden und richten sich neben institutionellen Investoren auch an Privatanleger, die die Anleihe über ihre Banken erwerben können. Konsortialführer waren BNP Paribas, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley and Royal Bank of Scotland.

 

Fragen & Antworten

Die häufigsten Fragen zu Hybridanleihen im Allgemeinen und der Anleihe-Platzierung vom 20. September beantworten wir in der Folge.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Informationen eine umfassende Risikoberatung z.B. durch einen Bankenberater nicht ersetzen können.

Was versteckt sich hinter dem Namen "Hybridanleihe"?

Hybrid bedeutet, dass es sich bei dieser Anleihe um eine Art Mischung aus Fremdkapital und Eigenkapital handelt. Es ist zwar eine Anleihe mit zunächst fester Verzinsung, aber die Laufzeit ist nach Maßgabe der Anleihebedingungen im Grundsatz unbegrenzt. Zinszahlungen können in einem Jahr ausgesetzt werden, wenn in diesem Jahr auch keine Dividende gezahlt wurde oder keine Aktien zurückgekauft wurden. Zudem wird die Anleihe im Insolvenzfall erst nach allen anderen Verpflichtungen und nur vor den Aktieninhabern bedient. Dies entspricht alles dem Charakter von Eigenkapital, also einer Aktie.

Ist die Hybridanleihe ein nachrangiges Papier? Wenn ja, was bedeutet das?

Die Hybridanleihe ist ein nachrangiges Papier. Sie wird im Insolvenz- oder Liquidierungsfall gegenüber einer "normalen" Anleihe benachteiligt behandelt. Die Forderung aus der Hybridanleihe gegenüber dem Unternehmen wird erst nach Erfüllung aller anderer Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber Dritten bedient und lediglich gegenüber der Aktie bevorzugt behandelt.

Was unterscheidet eine Hybridanleihe von einer regulären Anleihe?

Der wesentliche Punkt ist, dass die Hybridanleihe eine unendliche Laufzeit hat. Sie kann nur einseitig vom Unternehmen gekündigt und dann zurückgezahlt werden. Die genauen Modalitäten legen die Anleihebedingungen fest. Zinszahlungen können in einem Jahr ausgesetzt werden, wenn in diesem Jahr auch keine Dividende gezahlt wurde oder keine Aktien zurückgekauft wurden. Zudem ist die Hybridanleihe nachrangig, wird also im Insolvenz- oder Liquidierungsfall erst nach der Erfüllung aller anderen Verpflichtungen (auch der anderen RWE-Anleihen) bedient. Da der Käufer der Anleihe also nicht genau weiß, wann er sein Geld zurückbekommt und überdies auch aufgrund der Nachrangigkeit ein höheres Risiko als bei einer regulären Anleihe trägt, wird gegenüber einer "normalen" Anleihe ein deutlich höherer Zinssatz gezahlt.

Welche Risiken kommen mit der Zeichnung einer Hybridanleihe im Gegensatz zur Zeichnung einer regulären Anleihe auf einen Investor zu?

Die wesentlichen Risiken sind:

  1. Die unbestimmte Laufzeit;
  2. die "nachrangige" Behandlung: Im Falle einer Insolvenz oder der Auflösung des Unternehmens ist man lediglich gegenüber den Aktionären besser gestellt, alle anderen Forderungen werden bevorzugt behandelt;
  3. 3. die Aussetzung der Zinszahlung: die Zinszahlung kann unter bestimmten Umständen ausgesetzt werden, wenn z.B. die Dividende ausgesetzt wurde. Die aufgelaufenen Zinsen müssen jedoch nachträglich gezahlt werden, wenn die Dividendenzahlungen wieder aufgenommen werden oder die Rückzahlung der Hybridanleihe erfolgt.

Diese Informationen können aber eine umfassende Risikoberatung z.B. durch einen Bankenberater nicht ersetzen.

Ab wann werden die ersten Zinsen gezahlt?

Der jährliche Zinszahlungstermin der am 20. September 2010 begebenen Anleihe ist der 28. September.

Warum ist die Verzinsung einer Hybridanleihe höher als die einer herkömmlichen Anleihe?

Weil das Risiko höher ist. Sowohl bezüglich der Laufzeit, der Zinszahlung als auch bezüglich der Behandlung des Gläubigers/Käufers im Insolvenzfall des Emittenten.

Ab wann können Privatanleger die Anleihe zeichnen?

Privatanleger können die Anleihe zeichnen, sobald die Anleihe gelistet ist.

Wie lautet die Wertpapierkennn-Nummer / ISIN der Hybrid-Anleihe?

Die Wertpapierkenn-Nummer lautet: A1EWRO, die ISIN lautet: XS 542298012.