Migranten als Lehrer
Ein Drittel aller Kinder, die heute in Deutschland eingeschult werden, stammt aus Einwandererfamilien. Diese Jungen und Mädchen finden an den Schulen aber kaum Vorbilder, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben. Denn mehr als 98 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer sind Deutsche.
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat deshalb das Programm „Horizonte“ aufgelegt. Es vergibt Stipendien an Studierende des Lehramts und an Referendare, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind. Diese Unterstützung soll Abiturienten aus Einwandererfamilien ermutigen, ein Lehramtsstudium aufzunehmen.
Mit „Horizonte“ senden die Hertie-Stiftung und ihr Exklusivpartner in Nordrhein-Westfalen, die RWE Stiftung, Signale der Integration. Lehrkräfte mit Migrationshintergrund machen am eigenen Beispiel deutlich, dass jungen Menschen aus Einwanderfamilien vermeintlich „urdeutsche“ Domänen wie das Lehramt offen stehen. Zudem bringen sie die Potenziale, die aus ihrem Lebenslauf herrühren, in die Schule ein – und das kommt auch Schülerinnen und Schülern mit deutschen Eltern zugute.
Die Stipendiaten werden sowohl finanziell als auch ideell gefördert. In Seminaren lernen sie beispielsweise, Ziele zu definieren, mit Konflikten umzugehen und Projekte zu organisieren. Darüber hinaus nehmen Horizonte-Stipendiaten einmal im Jahr an einer Sommer- oder Herbstakademie teil. Fünf Tage lang hören sie Vorträge, diskutieren mit Experten und Studierenden anderer Fachrichtungen und setzen sich in Workshops mit den Themen Bildung und Energie auseinander.
Im November 2010 wurden die ersten fünf Stipendiaten aus dem Ruhrgebiet im Beisein von Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, offiziell in das Programm aufgenommen. Sie hatten sich in einem Auswahlverfahren unter rund 70 Bewerbern durchgesetzt und sind italienischer, kongolesischer, libanesischer, tschechischer und türkischer Herkunft. Alle streben das Lehramt an Berufsschulen, Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien an. Im Herbst 2011 konnten sich sieben Studierende und eine Referendarin qualifizieren und wurden in das Programm aufgenommen. Die Stipendiaten kommen auch diesmal wieder von allen drei Ruhrgebietsuniversitäten.

