Reife Persönlichkeiten in die Wirtschaft
Examen mit Prädikat, zwei Fremdsprachen verhandlungssicher, Auslandssemester und mit Mitte zwanzig schon jede Menge praktische Erfahrung – glaubt man den Stellenanzeigen, sieht so das ideale Profil einer künftigen Führungskraft aus. Lassen sich Studierende zu sehr davon beeindrucken, bleiben andere Potenziale brach liegen. Das Bronnbacher Stipendium der Ruhr-Universität Bochum bringt angehende Betriebswirte, Personaler und Juristen, aber auch Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Historiker auf vollkommen andere Gedanken. Es fördert ihr Verständnis von Kunst und Kultur.
Die Förderung ist nicht mit Geldleistungen verbunden. Die jährlich 15 Stipendiaten werden vielmehr zu Veranstaltungen eingeladen, etwa zu Theaterworkshops, zu Besuchen von Museen oder Galerien für zeitgenössische Kunst und zu Gesprächen mit Kunstschaffenden. Diese Auseinandersetzung fördert Fähigkeiten, die Führungskräfte in der Wirtschaft gut brauchen können: Kunst schult das Auge und lehrt, sich nicht vom ersten Eindruck in die Irre führen zu lassen. Theater hinterfragt sicher geglaubte Wahrheiten und sensibilisiert für Stimmungen oder soziale Konstellationen. Außerdem regen Kunstwerke dazu an, die Perspektive zu wechseln und komplexere Assoziationen zu wagen.
Mit dem Bronnbacher Stipendium erweitern die Studierenden zwei Semester lang an insgesamt 14 Wochenenden ihren Horizont, parallel zu ihrem Fachstudium. Die Idee dazu hatte der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft in Berlin. Die Ruhr-Universität über-nahm sie und gewann RWE als Förderer.


