Die Entdeckung der Poesie beim Gehen

Literatur nimmt Menschen mit an andere Orte. Und manchmal darf man das wörtlich nehmen. Das Projekt Literatouren holt das literarische Reisen aus der Fantasie in die Realität. Es hat im europäischen Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 zwölf Schriftsteller aus dem Ruhrgebiet dafür gewonnen, uns durch ihr ganz persönliches Revier zu führen.

Jürgen Brôcan macht sich auf, die Poesie des Ruhrgebiets am Alten Hellweg zu finden. Judith Kuckart erinnert sich dagegen an die Orte ihrer Kindheit und Barbara Köhler erläutert Duisburg für Anfänger. Fritz Eckenga folgt dem Dortmund-Ems-Kanal in Richtung Meer, Ulrich Land lädt nach Bochum-Hofstede ein und auch Deutschlands erster Schulschreiber Ralf Thenior und „Nachtportier“ Wolfgang Welt schicken den Leser auf neue Fährten. Die Autoren zeigen, wo sie sich wohlfühlen, welche Orte sie melancholisch machen und welche Orte sie mit Stolz erfüllen.

Literatouren ist ein Projekt des Literaturport, also eines „Literaturhafens“. Die Idee stammt vom Literarischen Colloquium Berlin und hat in Berlin-Brandenburg bereits für Furore gesorgt. Die RWE Stiftung hat dazu beigetragen, die Literatouren ins Ruhrgebiet zu holen. Die urbanen Reiseberichte und zahlreiche Fotos sind im literarischen Hafen www.literaturport.de zu finden. Eine verlinkte Landkarte lädt ein, sich Schritt für Schritt auf die Spuren der Autoren zu begeben. Gleichzeitig lassen sich die literarischen Beschreibungen als PDF ausdrucken. Und die Texte lassen sich sogar anhören. Wer die Audiodateien herunterlädt, kann teilweise mit den Originalstimmen der Schriftsteller im Ohr auf seine eigene literarische Entdeckertour gehen.