Schluss mit Komasaufen

„No-Limit-Saufen“, auch „Komasaufen“ genannt, hat sich zu einem verbreiteten Phänomen der Jugendkultur entwickelt. Doch wie reagieren, wenn der Nachwuchs wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus liegt oder betrunken nach Hause kommt? Die Suchthilfe direkt Essen und die RWE Stiftung zeigen in einem Bundesmodellprojekt in Essen Antworten auf.

„HaLT – Hart am Limit“ sucht junge „Komasäufer“ möglichst noch im Krankenhaus auf. Anfangs reden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihnen, um Vertrauen aufzubauen und die Gründe für den Alkoholexzess zu erfahren. Das Gespräch bereitet aber vor allem einen freiwilligen Risiko- Check vor, der anderthalb Tage dauert.

In kleinen Gruppen erleben suchtgefährdete Jugendliche, dass es persönliche Grenzen gibt – und dass es gut ist, sie zu kennen und zu akzeptieren. HaLT lädt die Mädchen und Jungen in Hochseilgärten oder auf einen Tauchgang ein. Dabei lernen sie, sich zu begnügen, und übernehmen für sich und andere Verantwortung. Außerdem erfahren sie beim Outdoor-Seminar, dass für ein Kick-Erlebnis kein Alkohol nötig ist.

Erlebnispädagogik ist aber nur ein Teil des Programms. HaLT erarbeitet mit den Jugendlichen, wieso Menschen manchmal zu viel Alkohol trinken und was das im Kör-per anrichtet – auch langfristig. Diese Erkenntnisse sollen einem Abdriften in die Sucht vorbeugen. Sollte sich in den Gesprächen oder im Risiko- Check zeigen, dass der Jugendliche bereits eine Suchtstörung auf-weist, so sind die jungen Menschen bei der Suchthilfe direkt in den richtigen Händen und können sofort in weitere Hilfsangebote vermittelt werden. Das Kompetenzteam wird durch eine Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Essen ergänzt. HaLT handelt aber nicht erst, wenn Grenzen überschritten sind. Das Projekt setzt Prävention auf den Stundenplan von Schulen: Mit einer sogenannten Rauschbrille auf der Nase testen die Schüler aus, wie sich ein Alkoholrausch anfühlt.