Seismische Untersuchung in Kiel und im Landkreis Plön
1. Was ist Seismik?
Seismik ist ein Schall-Messverfahren, das ähnlich funktioniert wie ein Ultraschall beim Arzt oder ein Echolot in der Seefahrt. Bei der so genannten Reflexionsseismik werden dabei an oder nahe unter der Erdoberfläche Schallwellen erzeugt. Diese werden im Untergrund an Gesteinsgrenzen reflektiert, an der Oberfläche registriert und ausgewertet. Werden die Schallquellen und die Registrierstationen auf einer Fläche angeordnet, kann auf diese Weise ein dreidimensionales Bild des Untergrundes erstellt werden. Die Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf mögliche Vorkommen von Erdöl- oder Erdgaslagerstätten. Seismik verändert nichts an der Umgebung, alle Geräte und Kabel werden nach der Registrierung wieder eingeholt.
2. Warum werden seismische Untersuchungen in Kiel und im Lankreis Plön durchgeführt?
Bis in die 90er Jahre prägte die Ölförderung in Ostholstein durch die markanten Pferdekopfpumpen das Landschaftsbild. RWE Dea vermutet im Umfeld dieser bereits erschlossenen Erdöllagerstätten noch weitere kleinere Ölfelder. Dabei handelt es sich vermutlich um geologisch abgetrennte kleinere „Schollen“. Diese sollen mit den seismischen Untersuchungen aufgespürt werden. Aufgrund des hohen Ölpreises sind heute auch kleineren Mengen Öl wirtschaftlich förderbar.
3. Hat es in Deutschland schon einmal seismische Untersuchungen gegeben?
Ja, seismische Untersuchungen sind eine gängige Methode, um den Untergrund zu erforschen. Sie kommt in Deutschland oft zum Einsatz. Im Jahr 2007 hat RWE Dea zum Beispiel auf diese Weise das Gebiet um Völkersen in Niedersachsen herum vermessen, um die Eigenschaften der Erdgaslagerstätte Völkersen besser verstehen zu können.
4. Wie werden die seismischen Untersuchungen durchgeführt?
Bei der Messung auf den Landflächen werden Schallwellen erzeugt, abhängig von den Gegebenheiten des Geländes entweder durch spezielle Vibratorfahrzeuge oder durch sicheres Zünden von kleinen seismischen Sprengladungen in bis zu 25 Meter tiefen Bohrlöchern. Bei der Messung auf einem See werden so genannte Luftpulser eingesetzt. Dabei werden im Wasser durch Druckluft ebenfalls Schallwellen ausgelöst. Die im Untergrund reflektierten Schallwellen werden an der Oberfläche mit Hilfe besonderer Messgeräte (sogenannte Geophone, im Wasser: Hydrophone) aufgezeichnet. Diese Daten werden dann über Messkabel zu einem Messwagen gesendet und dort für eine spätere Auswertung aufgezeichnet. Die Stellen, an denen die seismischen Wellen erzeugt und registriert werden sollen, werden zuvor von Vermessungsteams „eingemessen“ und an Land mit einem Holzpflock markiert. Pro Quadratkilometer werden bis zu 50 Anregungspunkte gelegt.
5. Wo genau werden die seismischen Untersuchungen durchgeführt?
Die Messfläche erstreckt sich ungefähr von Heikendorf im Norden bis Wankendorf im Süden. Von Ost nach West erstreckt sich die Seismikfläche vom Ostteil Kiels bis an den Selenter See. Die Fläche beträgt insgesamt rund 400 km².
6. Wann werden die seismischen Untersuchungen durchgeführt?
Die Messungen werden in einem Zeitraum von Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 stattfinden.
7. Kommen solche Untersuchungen jetzt öfter vor?
Nein, die seismische Untersuchung wird ein so genaues Abbild der untersuchten Gesteinsschichten liefern, dass dies für die Interpretation hinsichtlich potenzieller Kohlenwasserstoffvorkommen ausreicht.
8. Welche Auswirkungen haben die seismischen Untersuchungen auf den Tourismus?
Auch wenn sich die Größe des zu untersuchenden Gebietes mit 400 Quadratkilometern gewaltig anhört – die Aktivitäten der einzelnen Vermessungs-, Bohr- und Kabelbautrupps sind zeitlich aufeinanderfolgend auf räumlich auseinander liegende Teilgebiete verteilt. Die Arbeiten beanspruchen außerdem nur wenige Tage pro Standort.
9. Informiert RWE Dea die Anwohner persönlich?
Einige Monate vor Beginn der seismischen Untersuchungen holt RWE Dea über eine Partner-Firma die Erlaubnis ein, ein privates Grundstück betreten zu dürfen und bittet am Tag der Arbeiten um Einlass. Außerdem berichtet RWE Dea gezielt mit Informations-Faltblättern, Veröffentlichungen in Gemeindeblättern und auf Informationsveranstaltungen in der Region über die seismischen Untersuchungen. Gerne werde Ihre Fragen bereits vorab per E-Mail beantwortet.
