Kolkschutz

Das umfassende Sicherheitskonzept ist das Fundament für den erfolgreichen Betrieb der Bohr- und Förderinsel Mittelplate im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Seit Baubeginn im Juni 1985 ist der so genannte Kolkschutz – eine Befestigung aus Steinen und Mörtel, die die Mittelplate komplett umschließt – ein elementarer Beitrag zum Schutz der Insel vor Umwelteinflüssen.

Wandernder Priel „Trischenflinge“

Aufgrund der hohen natürlichen Dynamik im Wattenmeer wandert der Priel „Trischenflinge“ nordwärts und hat Mittelplate erreicht. Um die Bohr- und Förderinsel vor Erosion – dem Abtrag des Bodens um die Insel – zu schützen, ist die Erweiterung des Kolkschutzes notwendig. Dafür wurde Ende Juni 2010 die Antragsunterlagen für ein Planfeststellungsverfahren zur Genehmigung der Baumaßnahmen beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eingereicht. Bis zur Vorlage des Beschlusses durch das LBEG können bis zu zwölf Monate vergehen.

Ziel: Aufnahme der Erweiterungen in Rahmenbetriebsplan

Alle Erweiterungen des Kolkschutzes – bisher durchgeführte und möglicherweise noch notwendige – sind im aktuellen Antrag enthalten, um in den Rahmenbetriebsplan der Mittelplate aufgenommen zu werden. Der Kolkschutz kann bei Bedarf stufenweise tiefer geführt werden: Die Ausbautiefe der ersten Stufe liegt bei fünf Metern unter Normalnull, die zweite bei acht und die dritte liegt bei elf Metern. Ausbaumaßnahmen werden nur dann ergriffen, wenn die dynamischen Verlagerungsprozesse im Watt das zum Schutz der Mittelplate erfordern.

Trotz notwendiger Baumaßnahmen die Natur immer im Blick

Der Ausbau des Kolkschutzes ist somit eine Anpassung an natürliche Rahmenbedingungen. Die erforderlichen Maßnahmen erfolgen unter strikter Beachtung naturschutzfachlicher Gesichtspunkte und unter Kontrolle der Aufsichtsbehörde. Beim Ausbau der Außenbefestigung wird zunächst eine Gewebematte verlegt, die dann mit einer Steinschüttung beschwert wird. Um die Stabilität dieser Schüttung zu erhöhen, werden die Steine anschließend im oberen Bereich mit einem besonders wasserbeständigen Mörtel verbunden.

Strukturverbesserung von Salzwiesen als Ausgleichsmaßnahme

Bei den Baumaßnahmen handelt es sich im Sinne der rechtlichen Vorgaben um einen erheblichen Eingriff in den Naturraum Wattenmeer: Die natürliche Dynamik, die unter anderem für die Verlagerung des Priels verantwortlich ist, wird durch den Kolkschutz beeinträchtigt. Ziel des zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehörenden Nationalparks Wattenmeer ist der Erhalt ebendieser für das Watt typischen Dynamik. Nach EU-Recht ist daher ein gleichartiger Ausgleich für das betroffene Schutzgebiet in räumlicher Nähe erforderlich – eine so genannte kohärenzsichernde Maßnahme. Diese ist vom Projektträger zu konzipieren und durchzuführen.

Ein Eins-zu-eins-Naturalausgleich wäre optimal, aber Watt zu schaffen ist in diesem Fall unmöglich. Daher hat RWE Dea in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung und dem Umweltministerium Kiel eine Vielzahl von Alternativen geprüft. Als besonders geeignete Ausgleichsmaßnahme erweist sich die Durchführung von strukturverbessernden Maßnahmen auf 54 Hektar Salzwiesen. Die Salzwiesen vor Friedrichskoog sind durch menschliche Einflüsse so stark beeinflusst worden, dass sie sich in keinem natürlichen Zustand befinden: Es handelt sich um ein schachbrettartig angelegtes Grabensystem zur Entwässerung. Ziel der kohärenzsichernden Maßnahme ist, den Einfluss der Gezeiten zu erhöhen und auf den Salzwiesen wieder ein natürliches Prielsystem zu etablieren. Durch eine Info-Einrichtung sollen auch interessierte Nationalparkbesucher das Gebiet erleben können.