Aus Alt mach Neu
Bevor eine Wärmepumpe in einem Altbau effizient arbeiten kann, ist nicht selten viel baulicher Aufwand nötig. Der Einbau von dreifach verglasten Fenstern und die Dämmung von Außenwänden, Dach und Keller gehören da schon fast zum – nicht eben billigen – Standardprogramm. In diesem Fall mussten zusätzlich die Innenwände komplett vom Putz befreit werden, um das Leitungssystem der Wandheizung installieren zu können. Diese großflächige Heizung erlaubt den Betrieb mit einer für Wärmepumpen idealen Vorlauftemperatur von 30 bis maximal 35 Grad. Außerdem kann wegen der Rundum-Wärmeabstrahlung der Wände die Raumtemperatur niedriger als üblich eingestellt werden, ohne auf die gewohnte Behaglichkeit verzichten zu müssen.
Wärme aus dem Garten und vom Dach
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe im Heizungskeller bezieht ihre „Primärenergie“ aus einem Flachkollektor, der vor dem Haus unter dem Rasen verlegt wurde. Zusätzlich gibt es auf dem Dach eine solarthermische Anlage mit direkt durchströmten Röhrenkollektoren, die vor allem der Warmwasserbereitung dient, aber auch zur Heizungsunterstützung genutzt wird. Im Winter wird die solare Wärme über einen Latentwärmespeicher zur Erhöhung der Soletemperatur und damit zur Entlastung der Wärmepumpe eingesetzt. In der Übergangszeit und im Sommer landet die vom Röhrenkollektor auf dem Dach gelieferte Wärmeenergie in einem 850-Liter-Multifunktionsspeicher, in dem über einen Wärmetauscher auch das Frischwasser erwärmt wird.
Die zentrale Lüftungsanlage speist die vorgewärmte Frischluft über Auslässe in den Wänden in die verschiedenen Wohnräume des Hauses ein, die verbrauchte Luft wird in Bad, Küche und WC abgesaugt. Selbstverständlich wird die Wärme der Abluft für die Erwärmung der Zuluft genutzt. Dabei kommt diese Art der Wärmerückgewinnung auf einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Zusätzlich wird die Frischluft über einen Erdwärmetauscher – das ist nichts anderes als ein langes unterirdisch verlegtes Rohr – angesaugt und dabei leicht vorgewärmt. Auch das spart Energie.
Wie viel Energie das Haus gerade braucht oder mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Carports gerade produziert, lässt sich an einem Touch Panel im Flur einfach ablesen. Über den sogenannten Präsenzbutton kann man von hier aus auch das gesamte Haus auf noch mehr Energiesparen programmieren. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn alle Bewohner unterwegs sind.
Auszeichnung: 1. Preis 2010
Kategorie: Altbausanierung/Ein- und Zweifamilienhäuser
Objekt: Sanierung eines Einfamilienhauses, Baujahr 1972, in Almersbach (Westerwald)
Inbetriebnahme: 2010
Heizungsart: Wandheizung mit üblicherweise 30 bis maximal 35 Grad Vorlauftemperatur; zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung
Wärmepumpensystem: Sole-Wasser-Wärmepumpe Novelan SIC 6HE mit Flachkollektor unter dem Rasen vor dem Haus; Versickerung der Carport-Entwässerung über den Kollektor steigert die Entzugsleistung des Kollektors; zusätzlich Nutzung der Solarthermie durch Röhrenkollektoren auf dem Hausdach;
Besonderheit: Kombination der Wärmepumpenanlage und des Solarkollektors mit einem Latentwärmespeicher
Bauherrin/Auftraggeberin: Martina Schmahl, Almersbach
Planung und Realisierung: S&S Haustechnik GmbH, Neitersen
Verantwortlicher für den Inhalt der hier dargestellten Seiten: Martina Schmahl

