Eine wichtige Diskussion zur richtigen Zeit
RWE zur Debatte um den Deutschen Nachhaltigkeitskodex
Muss die CR-Berichterstattung von Unternehmen einheitlich und verbindlich werden? Das jedenfalls meint der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Investoren sollen sich so besser orientieren können. Der Rat arbeitet an einem Nachhaltigkeitskodex, der für alle Aktienunternehmen in Deutschland gelten soll. RWE bringt sich in diese wichtige und kontroverse Debatte ein, die das Gremium angestoßen hat.
Über kaum etwas berichten Unternehmen freiwillig so ausführlich, wie über ihr Engagement zur Nachhaltigkeit. Fast alle Dax-30-Konzerne veröffentlichen eigene Nachhaltigkeitsberichte. Sie verpflichten sich auf internationale CR-Prinzipien und Normen, wie den GlobalCompact oder die Global Reporting Initiative. Sie werden in internationalen Nachhaltigkeitsrankings und Ratings bewertet. Einige Unternehmen lassen ihre Informationen sogar freiwillig von Wirtschaftsprüfern testieren.
Corporate Governance Kodex – Vorbild für die Nachhaltigkeit?
Dies sollen Unternehmen in Deutschland künftig in einheitlicher und verbindlicher Weise tun - so will es jedenfalls der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Das Beratungsgremium der Bundesregierung setzt sich für einen verbindlichen Kodex zur Nachhaltigkeit ein. Neben der guten Unternehmensführung soll der Kodex bewerten, wie umweltfreundlich und sozial Unternehmen arbeiten. Die Bildung von Indikatoren soll die unterschiedlichen Strategien und Aktivitäten vergleichbar machen.
Vorbild ist der Corporate Governance Kodex, der 2002 verabschiedet wurde. Er gibt bereits vergleichbare Regeln für eine gute und transparente Unternehmensführung vor. Einmal jährlich müssen Unternehmen dabei offen legen, ob sie die Regeln befolgen, oder warum sie davon abweichen (comply or explain).
Wie viel Einheitlichkeit braucht CR?
Der neue Kodex soll nun Aktionären helfen, auch die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu erkennen. Doch bis zu welchem Grad lassen sich Nachhaltigkeitsleistungen überhaupt einheitlich bewerten? Diese Frage steht nun mit dem Vorstoß des Rates im Raum. Denn derzeit sind die Ansätze für Messung und Management von CR vielfältig. Ein Grund dafür: Im Unterschied zu klassischen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen stecken die Methoden bei diesem Thema immer noch in den Kinderschuhen. Auch RWE hat erst unlängst eigene CR-Indikatoren entwickelt – als Ergebnis eines langen Prozesses. Über die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsindikatoren in die Vorstandsvergütung (siehe CR-News 02/10) werden nun sogar Ziele im Bereich der Nachhaltigkeit verbindlich gemacht. Andere Unternehmen entwickeln andere Ansätze. Der richtige Weg ist in der Diskussion zwischen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik.
Wie viel Verbindlichkeit braucht CR?
Auch die Forderung nach Verbindlichkeit bringt Bewegung in die Debatte. Bisher wird Freiwilligkeit als ein wichtiges Element von CR gesehen – auch bei RWE. Für alles andere gibt es Gesetze. Auch die Europäische Union beschreibt Corporate Responsibility als:
"A concept whereby companies integrate social and environmental concerns in their business operations and in their interaction with their stakeholders on a voluntary basis."
Geht es nach dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, ist es damit bald vorbei. Dann müssen sich alle Unternehmen verbindlich an den Kodex halten. Kein Wunder, dass dieser Vorschlag kontrovers diskutiert wird – zwischen Unternehmen, Politik und Wissenschaft. Auch RWE bringt sich in die Diskussion ein: In seiner jetzigen Form geht der Kodex aus Sicht des Essener Konzerns noch zu weit. Der Anstoß für eine Diskussion darüber sei aber ein wichtiger Beitrag, um CR in Deutschland weiter zu entwickeln.
Weitere Informationen zum Thema:
Offizielle Stellungnahme der RWE AG zu Nachhaltigkeitskodex:
www.nachhaltigkeitsrat.de/uploads/media/RWE_AG_04-02-2011.pdf





