Denkmal mit modernstem Innenleben
In diesem Fall ist es in erster Linie das Haus, das die Jury zur Preisvergabe animiert hat. Denn dessen Konstruktionsholz hat am alten Standort im Badberger Ortsteil Groß Mimmelage rund 480 Jahre gute Dienste getan, bevor es Stück für Stück erfasst, gekennzeichnet, abgebaut und zwischengelagert wurde. Am neuen Standort in unmittelbarer Nachbarschaft des Hofes Sickmann wurde das historische Ständerwerk dieses Heuerhauses mithilfe der originalen Holzbalken neu errichtet – der Fachmann spricht in solchen Fällen von Translozierung. Solche Häuser waren in alten Zeiten Haupthäuser, später Heuerhäuser für Bedienstete eines landwirtschaftlichen Anwesens. Nicht selten handelte es sich dabei um die leer ausgegangenen Geschwister des alles erbenden jüngsten Sohnes mit ihren Familien.
Die heutige Eigentümerin, Silke Oldenhage, wohnt mit ihrer Familie nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Hof Sickmann, sie vermietet auch die dortigen Ferienwohnungen, und sie ist als heimatverbundene Architektin sehr interessiert am Erhalt landschaftstypischer historischer Gebäude. Dass das in diesem Fall ausgesprochen gut gelungen ist, davon können sich hier bis zu 14 Feriengäste gleichzeitig überzeugen.
Ein in jeder Beziehung vorbildliches Haus
Auch hinsichtlich der effizienten Versorgung mit Wärme und Warmwasser ist das Haus vorbildlich. Hinter der unter anderem mit Lehmziegeln und Lehmputz rekonstruierten Fassade gibt es eine dämmende Innenschale aus Rockwoll-Dämmung, Gasbetonsteinen und Zementputz. Zwischen Innenwand und Fachwerk sorgt eine rund fünf Zentimeter mächtige Hinterlüftung für den notwendigen Feuchteschutz. Auch der Aufbau des Fußbodens hat es in sich: Ganz unten liegen 19 Zentimeter Schaumglasschotter aus recyceltem Altglas als lastabtragende, wärmedämmende Schicht, abgeschlossen mit einer Sauberkeitsschicht aus Magerbeton. Darauf liegen im Wohnbereich und in den Bädern die Leitungssysteme der Fußbodenheizung. Nach oben wird das Ganze durch einen versiegelten Anhydrid-Estrich abgeschlossen.
Die Wärme für die Sole-Wasser-Wärmepumpe, die im ehemaligen Pferdestall untergebracht ist, kommt aus der Erde. Genauer gesagt, aus einem Flachkollektor, der neben dem Haus in geringer Tiefe unter dem Rasen liegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Endenergiebedarf dieses in seinem Ursprung fast 500 Jahre alten Hauses liegt um 35 Prozent unter dem des Referenzgebäudes der Energieeinsparverordnung 2009, und beim Primärenergiebedarf liegt der Minderverbrauch bei 21 Prozent.
Auszeichnung: 1. Preis 2010
Kategorie: Sonderpreis
Objekt: Denkmalgeschütztes Heuerhaus in Badbergen
Inbetriebnahme: Ende 2010
Heizungsart: Fußbodenheizung in Wohnraum und im Bad; Heizkörper in den Schlafräumen
Wärmepumpensystem: Sole-Wasser-Wärmepumpe Vaillant Geo Therm VWS 101/2
Besonderheit: Die Wärmepumpenanlage dient zur Wärmeversorgung eines translozierten Heuerhauses
Bauherrin und Architektin: Dipl.-Ing. (FH) Silke Oldenhage
Verantwortlicher für den Inhalt der hier dargestellten Seiten:
Architektin: Dipl.-Ing. (FH) Silke Oldenhage

