Logbucheintrag vom 30.06.2004

Wetter: 26 Grad, überwiegend sonnig

„Sollen wir wieder umfahren?“ fragt Baggerführer Thomas Müller lachend in die Runde. So mancher der Kollegen hätte nichts dagegen: Der Großgerätetransport hat dem Team Spaß gemacht. „Alles hat harmoniert“, fasst es Betriebsschlosser Harald Küppers in drei Worten zusammen. Die Harmonie schließt den Transportleiter Dr. Harald Marx mit ein, „er war wie einer von uns“, sagen welche aus der Absetzermannschaft über den Bergbauingenieur. Ihm zu Ehren haben sie gesammelt: 230 Euro, die allerdings nicht für Marx bestimmt sind, sondern für die Tagebau-Hambach-Mitarbeiterstiftung. Sie unterstützt Not leidende Menschen aus dem Umfeld des Tagebaus.

Am Morgen hat der Konvoi die allerletzte Hürde genommen: die Landstraße zwischen Elsdorf und der A 4, mittlerweile nur noch etwa einen Kilometer vom Tagebau entfernt. Danach sind Bandschleifenwagen 931, Schaufelradbagger 260 und Absetzer 744 in dieser Reihenfolge bis zum Tagebaurand vorgestoßen; am oberen Ende der langen Rampe, die auf die 1. Sohle des Tagebaus führt, bleiben sie stehen: Jetzt sind sie auf Betriebsgelände, und damit ist der öffentliche Teil des Großgerätetransports abgeschlossen. Was in den nächsten Tagen folgt, ist Business as usual für die Bergleute. Über lange Rampen werden sie von Sohle zu Sohle zu ihren Arbeitsplätzen fahren. Stellenweise müssen Bandstraßen geöffnet werden, damit die Geräte durchkommen.

Die Hambacher Betriebsfeuerwehrleute Franz-Willi Weber, Jörg Trenk und Markus Butzen ziehen bereits Ausrüstung vom Bagger ab und verstauen sie in ihren Spezialfahrzeugen. „Atemschutz und die Rettungsliege zum Abseilen von Schwerverletzten waren während des Transports an Bord der Großgeräte, damit sie für die Erste Hilfe schnell zur Hand waren. Hier im Tagebau sind wir schneller vor Ort, da reicht es, wenn wir die Sachen auf dem Wagen haben“, sagt Weber. Baggerführer Michael Hohn hilft beim Aufräumen, dann macht er sich auf den Weg ins nahe Alt-Etzweiler. Dort gibt Transportleiter Marx der Mannschaft zum fröhlichen, feierlichen Abschluss Bier und Gulaschsuppe aus. Dankt ihr für den Einsatz und den Erfolg des ganzen Projekts. Es hat keinerlei Zwischenfälle gegeben. Nicht nur die Geräte, sondern auch ihre Begleiter sind wohlbehalten am Tagebau Hambach angekommen. Das Zusammenspiel im Team, mit den Sicherheitsleuten von WIS, mit den Partnern im RWE-Konzern und den vielen externen Beteiligten in der Region hat tadellos geklappt.

Ich erinnere mich an das Gefühl von Sicherheit, das ich hatte, als ich mir in der Nacht lange nach der Autobahnüberquerung ein Bild von den Nacharbeiten verschaffte und einen Polizeistreifenwagen einsam an der Autobahnauffahrt warten sah: Bei diesem Baggertransport haben Hunderte von Leuten mit ganz unterschiedlichen Aufgaben und ganz unterschiedlicher Spezialisierung an ihrem jeweiligen Posten einen guten Job gemacht. Da haben Pläne gestimmt, da wurden Absprachen verlässlich eingehalten, da haben Leute mehr als nur ihre Pflicht für Geld getan. In einem hoch entwickelten und gut organisierten Industrieland wie Deutschland ist Effizienz nichts Ungewöhnliches. Selten aber sieht man, dass diese Effizienz immer noch vor allem von engagierten Menschen getragen wird - und nicht vom bloßen Ausführen irgendwo programmierter Abläufe und dem Einschalten maschineller Vorgänge per Knopfdruck.

Transportleiter Harald Marx bringt es an diesem Abend auf den Punkt: „Alle haben Hand in Hand am Gelingen dieser logistischen Meisterleistung gearbeitet.“ Vier Wochen Großgerätetransport schweißen zusammen. Die Männer sind stolz, dabei gewesen zu sein bei diesem außergewöhnlichen Projekt – und etwas wehmütig, weil diese besondere Zeit jetzt vorbei ist und man in den Alltag zurückkehrt.