Chronik 1898-1920
Gründung als städtisches Elektrizitätswerk
1897/98
Nach über 10-jährigen Überlegungen schließt die Stadt Essen mit der Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. (EAG) einen Vertrag über die Errichtung eines Elektrizitätswerks in Essen.

1898
Gründung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks Aktiengesellschaft (RWE), Essen, am 25.4.1898 mit 2,5 Mio. Mark Grundkapital durch die EAG und befreundete Unternehmen. Obwohl sie keine Anteile besitzen, gehören der Essener Oberbürgermeister Erich Zweigert und der Industrielle Hugo Stinnes dem ersten Aufsichtsrat an.

1900
Im April wird die RWE-Stammzentrale an der Viehofer Straße in Essen auf dem Gelände der Zeche Victoria Mathias mit einer Leistung von 1,2 MW in Betrieb genommen. Unter Umgehung der Bestimmungen des Kohlensyndikats versorgt die Stinnes-Zeche das benachbarte Maschinenhaus des Elektrizitätswerks mit Dampf. Das RWE liefert erstmals Strom auf eigene Rechnung.

1902
Infolge der "Elektrokrise" verkauft die EAG ihre RWE-Aktien an ein Konsortium der Ruhrindustriellen Hugo Stinnes und August Thyssen. Der Stinnes-Vertraute Bernhard Goldenberg wird 1903 technischer Vorstand.
Auch wirtschaftlich erfolgt eine enge Kooperation mit der Ruhrindustrie, u.a. durch erste Verträge zur gegenseitigen Stromabnahme bzw. Stromlieferung mit benachbarten Zechen und Hüttenwerken. Mit den umliegenden Gemeinden werden erste Konzessionsverträge geschlossen.

1905
Um die geplante Ausweitung des Versorgungsgebiets zu erleichtern, erhalten erstmals Kommunen (Essen, Mülheim/Ruhr, Gelsenkirchen) die Möglichkeit zur Beteiligung am Aktienkapital. Das RWE wird damit ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen. 1910 stellen die Kommunen erstmals die Mehrheit im Aufsichtsrat. In einigen Gemeinden übernimmt das RWE auch die Gasversorgung.

Das RWE erwirbt erste Beteiligungen an Straßenbahnunternehmen (u.a. 1906 an der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG und der Rheinischen Bahngesellschaft AG), die insbesondere wegen ihrer Stromlieferungsrechte in einzelnen Gemeinden interessant sind. 1909 beteiligt sich das RWE an der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft AG, die u.a. die Essener Straßenbahnen betreibt.

1906
Mit dem Erwerb der Elektrizitätswerk Berggeist AG, Brühl, und der Bergischen Elektrizitätswerke GmbH, Solingen, dehnt das RWE sein Versorgungsgebiet erstmals in die Kölner Bucht und das Bergische Land aus. Für letzteres nimmt das RWE 1909 das Kraftwerk Reisholz (15 MW) bei Düsseldorf in Betrieb.

1908
Nach über dreijährigen Auseinandersetzungen mit Kommunen des westfälischen Ruhrgebiets und der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft (AEG) gelingt eine Abgrenzung der Versorgungsgebiete (Demarkation) mit dem Städtischen Elektrizitätswerk Dortmund und dem Elektrizitätswerk Westfalen AG, Bochum. Diese beiden kommunalen Unternehmen sind Vorgängergesellschaften der späteren Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW). Gemeinsam mit dem RWE gründet sie das Westfälische Verbands-Elektrizitätswerk AG, Dortmund, in das die Essener Gesellschaft ihr zweites Kraftwerk in (Dortmund-) Kruckel, und das Leitungsnetz im Raum Witten/Dortmund einbringt.

1909
Nachdem ein von Hugo Stinnes vorgeschlagenes einheitliches Kokereigasversorgungsnetz im Ruhrgebiet nicht zustande kommt, baut das RWE in Konkurrenz u.a. zu Thyssen ein eigenes Ferngasnetz auf. Ab 1912 werden so weite Teile des Bergischen Landes durch das RWE mit Kokereigas versorgt.

1910
Das RWE beginnt mit der Elektrifizierung der niederrheinischen Kreise und baut zu deren Versorgung das Kraftwerk Niederrhein (10 MW) bei Wesel. In den folgenden Jahren wird das RWE-Versorgungsgebiet durch den Erwerb weiterer kleiner Elektrizitätswerke und den Anschluss ländlicher Kreise im Rheinland an das Stromnetz ausgedehnt.

Ab 1912 übernehmen dann weitgehend selbstständige Betriebsverwaltungen (BV) die Versorgung vor Ort. Für die Hauptverwaltung wird in Essen ein neues Gebäude errichtet.

1914
Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes Vorgebirgszentrale (45 Megawatt) in Hürth bei Köln macht das RWE den entscheidenden Schritt zur Braunkohleverstromung. Versorgt wird es von dem benachbarten Braunkohlentagebau der Roddergrube. Der Bau großer, kostengünstiger Kraftwerkseinheiten in unmittelbarer Nähe der preiswerten Braunkohle ermöglicht eine weitere Verbilligung der Stromerzeugung, ein Faktor, der in der Folgezeit das weitere Wachstum des Unternehmens entscheidend begünstigen wird. Das seit 1917 zu Ehren des Technikvorstandes in Goldenberg-Werk umbenannte Kraftwerk wird in den nächsten Jahren zügig ausgebaut. 1920 ist es mit 190 Megawatt das größte in Europa.

1917
Nachfolger des plötzlich verstorbenen Bernhard Goldenberg als technischer Vorstand wird der Ingenieur Arthur Koepchen, der in den folgenden drei Jahrzehnten die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens nachhaltig prägen wird.

Mit der Inbetriebnahme der ersten Hochspannungsleitung mit 110 kV zwischen den Kraftwerken Reisholz und Goldenberg-Werk beginnt der Verbundbetrieb und damit die kostengünstige Arbeitsteilung zwischen den rheinischen Braunkohlekraftwerken und den Steinkohlekraftwerken im Ruhrgebiet.

1920
Im Zuge der Erhöhung des Aktienkapitals auf 108 Mio. Mark erhalten die Kommunen erstmals die Kapitalmehrheit beim RWE. Gleichzeitig werden neben den Inhaberaktien auch Namensaktien (in erster Linie an die Kommunen) ausgegeben. Beteiligt sind nun auch z.B. die Städte Bonn, Köln, Krefeld, Duisburg und Düsseldorf. Der kommunale Einfluss wird ab 1924 (Goldmarkbilanz) durch die Mehrfachstimmrechte der Namensaktien gesichert.

Der Erwerb der Niedersächsischen Kraftwerke AG (Nike), Osnabrück, ermöglicht erstmals die Elektrizitätsversorgung niedersächsischer Gemeinden durch das RWE.


