Chronik 1968-1980

Auf der Suche nach neuen Wegen

1969
Das RWE erwirbt einen 43%igen Anteil an einem der traditionsreichsten Ruhrunternehmen, der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft (GBAG), Essen, kurz Gelsenberg genannt. Neben den Synergieeffekten in den gemeinsamen Geschäftsfeldern Stromerzeugung, Chemie und Kerntechnik verspricht der ausgedehnte Mineralölbereich der Gelsenberg eine zukunftsträchtige Diversifizierung der RWE-Aktivitäten.

Nachdem die Integration der Gelsenberg in den RWE-Konzern kaum vorankommt und die Bundesregierung unter dem Eindruck der Energiekrise 1973 großes Interesse an der Zusammenfassung und Stärkung der deutschen Mineralölaktivitäten in einer Gesellschaft zeigt, verkauft das RWE 1974 seine Gelsenberg-Anteile an die bundeseigene VEBA AG.

1971
Während lange Zeit Industrie, Landwirtschaft und Haushalt im Vordergrund der Anwendungsforschung und -werbung standen, wendet sich das RWE nun neuen Stromanwendungsbereichen zu: Es gründet die Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr (GES), Düsseldorf, die das batteriegetriebene Elektroauto bis zur Serienreife entwickeln soll. 1981 stellt die GES mit dem City-Stromer auf VW Golf-Basis den ersten Prototyp eines alltagstauglichen Elektroautos vor.


1973
In Kalkar beginnt der Bau eines 300-MW-Prototypkernkraftwerks vom Typ natriumgekühlter Schnellbrutreaktor. Begrenzte Uranvorräte lassen die Entwicklung dieses Reaktortyps, der mehr atomares Brennmaterial erzeugen soll als er verbraucht, lohnend erscheinen.
Das schleppende Genehmigungsverfahren verzögert die Errichtung der Anlage, die zum Symbol des bundesweiten Protestes gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie wird. 1991 beschließen die Gesellschafter nach Aufforderung durch die Bundesregierung die Beendigung des Projekts.

1974
Das RWE nutzt neben der weiterhin dominierenden Braunkohle jetzt Gas (Erdgaskraftwerk Meppen und Gichtgas-/Kokereigaskraftwerk Huckingen) sowie Öl (Blöcke F und G des VEBA-Kraftwerks Scholven) zur Erzeugung von Elektrizität. Auch die VEW setzt verstärkt auf Gaskraftwerke:

In den Jahren 1972 und 1973 nimmt das Unternehmen das Erdgaskraftwerk Lingen und vier Erdgasblöcke im Gersteinwerk in Werne in Betrieb.

1975
Im hessischen Biblis nimmt das RWE den Block A und ein Jahr später den Block B des Kernkraftwerks Biblis in Betrieb. Die Blöcke leisten jeweils knapp 1.100 Megawatt und gehören zu den größten bislang errichteten Kernkraftwerken. Angesichts des in den Folgejahren deutlich verlangsamten Wachstums der Stromnachfrage und der zunehmend kritischen Haltung in Politik und Öffentlichkeit gegenüber der Kernenergie bleibt ein dritter Block ebenso im Planungsstadium wie weitere projektierte Kernkraftwerke in Vahnum bei Wesel, in Neupotz am Rhein (mit Pfalzwerke) und in Rehling bei Augsburg (mit Lechwerke)

1976
Unter dem Eindruck der ersten Energiekrise und des zunehmenden Umweltbewusstseins intensiviert das RWE die Forschung und Erprobung alternativer Energien und alternativer Stromanwendungen. Neben dem Bau von Versuchssolaranlagen zur Warmwassererzeugung (z. B. Großversuchsanlage Wiehl, 1976) und der 1979 erfolgten Beteiligung an der Große Windenergieanlage Bau- und Betriebsgesellschaft mbH (GROWIAN) werden umfassende Forschungen zur Wärmerückgewinnung und zu bivalenten Heizungssystemen betrieben. Ende der 1980er Jahre gehen erste Photovoltaikanlagen in Betrieb.


1977
In der VEW-Hauptverwaltung in Dortmund unterschreiben im Mai die Spitzen von Steinkohlebergbau und Elektrizitätswirtschaft den so genannten Jahrhundertvertrag: Die Stromerzeuger setzten nun verstärkt deutsche Steinkohle in den Kraftwerken ein, und neue Steinkohleblöcke werden gebaut. Grundlage dafür ist das dritte Verstromungsgesetz von 1973, das den Verbrauchern den Kohlepfennig beschert. RWE und VEW schließen daraufhin langfristige Bezugsverträge zur Abnahme des neuen Steinkohlestroms und errichten nach längerer Zeit wieder selber bzw. mit Partnern neue Steinkohlekraftwerke: 1981 Bergkamen (VEW mit Steag), 1982 Voerde (Steag mit RWE), 1984 Werne (VEW) und 1986 Ibbenbüren (RWE mit Preussag).

1980
Nach fünfjähriger Bauzeit wird die Erweiterung der RWE-Hauptverwaltung an der Freiheit in Essen fertiggestellt.