Chronik 1981-1989

Auf der Suche nach Alternativen

Tagesanlage der Grube Bailey No. 1 in Pennsylvania, 1986

1981

Rheinbraun diversifiziert und internationalisiert sein Geschäft: In einem Joint-Venture mit der amerikanischen Consolidation Coal Company beteiligt sich das Kölner Unternehmen an der Erschließung und Ausbeutung ausgedehnter Steinkohlenvorkommen in Pennsylvania.

Rheinbraun beteiligt sich über die Uranerzbergbau-GmbH (UEB) an der Uranbergbau- und Aufbereitungsanlage Key Lake in Kanada, die 1983 ihren Betrieb aufnimmt und sich zur größten Anlage ihrer Art entwickelt. Zuvor hatte sich Rheinbraun über ihre Beteiligungsgesellschaft bereits bei anderen Uranprojekten in Kanada (1970) und Australien (1980) engagiert. Im Rahmen der Fokussierung auf ihre Kerngeschäftsfelder verkaufen die Gesellschafter der UEB 1998 die Uranbergbaubeteiligungen an die kanadische Cameco Corp.


Um die Erdgasbelieferung an den saisonal stark schwankenden Verbrauch besser anpassen zu können, nimmt die VEW im emsländischen Kalle einen unterirdischen Erdgas-Porenspeicher in Betrieb.


Demonstrationsanlage zur Erprobung des HTW- Verfahrens im Rheinbraun- Veredelungsbetrieb Ville/ Berrenrath, 1985

1982

Die unter dem Eindruck der zweiten Energiekrise von der Bundesregierung stark geförderte Energieforschung zeigt bei Rheinbraun erste greifbare Ergebnisse. Auf dem Gelände der UK Wesseling bei Köln geht eine Pilotanlage zur hydrierenden Vergasung von Braunkohle in Betrieb, der kurze Zeit später eine Versuchsanlage zur Verflüssigung von Braunkohle folgt. Die 1985 in Betrieb genommene Demonstrationsanlage zur Kohlevergasung nach dem Hochtemperatur-Winkler-Verfahren (HTW) liefert bis Ende 1997 Synthesegas an UK Wesseling für die Verarbeitung zu Chemieprodukten. Die Erfahrungen mit der Kohlevergasung fließen in die Entwicklung des ersten großen CO2-freien Kohlekraftwerks ab 2006 ein.


Gemeinsam mit dem Hagener Versorger Elektromark beginnt die VEW in Lingen mit dem Bau des Kernkraftwerkes Emsland. Das 1.300 Megawatt-Kraftwerk speist im April 1988 den ersten Strom ins Netz.


Zuleitungen der Rauchgasreinigungsanlage Kraftwerk Weisweiler, 1987

1983

Die verschärfte Umweltgesetzgebung erfordert ein umfangreiches Programm für die Entschwefelung und Entstickung der RWE-Kohlekraftwerke. Dies ist nicht nur eine große finanzielle Herausforderung (8,3 Mrd. DM für eigene und vertraglich gebundene Kraftwerke): In vielen Bereichen muss die zur Erreichung der vorgeschriebenen Grenzwerte erforderliche Technik erst vom RWE entwickelt werden. Das 1988 abgeschlossene Programm beinhaltet auch die Stilllegung einiger älterer Anlagen


In Hamm nimmt der Thorium-Hochtemperatur-Reaktor 300 (THTR) den Versuchsbetrieb auf, an dessen Betreibergesellschaft die VEW maßgeblich beteiligt ist. Diese alternative Kernreaktorlinie erzeugt hohen Temperaturen von bis zu 1.000 Grad, was eine kostengünstige Dampf- und Wärmeversorgung für die Chemische Industrie, die Kohlevergasung oder gar die Eisenverhüttung verspricht. Nach nur dreijährigem Betrieb, immer wieder von Abschaltungen unterbrochen, wird die Anlage wegen technischer Probleme abgeschaltet. Da ein ökonomischer Betrieb dieser Reaktorlinie angesichts der massiven Kostenüberschreitungen nicht möglich scheint, wird 1988 die förmliche Stilllegung eingeleitet.


Planung Tagebau Hambach, 1976

1984

Der Abbaubeginn im Rheinbraun-Tagebau Hambach markiert eine neue Dimension im rheinischen Braunkohlenbergbau. Erstmals müssen 150 m Deckgebirge abgetragen werden, um die obersten Braunkohlenflöze zu erreichen, und nochmals vergrößerte Abbaumaschinen kommen zum Einsatz. Erleichtert wird die bereits 1974 getroffene Entscheidung zum Aufschluss des Tagebaus durch die Rückbesinnung auf die heimischen Energieträger infolge der ersten Energiekrise. Auf der anderen Seite zieht das "größte Loch der Erde" erstmals eine breite Diskussion auch außerhalb des Braunkohlenreviers über die Umwelteinwirkungen des Braunkohlenbergbaus nach sich.


Im Essener Norden beginnen die Arbeiten am neuen Müllheizkraftwerk Karnap, das 1989 die alte, den gestiegenen Umweltschutzanforderungen nicht mehr genügende Verbrennungsanlage ersetzt.


Die VEW erwirbt aus dem Besitz der bisherigen Ruhrkohle-Aktionäre Salzgitter AG, Krupp Stahl AG und Harpener AG eine Beteiligung von knapp 22 Prozent an der Ruhrkohle AG, Essen (RAG). Dieser Anteil wird 1987 durch die Übernahme weiterer 8,25 Prozent von der französischen Societé Nouvelle Sidéchar auf gut 30 Prozent erhöht, womit VEW nach der VEBA der zweitgrößte Anteilseigner bei der RAG wird.


Werksanlage der UK Wesseling am Rhein, 1986

1987

Bei UK Wesseling wird ein umfangreiches Investitionsprogramm zur Modernisierung und Rationalisierung abgeschlossen, das in den folgenden Jahren zu einer deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses führt. Das ehemalige Hydrierwerk war nach dem Zweiten Weltkrieg zur Raffinerie umgebaut und um Anlagen zur Ammoniak- und Methanolproduktion erweitert worden. Da die UK über keine eigene Erdölförderung verfügt, ist sie nach den beiden Energiekrisen besonders stark von dem Verdrängungswettbewerb in der Mineralölindustrie betroffen.


Nördlich von Koblenz nimmt unmittelbar am Rhein das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich mit 1.300 Megawatt den Leistungsbetrieb auf. Wegen Mängel im Genehmigungsverfahren wird das Kraftwerk jedoch im darauf folgenden Jahr gerichtlich stillgelegt. Nach jahrelangen Rechtstreitigkeiten und einem neuen Genehmigungsverfahren verzichtet RWE im Jahr 2000 im Rahmen des so genannten Kernenergiekonsenses auf die Wiederinbetriebnahme der Anlage.


Feierliche Eröfnung der ersten DEA- Tankstelle in Essen durch RWE- Vorstandssprecher Friedhelm Gieske, 1989

1988

Das RWE macht den entscheidenden Schritt zur Diversifizierung des Konzerns: Das Unternehmen übernimmt die Deutsche Texaco AG, Hamburg, die auf die 1899 gegründete Deutsche Tiefbohr-AG, seit 1911 Deutsche Erdöl-AG (DEA), zurückgeht. Die Chemie- und Mineralölgruppe wird in RWE-DEA AG für Mineraloel und Chemie umbenannt, UK Wesseling integriert, und die Tankstellen auf die Marke DEA umgestellt. Dieser nachhaltige Schritt in neue Geschäftsfelder intensiviert die Überlegungen zu einer Neuordnung des RWE-Konzerns, die 1990 umgesetzt werden.


Im Bereich der Unternehmensführung bricht das RWE mit einer langjährigen Tradition: Bislang wurde das Unternehmen von einem gleichberechtigten Vorstandskollegium geführt. Nun werden zwei Mitglieder dieses Gremiums zu Vorstandssprechern ernannt: Günther Klätte und Friedhelm Gieske.


Integriertes Abfallentsorgungskonzept RWE Entsorgung, 1992

1989

Die bislang auf die Bereiche Müllverbrennung und Wasserwirtschaft beschränkten Aktivitäten im Entsorgungsbereich werden in der neu gegründeten RWE Entsorgung AG, Essen, gebündelt und weiter ausgebaut. Gemeinsam mit der rheinischen Entsorgungsgruppe Trienekens weitet RWE Entsorgung ihre Geschäftstätigkeit auf das gesamte Bundesgebiet und bald auch auf zahlreiche Auslandsmärkte (u.a. Osteuropa und USA) aus.


Ein verstärkt ausgebauter NUKEM- Geschäftsbereich: Photovoltaikanlagen

Im Laufe des Jahres kann das RWE seine seit 1965 bestehende Beteiligung an der Nukem GmbH, Hanau, auf eine Anteilsmehrheit ausbauen. Das ursprünglich ganz auf die Nukleartechnik ausgerichtete Unternehmen hat im Vorjahr die Brennelementefertigung und die Transportaktivitäten abgegeben. Als RWE-Konzerngesellschaft wird die "neue" NUKEM zum Dienstleistungs- und Ingenieurunter- nehmen mit den Bereichen Verfahrens-, Solar- und Umwelttechnik sowie Anlagenbau und Uranhandel mit Sitz in Alzenau bei Aschaffenburg weiterentwickelt.