Kraftwerk Heimbach wird 100

<08.08.2005> Mit dem Kraftwerk Heimbach feierte am 8. August das älteste und sicher auch das schönste RWE-Kraftwerk den 100. Geburtstag. Architektur und Ausstattung des am Nordrand der Eifel gelegenen Wasserkraftwerks sind deutlich vom Jugendstil geprägt. Bei der Inbetriebnahme am 8. August 1905 war Heimbach mit 12 Megawatt immerhin das größte Wasserkraftwerk Europas.

Kraftwerk HeimbachKraftwerk Heimbach 

Das Kraftwerk Heimbach ging am 8. August 1905 nach einer Bauzeit von knapp zwei Jahren in Betrieb und hatte damals überregionale Bedeutung. Die erzeugte elektrische Energie wurde mit einer Spannung von 35 Kilovolt in ein eigenes, fast 400 Kilometer langes, Freileitungsnetz eingespeist und versorgte den Regierungsbezirk Aachen. Die rasch fortschreitende Industrialisierung und der stark steigende Strombedarf sorgten aber schon bald dafür, dass das Kraftwerk Heimbach diese Aufgabe nicht mehr alleine bewältigen konnte und nun im Verbund mit anderen Kraftwerken lief.

 

Architekt unbekannt

Eingang zum KraftwerkEingang zum Kraftwerk Bis heute hat das Kraftwerk Heimbach sich seinen besonderen Reiz erhalten, gilt es doch als das schönste Jugendstilkraftwerk in Deutschland. Wer zum ersten Mal vor dem Kraftwerk steht, wird denn auch eher an einen Sakralbau denken, als an eine technische Einrichtung. Wegen dieser bautechnischen Besonderheit und Einmaligkeit steht das Kraftwerk Heimbach heute unter Denkmalschutz. Wer Architekt des Kraftwerkes ist, ist bis heute nicht eindeutig geklärt: Viele Indizien sprechen dafür, dass der Aachener Architekt Georg Frenzen für die künstlerische Gestaltung des Kraftwerkes verantwortlich war.

Das Kraftwerk Heimbach wird über einen 2,7 Kilometer langen Stollen mit Wasser aus der Urfttalsperre versorgt. Die vielfach gewundenen Flussläufe von Rur und Urft bieten an dieser Stelle die Möglichkeit, eine Flussschleife von rund 28 Kilometer abzukürzen und so ein – für Mittelgebirge außergewöhnlich großes - Gefälle von 110 Meter auszunutzen. Ursprünglich acht Maschinensätze nutzten die potentielle Energie des Wassers zur Stromerzeugung. Eine Wassermenge von insgesamt 16 Kubikmeter je Sekunde durchströmte die acht Francis-Turbinen. Die Kraft der Turbinen wurde mit Seilkupplungen auf die Generatoren übertragen. Die 90 Meter langen Hanfseile musste alle drei Jahre ausgewechselt werden.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Blick in die MaschinenhalleBlick in die Maschinenhalle Die Zeit des 2. Weltkrieges hat das Kraftwerk Heimbach relativ unbeschadet überstanden. Allerdings sprengte die deutsche Wehrmacht am 11. Februar 1945 die Stollenverschlüsse auf der Kraftwerksseite, um so den Durchbruch der Alliierten zum Rhein zu verhindern. Infolgedessen lief die Urfttalsperre komplett leer und das Kraftwerk wurde von den Wasser- und Geröllmassen überflutet. Nach umfangreichen und beschwerlichen Aufräum- und Reparaturarbeiten – sowohl Arbeitskräfte wie auch Werkzeuge waren Mangelware - konnten im Januar 1948 die ersten vier Maschinen wieder anlaufen, die übrigen vier Maschinen folgten Ende des Jahres.

 

 


Modernisierung 1975

Historischer GeneratorHistorischer Generator 1975 hatten die acht alten Turbinen und Generatoren ausgedient, sie wurden durch zwei neue Maschinen mit deutlich höherer Leistung ersetzt. Die beiden neuen Maschinen haben heute zusammen eine Leistung von 16.000 Kilowatt und nutzen 18 Kubikmeter Wasser je Sekunde. Das Kraftwerk Heimbach, erzeugt heute im Jahr rund 25 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie, genug um rund 7.800 Haushalte zu versorgen.
Zwei der alten Maschinen und die mehrgeschossige Schaltanlage, sorgfältig restauriert und liebevoll gepflegt, geben heute noch einen lebendigen Eindruck von den Anfängen der elektrischen Stromerzeugung. Zahlreiche Besucher bestaunen jedes Jahr die alte „Technik zum Anfassen“ mit ihren großen Abmessungen und den – in Mahagoniholz eingefassten – Marmortafeln, direkt neben der neuen Technik. In den Räumen des Kraftwerks befindet sich auch eine umfangreiche Sammlung elektrischer Hausgeräte – von den Anfängen bis heute.

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