Der Hochleistungswäscher REAplus

Seit den 80er Jahren filtern Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen (REA) Schwefeldioxid (SO2) aus dem Rauchgas der Braunkohlenkraftwerke. Das Reinigungsverfahren, bei dem das SO2 mit Hilfe einer Kalksteinlösung ausgewaschen wird, hat sich seit langem bewährt. Heute werden mehr als 95 Prozent der Entschwefelungsanlagen in Kraftwerken und Industrieanlagen weltweit auf Basis dieser Verfahrenstechnik zuverlässig und erfolgreich betrieben.

Die hohe Wirksamkeit der gegenwärtigen Rauchgasreinigung ist für RWE Power jedoch kein Anlass zum Ausruhen, sondern vielmehr Ansporn zur Entwicklung neuer Verfahren, die die Kohleverstromung zukünftig noch klimafreundlicher gestalten sollen. In diesem Zusammenhang steht das REAplus-Konzept, das wir in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Anlagenbauer Andritz Energy & Environment (AE&E) am Innovationszentrum Kohle in einer Versuchsanlage realisiert haben.

Bei diesem Konzept geht es darum, die chemischen Prozesse bei der Entschwefelung noch weiter zu optimieren, um dadurch einen höchstmöglichen SO2-Abscheidegrad zu erreichen. Der Fortschritt gegenüber den bisherigen Verfahren liegt in einem gestuften Ablauf des Waschprozesses und einem verbesserten Kontakt zwischen Kalksuspension und Rauchgas-SO2. In der Versuchsanlage werden pro Stunde 50.000 Kubikmeter Rauchgas aus dem BoA-Kraftwerk gereinigt. Erprobt werden die zu erreichenden Abscheideziele und die Tauglichkeit für den Dauerbetrieb.

Die hocheffiziente Entschwefelung durch REAplus macht eine Vorbehandlung des Rauchgases in der ebenfalls an BoA 1 angeschlossenen CO2-Wäsche-Pilotanlage überflüssig. Die Kombination von REAplus und Post Combustion Capture schafft am Standort Niederaußem weltweit einzigartige Bedingungen zur Erprobung moderner, richtungweisender Kraftwerkstechnik.

Ende 2011 wurde die REAplus-Anlage um eine weitere Komponente erweitert: Den Nasselektrofilter, mit dem Rauchgas noch besser als bisher von Schwefel und Staubpartikeln befreit werden soll. Nach der ersten Erprobungsphase in 2012 folgt ein Langzeittest bis Ende 2013. Der spezielle Filter wurde von der Anlagenbau-Firma Steuler-KCH GmbH aus Siershahn/Westerwaldkreis gebaut.

Eine Besonderheit des neuen Anlagenteils: Statt Stahlrohr-Elektroden, die sonst in Nasselektrofiltern verbaut werden, setzte das Unternehmen Kunststoffrohre ein. So können die elektrostatisch abgeschiedenen Rauchgasbestandteile durch Wasser heraus gespült werden, ohne dass im Betrieb Korrosion entsteht.

Zoom REAplus-Modul installiert in Absorber G1, Kraftwerk Niederaußem Im Juli 2014 wurde die REAplus-Technik am REA-Absorber G1 des Kraftwerks Niederaußem weltweit erstmalig großtechnisch umgesetzt. Die hier zum Einsatz kommende Ausführung ist 50 mal größer als die Pilotanlage. Am Kraftwerksblock G ist neben dem REAplus-Modul ein zweiter, konventioneller REA-Absorber vorhanden. Dadurch kann die neue Technik direkt mit einem herkömmlichen System verglichen werden.

Durch das neue Wäscherkonzept kann der elektrischen Eigenbedarf im Vergleich zu herkömmlichen Rauchgasentschwefelungsanlagen gesenkt werden. Die innovative Technik steigert also die Effizienz der Rauchgasentschwefelung. Da sich die neu entwickelte REAplus-Technik bisher in Block G bewährt hat, wurden im Mai 2015 auch die beiden REA-Absorber des Blocks Niederaußem H im Rahmen einer Revision mit dieser Technik ausgerüstet.

Die hocheffiziente Entschwefelung durch REAplus macht eine Vorbehandlung des Rauchgases in der ebenfalls an BoA 1 angeschlossenen CO2-Wäsche-Pilotanlage überflüssig. Die Kombination von REAplus und Post Combustion Capture schafft am Standort Niederaußem weltweit einzigartige Bedingungen zur Erprobung moderner, richtungweisender Kraftwerkstechnik.

 

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