Feuer und "Flame"

Es ist für ihn ein festes Datum in seinem Kalender: Jedes Jahr spricht Andree Stracke, Chief Commercial Officer von RWE Supply & Trading, auf Europas führender Erdgas & LNG Konferenz „Flame“. In Amsterdam trafen sich hunderte von Gasproduzenten und Verbraucher, Infrastrukturanbieter, Händler, Regulierungsbehörden und das „Who is Who“ des Gasgeschäfts.

Der europäische Markt rüstet sich für einen verstärkten Wettbewerb zwischen LNG aus Amerika („US LNG“) und Pipelinegas. Das sorgt für eine interessante Zukunft des Europäischen Marktes, Möglichkeiten für Käufer und Verkäufer und Preisentwicklungen. „Mit einem Rückgang in der Gasproduktion in Deutschland, den Niederlanden und Algerien entsteht eine Versorgungslücke in Europa. Diese kann mit LNG gefüllt werden“, so Andree Stracke. „Die Nachfrage nach LNG könnte durch zusätzliche Laufzeiten der Gaskraftwerke, Umrüstung von Öl- auf Gasboiler, Weiterentwicklung des durch komprimierten Erdgases (CNG) betriebenen Verkehrs und LNG für LKWs steigen.“ LNG aus Amerika wird einen großen Einfluss auf den weltweiten LNG-Markt haben. Dieser wird dadurch dynamischer und immer stärker mit Europa verbunden sein. Erste Auswirkungen werden vermutlich im Nordatlantik sichtbar. Aber auch auf weltweiter Ebene wird es dynamischer und die Zusammenarbeit zwischen Europäischen und Asiatischen Marktteilnehmern stärker.

Kurzfristig wird ein mäßiges Nachfragewachstum in Zentraleuropa und ein vorrübergehender Liefer-Wettkampf zwischen Upstream-Produzenten erwartet – besonders zwischen russischem Gas und amerikanischem LNG. Dies führt zu Preisschwankungen je nachdem, wie groß die Bereitschaft der Produzenten ist, ihren eigenen Marktanteil zu verteidigen. Diese strukturelle Veränderung sowie neue Pipeline-Projekte, wie Nord Stream 2, haben einen signifikanten Einfluss auf die physischen Gasvolumen und Flussrichtungen in Zentraleuropa. Stracke erwartet: „Es wird für einige Marktteilnehmer anspruchsvoll, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten.“

Letztes Jahr hat RWE physisch 2,5 Millionen Tonnen LNG an Kunden weltweit geliefert. Aber Volumen sind keine Zielgröße. „Wir müssen unser Portfolio mit der Zeit vergrößern. Ein Volumen-Ziel haben wir aber nicht, weder für 2017 noch für 2018“, sagt Stracke. „LNG ist das Gasmolekül, welches die weltweiten Gasmärkte miteinander verknüpft. Ähnlich wie Kohle als weltweit gehandelter Rohstoff. Aus diesem Grund müssen wir in diesem Bereich aktiv sein, insbesondere in Asien, wo wir viele Möglichkeiten sehen.“