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WirtschaftsWoche vom 07.01.2022

Katja Wünschel im Interview

Katja Wünschel im Interview mit der WirtschaftsWoche

Die Sonnenfängerin

Der Energieriese RWE will sich als grüner Vorzeigekonzern positionieren. Dabei spielt Katja Wünschel eine wichtige Rolle. Sie soll in Deutschland das Geschäft mit Windkraft und Fotovoltaik vorantreiben - und Landwirte für sich gewinnen.

Katja Wünschels Aussicht ist ziemlich gut. Eckbüro, vierter Stock. Durch die verglasten Außenwände hat sie einen klasse Blick auf - okay: Essen. Wünschel sieht von ihrem Schreibtisch aus den modernen RWE-"Campus", aber auch ein historisches RWE-Verwaltungsgebäude. Vor dem Fenster rechts erscheint ein Schlot des Heizkraftwerks Essen-Innenstadt. Und im Dezember konnte Wünschel sogar das Riesenrad des Weihnachtsmarkts sehen. Nicht schlecht.

Aber Wünschels Jobperspektive ist noch besser. Denn RWE, ihr Arbeitgeber, hat viel vor. Der Energieriese will sich vom Schmuddelkind mit Kohle- und Atomkraftwerken zum grünen Vorzeigeunternehmen wandeln. "Growing Green", heißt das Motto, das RWE-Chef Markus Krebber ausgegeben hat. 30 Milliarden Euro netto will der Konzern bis 2030 in die Energiewende stecken. Und Wünschel spielt in den Plänen Krebbers eine entscheidende Rolle: Sie ist in Deutschland und Europa für die "Renewables Onshore" zuständig, also für den Ausbau landbasierter Windkraft und Fotovoltaik. Man könnte auch sagen: Die 48-Jährige ist RWEs Frau für Wind und Sonne.

Dabei handelt die Managerin fast schon im nationalen Interesse. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2030 mindestens 80 Prozent des Bruttostrombedarfs aus erneuerbaren Quellen stammen muss. 2020 waren es gerade einmal 45 Prozent. Es ist ein Kraftakt. Allein bei der Fotovoltaik müssen fast 15 Gigawatt pro Jahr netto zugebaut werden - so hat es das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität zu Köln berechnet. Das entspricht der Leistung von mehr als zehn Kernkraftwerken. Bei der Onshore-Windkraft gehen die Wissenschaftler davon aus, dass jährlich 3,9 Gigawatt netto zugebaut werden müssen. Klimaminister Robert Habeck spricht von 1000 bis 1500 Windrädern pro Jahr, also rund 25 pro Woche. 2020 waren es gerade mal acht. Wie soll das genau funktionieren? Wünschel mischt sich ein, auch politisch. Sie weiß, dass der Erfolg von RWE davon abhängt, dass die Regierung ihre großen Versprechen mit konkreten Gesetzen einlöst.

Horrorstorys aus der Bürokratie

RWE will in Deutschland bis 2030 bis zu 15 Milliarden Euro investieren; für Onshore-Windkraft und Fotovoltaik sind davon bis zu fünf Milliarden Euro vorgesehen. Das eigene Zubaupotenzial für Wind und Sonne taxiert der Konzern auf etwa fünf Gigawatt. Derzeit verfügt RWE bei Windkraft über rund 580 Megawatt (MW) installierte Leistung, bei Fotovoltaik über drei MW. Man sieht: Auch die Ziele der Essener sind, vorsichtig formuliert, ambitioniert.

Aber nicht unerreichbar. "Der Koalitionsvertrag ist das Signal, auf das wir lange gewartet haben", sagt Wünschel. Neue Flächen seien der "Booster" für die Erneuerbaren und deshalb sei es ein "Meilenstein", dass die Regierung nun zwei Prozent der Landesflächen für die Windkraft ausweisen wolle. Wünschel weiß genau, wie schwer es bisher ist, Flächen zu finden, Projekte genehmigt zu bekommen. Abstandsregeln, Artenschutz und natürlich die Bürokratie. All das bremst den Ausbau. Allein 70 Ordner Papier hätten sich zuletzt für die Genehmigung einer einzigen Windkraftanlage angesammelt. Bei einem anderen Projekt sei der zuständige Sachbearbeiter krank: "Seit vier Wochen warten wir auf einen Bescheid." Es gehe nun darum, Kompetenzen zu bündeln, Prozesse zu vereinfachen, sagt Wünschel. Nötig sei ein "Strauß" an Maßnahmen, zügig ergriffen und umgesetzt.

Wünschel kennt die Eneuerbaren gut, nennt sich selbst ein "Kind der ersten Stunde". Sie ist in Karlsruhe und Bonn aufgewachsen, hat in Bayreuth BWL studiert, arbeitete bei Bosch in Brüssel, beim Recruiter Hays in London, als Trainee für Bayer in Singapur und lebte nach ihrem Wechsel zum Versorger E.On eine Weile in Tschechien. Bis heute kann sie Tschechisch zumindest lesen.

Bei E.On holte sie Frank Mastiaux, der heutige EnBW-Chef, zu den Erneuerbaren, "damals ein Start-up", sagt Wünschel: "Zwei Jahre lang gab es einen sehr großen Freiheitsgrad, diese Company zu gestalten."

0,5 Prozent Fläche für Fotovoltaik

Wie sehr Wünschel mit Details vertraut ist, merkt man, wenn sie über die Fotovoltaik spricht. 2020 produzierten die rund zwei Millionen Anlagen 9,2 Prozent des Bruttostroms in Deutschland. Auf Dächern, auf künstlichen Seen - die Kraft der Sonne lässt sich fast überall ernten. Wenn es aber wirklich vorangehen soll, müssen die Solar-paneele auch auf Äckern und Wiesen aufgestellt werden. Der "Booster" ist die Fläche. Auch in der Fotovoltaik. "Wünschenswert wäre auch hier ein konkretes Flächenziel", sagt Wünschel: "Nötig wären 0,5 Prozent der Fläche."

Ihre Botschaft an Landwirte: Baut bisweilen lieber auf Solarzellen statt auf Raps, also auf Energiepflanzen. Und: Nutzt Flächen, wenn möglich, doppelt. In der "Agri-Fotovoltaik" etwa werden Paneele so aufgestellt, dass auf den Äckern noch etwas wachsen kann. "Die ideale Variante", so Wünschel: "Der Traktor führt unter den Paneelen durch." RWE hat in Italien und Spanien Projekte gestartet; demnächst soll es auch in Deutschland einen Versuch geben.

Das Onshore-Geschäft ist kleinteilig und lokal. Wer erfolgreich sein will, muss Landwirte und Bürgermeister überzeugen. Aus dieser Erkenntnis heraus hat RWE das Programm "Rückenwind" gestartet. Der Konzern will sieben weitere Büros in Deutschland eröffnen, in Berlin, in Düsseldorf, vor allem im Süden - dort, wo der Nachholbedarf bei den Erneuerbaren am größten ist, im "Großraum Heilbronn und Stuttgart" und im "Großraum München und Augsburg". Wünschel will rund 200 neue Mitarbeiter einstellen, Projektentwickler und "Landsicherer" - die haben "ein Netzwerk bei den Landwirten und wissen, wer Interesse hat, etwas mit Wind und Fotovoltaik zu machen".

Projektentwicklung, sagt Wünschel, sei ein "People Business". Und um die "People" im Rheinischen Revier bemüht sich RWE besonders; 9000 der rund 20.000 Beschäftigten arbeiten dort. Auf dem Gelände der Kohletagebaue Inden und Garzweiler etwa sollen Fotovoltaik-Speicher-Kraftwerke entstehen. Schwerter zu Pflugscharen, das alte Motto der Friedensbewegung - hier wird es energiepolitisch gewendet: Tagebaue zu Sonnenfarmen. Mehr Symbolik geht nicht.

Wünschel hat miterlebt, wie es die Branche und vor allem E.On und RWE durchgeschüttelt hat. Die Konzerne vereinbarten 2019 einen "Asset Tausch": RWE erhielt die Erneuerbaren von E.On und behielt die Erneuerbaren-Sparte der RWE-Tochter Innogy; Netz und Vertrieb von Innogy gingen an E.On. Für Wünschel brachte die Übergangszeit drei E-Mail-Adressen mit sich und Umzüge: von E.On zu Innogy - und von dort auf den RWE-Campus. "Als der Asset-Tausch bekannt wurde, war das für alle ein Aha-Moment", sagt sie. Vermutlich mehr ein "Oha"-Moment.

So oder so: Das Vorgehen des RWE-Vorstands habe sie damals überzeugt, sagt Wünschel: "Die haben nicht nur die Erneuerbaren in den Mittelpunkt gestellt, sondern ihren Worten auch Taten folgen lassen."

Dotzenraths Erbe wird aufgeteilt

Es war Anja-Isabel Dotzenrath, die bis Herbst 2021 als Chefin der RWE Renewables die Konzernteile zusammenführte und eine Einheit schuf. Das scheint gelungen, auch wenn Dotzenrath dann zu einem britischen Ölkonzern wechselte. 2022 will RWE sich nun wieder neu aufstellen - und die Erneuerbaren in drei Unternehmen aufspalten: Offshore global, Onshore Amerika, Onshore Europa und Australien. Wünschel wird CEO der dritten Sparte.

Die Neuorganisation sei zwingend gewesen, sagt sie. Offshore sei komplett global, von Taiwan über Europa bis in die USA: "Das sind riesige Projekte, die fast alle mit strategischen Partnern umgesetzt werden."

Onshore in Europa sei komplett anders. "Typischerweise kümmere ich mich um Projekte in der Größenordnung von 20 Megawatt. Dafür sind es sehr, sehr viele", sehr verstreut, sehr lokal. 60 bis 80 Vorhaben werde sie künftig jedes Jahr im Blick haben. Das bedeutet, so Omikron es erlaubt, viele Reisen. Und viel Zeit im Büro, dort ist sie gerne: "Ich mag den Rhythmus." Selbst während der Pandemie ist Wünschel fast durchgängig vom Wohnort Duisburg hierher gefahren. Mit den zwei halbwüchsigen Kindern zu Hause habe sich das gut vereinbaren lassen.

Wünschel blickt zuversichtlich ins neue Jahr. Sie könne etwas verändern, die Transformation hin zu erneuerbaren Energien mit anschieben, in Deutschland und in Europa: Das ist wie "ein Sechser im Lotto", sagt sie: "Besser geht's nicht."

 

Text von Florian Güßgen, © Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG. Alle Rechte vorbehalten. 

Installierte Windenergieleistung in Deutschland © Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG
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