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Handelsblatt vom 02.02.2022

Für den Erfolg des Wasserstoffausbaus ist Pragmatismus notwendig

Für den Erfolg des Wasserstoffausbaus ist Pragmatismus notwendig | Dr. Sopna Sury – Gastbeitrag im Handelsblatt

Es muss der Rahmen geschaffen werden, der Investitionsentscheidungen an allen Stationen der Wertschöpfungskette ermöglicht. Für die perfekte Regulierung fehlt aber die Zeit, meint Sopna Sury.

Manchmal reicht ein Moment, um sich der Größe einer Aufgabe bewusst zu werden. Wie im vergangenen Dezember, als die Energiepreise durch die Decke gingen. Weil Gas in Europa knapp und die Nachfrage in Asien enorm gestiegen ist, weil Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken immer weniger wird und geopolitisch dunkle Wolken über Osteuropa hängen.

Kein Wunder, dass sich die Deutschen wegen ihrer Energiekosten sorgen. Kein Wunder auch, dass Industriebetriebe um ihre Existenz bangen, wenn Energiekosten plötzlich höher sind als der Umsatz. Zum Glück war das nur eine Momentaufnahme. Die Preise sind inzwischen etwas gesunken. Doch die Situation hat verdeutlicht, dass die wirtschaftliche Stärke unseres Landes nicht in Stein gemeißelt ist. Sie hängt von vielen Faktoren ab; eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gehört zweifellos dazu.

Und ausgerechnet jetzt soll die Energiewende beschleunigt werden? Sollen Windkraft- und Solaranlagen Kernkraft und Kohle ersetzen? Und teuren grünen Wasserstoff produzieren? Ja. Gerade jetzt!

Denn je schneller Deutschland klimaneutral wird, desto eher werden die Kosten sinken.

Schon heute sind Windkraft- und Solaranlagen deutlich günstiger als in der Vergangenheit. Diese Entwicklung wird sich beim Wasserstoff wiederholen. Natürlich wird die Übergangszeit vom konventionellen ins erneuerbare Zeitalter kostenintensiv werden.

Darum liegt die große Herausforderung darin, die Energiewende so zu gestalten, dass die Industrie wettbewerbsfähig bleibt. Die Politik hat das erkannt und will gegensteuern. Das ist richtig so, denn unsere Volkswirtschaft baut sich nicht im Vorbeigehen um. Die gute Nachricht ist: Wir haben es als Gesellschaft selbst in der Hand.

Grüner Wasserstoff wird entscheidend sein

Für den Erfolg dieser Transformation wird grüner Wasserstoff entscheidend sein. Nur mit ihm lassen sich industrielle Prozesse dekarbonisieren, für die Elektrifizierung keine Option ist - für Stahlerzeuger, Chemieunternehmen oder den Schwerlastverkehr ist er die einzige Möglichkeit, ihre Klimaziele zu erreichen.

Doch noch ist Wasserstoff knapp. Damit er so verfügbar und erschwinglich wie Leitungswasser wird, braucht es eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft - mit grünen Erzeugungskapazitäten, Produzenten, Händlern, Kunden und vor allem Infrastruktur. All das muss schnellstens aufgebaut werden, integriert, zeitgleich und pragmatisch.

Dabei ist Aufbauen wörtlich zu nehmen. Es braucht Neubauten überall. Angefangen bei den Windparks und Solaranlagen, die den erneuerbaren Strom für die Elektrolyseure produzieren. Über massive Elektrolysekapazitäten. Bis hin zu den (dort, wo möglich, umgewidmeten) Pipelines, über die der Energieträger vom Produzenten zum Abnehmer transportiert wird. Und weil es Reserven bedarf, werden auch Speicher unabdingbar.

Das klingt komplex, ist aber lösbar. Wir starten ja nicht bei null. Nationale und europäische Wasserstoffstrategien haben ambitionierte Ziele definiert. Die gilt es jetzt, durch passende Instrumente zu unterstützen. So will die neue Bundesregierung die Elektrolysekapazität für die Erzeugung von grünem Wasserstoff bis 2030 auf zehn Gigawatt ausbauen. Doppelt so viel, wie bislang anvisiert. Dennoch wird es gerade einmal reichen, um ein Zehntel des von Experten für 2030 erwarteten Wasserstoffbedarfs von sieben Millionen Tonnen pro Jahr zu decken.

Rahmenbedingungen für alle Beteiligten müssen stimmen

In Deutschland und in ganz Europa haben sich Unternehmen zu Wasserstoffkonsortien zusammengefunden. Gerade in der Hochlaufphase der Wasserstoffwirtschaft sind integrierte Projekte wichtig, für die sich Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammenfinden und deren Vorhaben sich wie Zahnräder zu einem funktionierenden System ergänzen.

Beispielhaft sei hier das Projekt GET H2 am RWE-Standort in Lingen genannt, eines der am weitesten fortgeschrittenen Vorhaben in Deutschland. Mit dem Industriegasspezialisten Linde hat das Unternehmen im Dezember die Genehmigungsplanung für die ersten zwei 100-Megawatt-Elektrolyseure gestartet.

Doch richtig loslegen können auch wir noch nicht. Erst müssen die Rahmenbedingungen für alle Beteiligten zeitgleich passen. Und damit reife Projekte wie GET H2 rechtzeitig starten können, brauchen Unternehmen finanzielle Planungssicherheit.

"Important Project of Common European Interest"-Projekte (IPCEI) sind transnationale, wichtige Vorhaben von europäischem Interesse. Für diese hat Deutschland acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln in Aussicht gestellt. Entsprechende Förderzusagen braucht es schon im Frühjahr, sonst können die Zeitpläne nicht eingehalten werden. Entscheidend ist, das Gesamtsystem in Gang zu bringen. Das ist wie bei einem großen Zelt: Will man das aufstellen, müssen alle Stützen gleichzeitig aufgerichtet werden, sonst bleibt das Konstrukt am Boden.

Deshalb sollten jetzt Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auf pragmatische Weise Investitionsentscheidungen an allen Stationen der Wertschöpfungskette ermöglichen. Dazu zählen auch Weichenstellungen für Wasserstoffimporte. Denn selbst im Optimalfall wird nur ein Bruchteil des benötigten Wasserstoffs hierzulande erzeugt werden.

Für die perfekte Regulierung bis ins allerletzte Detail fehlt da die Zeit. Beispiel: die Grünstromkriterien, über die auf europäischer Ebene diskutiert wird. Sie werden festlegen, welcher erneuerbare Strom für die Erzeugung von grünem Wasserstoff genutzt werden darf. Die aktuell diskutierte Idee, nur Strom aus neuen, ungeförderten Windkraft- und Solaranlagen zuzulassen, macht keinen Sinn.

Start von Wasserstoffwirtschaft nicht verzögern

Zumindest dann nicht, wenn Industriebetriebe schnellstmöglich auf eine klimafreundliche Produktion mit grünem Wasserstoff umstellen sollen. Praktisch bedeutet dieser Vorschlag, dass Jahre vergehen werden, bis solche neuen Windkraft- und Solaranlagen ans Netz gehen.

Auf dieser Basis errichtet niemand Elektrolyseure. Und es stellt kein Stahlproduzent seinen Hochofen von Koks und keine Raffinerie von Gas auf grünen Wasserstoff um. Solche Unternehmen brauchen Gewissheit, dass der grüne Energieträger verlässlich in ausreichenden Mengen verfügbar sein wird. Kurzum: Durch solche Vorschläge kommt das Gesamtsystem nicht in Fahrt, es gerät ins Stocken.

Je weiter sich der Start der Wasserstoffwirtschaft verzögert, desto größer wird die Unsicherheit bei den Unternehmen. Das erhöht das Risiko, dass jetzt anstehende Investitionen andernorts getätigt werden.

Das kann niemand ernsthaft wollen. Statt Bilderbuchregulierung ist deshalb Pragmatismus das Gebot der Stunde. Wir alle wissen: Von heute auf morgen alles auf Grün - das wird nicht funktionieren. Doch mit klug gewählten Zwischenschritten und Kompromissen werden wir unsere CO2-Emissionen im Schlüsseljahrzehnt der Energiewende drastisch senken.

Ich bin überzeugt: Je pragmatischer wir handeln, desto schneller nähern wir uns dem gemeinsamen Ziel einer klimaneutralen Gesellschaft.

 

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