Floating-Wind – die Welt der schwimmenden Windkraft

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Warum Floating-Wind?

Die weltweit erzeugte Menge erneuerbarer Energie muss deutlich erhöht werden.

In vielen Küstenregionen sind die Gewässer jedoch zu tief für fest auf dem Meeresgrund installierte Offshore-Windkraftanlagen. Das macht die in wesentlich tieferen Gewässern einsetzbare Floating-Windtechnologie so wichtig.

Aber was genau ist Floating-Wind und wie funktioniert die Technologie? Genau diese Fragen sollen hier beantwortet werden. Mehr zu RWEs Floating-Windprojekten erfahren Sie hier, weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne hier.

Was ist Floating-Wind?

Floating-Wind ist eine Methode zur Erzeugung sauberer erneuerbarer Energie aus Offshore-Wind in mittleren und großen Wassertiefen, welche bisher nicht erschlossen werden konnten. Die Technologie ist ähnlich wie bei herkömmlichen Offshore-Windkraftanlagen.

Im Gegensatz zu diesen, die auf Fundamenten im Meeresgrund installiert sind, stehen die Floating-Windturbinen jedoch auf schwimmenden Unterstrukturen. Diese für Auftrieb und Stabilität sorgenden Fundamente gibt es in unterschiedlichen Versionen für die Bedingungen an den jeweiligen Standorten.

Die Animation fasst die wichtigsten Grundlagen der Floating-Windtechnologie zusammen.

  • Eine Illustration einer Offshore-Windkraftanlage mit Beschriftungen ihrer Komponenten, im Hintergrund ein Sonnenuntergang und Wolken.

    Eine schwimmende Windkraftanlage besteht aus vier Hauptelementen

    Schwimmendes Fundament (auch ‚Hull‘ oder ‚Floater‘ genannt)

    Herkömmliche Fundamente werden fest im Meeresgrund verankert. Dabei gleicht eine aufwärts wirkende Vertikalkraft die abwärts gerichtete Vertikalkraft des Turbinengewichts aus. Bei schwimmenden Anlagen entsteht diese Vertikalkraft ausschließlich durch den Auftrieb des schwimmenden Fundaments. Das schwimmende Fundament verleiht der Anlage den notwendigen Auftrieb im Wasser und sorgt für Stabilität gegen Wind- und Wellenkräfte.


    Verankerungssystem

    Das Verankerungssystem besteht aus Verankerungsleinen und Ankern. Es dient vor allem dazu, das schwimmende Fundament an Ort und Stelle zu halten. Die Konstruktion des Verankerungssystems trägt außerdem zur Kontrolle von Bewegungen und Belastungen der Seekabel bei. Die Anker dienen als Befestigungspunkt für die Verankerungsleinen im Meeresgrund.


    Seekabel

    Die Elektrizität wird durch unter Wasser verlegte Inter-Array- und Exportkabel von den schwimmenden Windkraftanlagen an Land transportiert. Anders als bei auf dem Meeresboden fest installierten Offshore-Windanlagen, bei denen die Kabel am Meeresgrund befestigt sind, um Bewegungen zu vermeiden, werden beim Floating-Wind ‚dynamische Kabel‘ eingesetzt. Um den zusätzlichen Schwimmbewegungen zu widerstehen, sind diese steifer als die herkömmlichen Kabel. An den Verbindungspunkten sind sie zur Kontrolle der Bewegungen und Belastungen ebenfalls angemessen geschützt. Die Inter-Array-Kabel werden meist durchhängend oder in einer Lazy-Wave-Konfiguration verlegt.


    Windturbine

    Zumindest auf kurz- bis mittelfristige Sicht wird für Floating-Windprojekte weitgehend die gleiche Turbinentechnologie genutzt, wie bei fest installierten Anlagen. Ein wichtiger Unterschied zu den fest installierten Anlagen besteht jedoch in den stärkeren Wechselwirkungen zwischen Turbine und Unterstruktur. Das Design des schwimmenden Fundaments wird insbesondere durch die Bewegungen bestimmt, denen die Turbine sicher standhalten muss (und zwar: Neigungen – wie weit sie kippen darf – und Beschleunigungen – wie schnell sie sich bewegen kann). Dabei wird das Steuerungssystem der Turbine ebenfalls diesen Bedingungen angepasst.

Wie schwimmen die Anlagen?

Das schwimmende Fundament und die Turbine wiegen einige tausend Tonnen, müssen aber stets über Wasser bleiben und aufrecht stehen. Es wird im Allgemeinen zwischen fünf Typen der schwimmenden Unterstrukturen unterschieden:

  1. Holmboje
  2. Plattform mit hängendem Ballastkiel
  3. Kahn
  4. Halbtaucher
  5. Spannbeinplattform (TLP)

Sie möchten wissen, wie die Anlagen schwimmen und in Position bleiben? In unserer Animation erfahren Sie, wie das funktioniert.

  • Illustration verschiedener Offshore-Windturbinenfundamente mit Beschriftungen für jeden Typ in einer malerischen Küstenlandschaft.

    Die meisten Konstruktionen auf dem Markt lassen sich einem der fünf Grundtypen zuordnen:

    Holmboje

    Die Konstruktion nutzt zur Schaffung von Stabilität den Unterschied zwischen Schwerpunkt und Auftriebszentrum der Struktur. Die Bojen sind so konzipiert, dass der Schwerpunkt weit unterhalb des Auftriebszentrums liegt. Wenn die Unterstruktur sich unter dem Einfluss von Wind und Wellen neigt, bringt ein Pendeleffekt die Anlage zurück in die vertikale Ausgangslage.


    Plattform mit hängendem Ballastkiel

    Dieses Konzept ähnelt vom Prinzip her der Holmboie, die Struktur besteht jedoch aus zwei Elementen. Eine Ballastmasse wird unter den schwimmenden oberen Teil der Plattform gehängt, so dass der Schwerpunkt auch hier unter dem Auftriebszentrum liegt.


    Kahn

    Kahnplattformen nehmen eine größere Fläche auf dem Wasser ein und erreichen dadurch ihre Stabilität. Neigt sich die Konstruktion, werden einige Teile der Plattform unter Wasser gedrückt, während andere angehoben werden. So entstehen ein Rückstellmoment und Auftrieb für die gesamte Anlage.


    Halbtaucher

    Dieser Konstruktionstyp ähnelt der Kahnplattform, da seine Stabilität durch das Überspannen einer großen Wasserfläche mit drei oder mehr separaten Säulen erreicht wird.


    Spannbeinplattform

    Diese Konstruktionsart nutzt den Unterschied und das Gleichgewicht zwischen der aufwärts gerichteten Auftriebskraft der Struktur und der nach unten gerichteten Zugkraft der vertikalen Spannseile.

Wie werden die Anlagen verankert?

Die Anlagen müssen an Ort und Stelle gehalten werden und dürfen nicht von ihrem Standort abtreiben. Die schwimmenden Windturbinen werden anhand von Systemen aus Verankerungsleinen und Ankern gesichert.

Die Technologie beruht auf Systemen, die seit vielen Jahren in der Schifffahrts-, Öl- und Gasindustrie genutzt werden. Daher ist zu ihrer Nutzung für Floating-Offshore-Anlagen bereits ein enormer Erfahrungs- und Wissensschatz vorhanden. Die schwimmenden Windkraftanlagen sind jedoch ganz besonderen Herausforderungen unterworfen, die es zu überwinden gilt.

Mehr dazu in unserer Animation.

  • Illustration von vier Offshore-Windkraftanlagenfundamenten mit Beschriftungen. Die Sonne geht über dem Ozean unter.

    Die Verankerungssysteme lassen sich grob in vier Typen einteilen, die je nach Wassertiefe und der Beschaffenheit des Meeresbodens am Standort sowie der Konstruktionsart des schwimmenden Fundaments zum Einsatz kommen.


    Durchhängend

    Dieses System aus Ketten bzw. Drahtseilen, oft in Kombination mit synthetischen Seilen, kommt typischerweise bei Wassertiefen unter 500 m zum Einsatz. Ein beträchtlicher Teil der Verankerungskette liegt auf dem Meeresgrund. Wird diese durch die Bewegungen des schwimmenden Fundaments vom Meeresboden angehoben, zieht sie ihr Eigengewicht an Ort und Stelle zurück. Hier kommt eine Rückstellkraft zur Anwendung, d.h., eine Kraft, die Masse in ihre ursprüngliche Ruhelage ‚zurückstellen‘ will.


    Gespannt

    Dieses System kommt typischerweise in Wassertiefen von über 250 zur Anwendung. Die leichten Verankerungsleinen bestehen aus Synthetik- oder Drahtseilen. Bei diesem System liegen keine zusätzlichen Seillängen auf dem Meeresboden; die Rückstellkraft entsteht durch die Zunahme und Abnahme der Leinenspannung. Dabei ist der ‚Fußabdruck‘ (die Fläche, die das Vertäuungssystem auf dem Meeresboden einnimmt) hier wesentlich kleiner als beim durchhängenden Verankerungssystem.


    Halbgespannt

    Bei diesem System handelt es sich um eine Mischung aus Catenary- und Taut-System, wobei ein kleiner Teil der Verankerungsleine auf dem Meeresboden liegt. Es kann in allen Wassertiefen genutzt werden und hat einen kleineren Fußabdruck auf dem Meeresgrund als das Catenary-System, jedoch einen größeren als das Taut-System.


    Spannbein

    Dieses System kommt typischerweise in Wassertiefen von über 120 m zum Einsatz und nur in Kombination mit speziellen Spannbeinplattformen. Bei dieser Konfiguration ist keine vertikale Bewegung der Unterkonstruktion möglich. Die Spannbeine bestehen aus Drahtseilen, Ketten oder synthetischen Seilen, welche zwischen Anker und Plattform gespannt werden. Bei dieser Art der Verankerung ist der Fußabdruck auf dem Meeresgrund am kleinsten.


    Einpunkt-Verankerungssysteme

    Bei den meisten Konzepten für schwimmende Unterstrukturen kommen Verankerungssysteme zum Einsatz, die für eine feste Ausrichtung der Anlage sorgen. Bei diesen Konstruktionen wird die Anpassung der Turbine an die Windrichtung durch das standardmäßige Gondel-Giersystem erreicht (zur 360-Grad-Drehung um die Turmspitze), genauso wie bei den fest auf dem Meeresgrund installierten Anlagen. Einige Konzepte für Floating-Wind sehen jedoch eine Einpunkt-Verankerung vor, bei denen sich die Anlage wie eine Wetterfahne um den Befestigungspunkt drehen kann. Die Ausrichtung der Turbine nach der Windrichtung wird hier vor allem durch eine Drehung der gesamten Plattform erreicht. Das dynamische Kabel wird zur Gewährleistung einer ununterbrochenen elektrischen Verbindung durch die Mitte des Verankerungsturms zu einem Drehgelenk geführt.

Wie werden Floating-Windprojekte gebaut?

Vor dem Bau eines Floating-Windprojekts findet ein umfangreicher und komplexer Planungsprozess statt.

Die schwimmenden Fundamente bestehen hauptsächlich aus Stahl oder Beton und werden normalerweise in größeren Häfen mithilfe von schwerem Gerät und Kränen zusammengesetzt. Die Komponenten für die Windräder werden dagegen meist an anderer Stelle hergestellt und anschließend zum Hafen transportiert.

Mehr zu den verschiedenen Bauschritten im Video.

  • Grafische Darstellung von Windkraftanlagen auf blauem Hintergrund mit RWE-Logo.

    Floating-Windprojekte werden in einer ‚Array‘-Formation installiert. Die Positionen der Turbinen, Unterstrukturen, Seile, Anker und Kabel in diesem Array werden dabei von verschiedenen Faktoren bestimmt, beispielsweise den Windverhältnissen, der Wassertiefe, der Verankerungsart sowie den Bedingungen am Meeresboden, zum Beispiel Gefällen, Felsen, Bodenbeschaffenheit und Hindernissen.


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Chris Willow

Head of Floating Development