Was bleibt von der Energiewende – Innovation oder Leerflächen?

Wir prüfen bekannte Mythen rund um fossile und Erneuerbare Energien am Ende ihrer Nutzungsdauer

Was passiert, wenn Tagebauen, Kraftwerke und Windräder nicht mehr gebraucht werden?

Wenn riesige Schaufelradbagger demontiert, Kraftwerke geschlossen und Windräder zurückgebaut werden, bleiben unbrauchbare Flächen und Sondermüll zurück – so argumentieren Kritiker. Nach dem Abbau von Kohle und der Verstromung von Gas oder anderen fossilen Rohstoffen sei keine sinnvolle Nutzung der teils gewaltigen Einrichtungen mehr möglich. Und auch die Erneuerbaren würden ihr Nachhaltigkeitsversprechen nicht halten, weil ausrangierte Windräder und Solarmodule als Sondermüll enden. Doch entspricht dieses Bild tatsächlich der Realität?

Viele Beispiele zeigen: Dieses Bild ist zu kurz gegriffen – und in vielen Fällen schlicht falsch. Denn neue Nutzungskonzepte, technologische Entwicklungen und ein wachsender Fokus auf die Kreislaufwirtschaft sorgen dafür, dass Energieflächen auch nach dem Rückbau weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Transformation leisten.


Bleiben nach dem fossilen Ausstieg nur leere Brachflächen zurück?

Die klare Antwort: nein. Denn viele ehemalige Kraftwerks- und Tagebauflächen werden heute aktiv umgenutzt – für neue Technologien, zur Renaturierung oder für Erneuerbare Energien.

So entsteht etwa auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks im baden-württembergischen Gundremmingen bis 2027 der größte Batteriespeicher Deutschlands. Die geplante Anlage wird über eine Leistung von 400 MW und eine Speicherkapazität von 700 MWh verfügen – genug, um rund 1.000 Haushalte einen Tag lang mit Strom zu versorgen.

Das Projekt nutzt bestehende Stromleitungen und die Netzanbindung des ehemaligen Kraftwerksgeländes – ein Beispiel dafür, wie vorhandene Infrastruktur klimaschonend weitergenutzt werden kann. 

Fünf Personen in Anzügen führen einen symbolischen Spatenstich vor einer Baustelle mit RWE-Fahnen, Baggern, Absperrungen und einem Kühlturm durch.

Dass dies mehr ist als nur eine Notlösung, bestätigt das Fraunhofer ISE: Studien zeigen, dass die Weiternutzung bestehender Netzanschlüsse an solchen Standorten essenziell ist, um den Bedarf an stationären Großspeichern (bis 2030 ca. 100 GWh) ohne teuren und langwierigen Leitungsneubau zu decken.

Auch im niedersächsischen Lingen wird ein ursprünglich rein fossiler Standort zur Keimzelle neuer Energietechnologie: Hier entstehen zwei Wasserstoff-Elektrolyseanlagen.

Die kleinere 14-MW-Pilotanlage ist seit August 2024 in Betrieb und erzeugt stündlich bis zu 270 Kilogramm grünen Wasserstoff.

Die größere Anlage befindet sich im Aufbau und soll mittelfristig mit einer Erzeugungsleistung von 300 MW grünen Wasserstoff liefern. Auch hier wird die fossile Infrastruktur für neue Energielösungen weitergenutzt – ganz ohne CO2-Emissionen.

Eine moderne industrielle Anlage mit Rohren, Tanks und Pumpen in einem gut beleuchteten Raum.
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Umwandlung von Tagebauen

Umwandlung von Tagebauen in Energieflächen

Im Rheinischen Revier zeigt sich, wie aus ehemaligen und noch aktiven Tagebauen neue Energieflächen entstehen. So wurden im Tagebau Hambach bereits mehrere Solarparks errichtet, teilweise mit integrierten Batteriespeichern. 

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Agri-Photovoltaik

Agri-Photovoltaik: Stromproduktion und Landwirtschaft in Einklang

Auf einer rekultivierten Fläche des Tagebaus Garzweiler demonstriert RWE zudem, wie der Flächenkonflikt zwischen Stromproduktion und Landwirtschaft dank Agri-Photovoltaik reduziert werden kann – ein Thema, das eigene Mythen befeuert.

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Neue Biotope und Artenvielfalt

Neue Biotope und Artenvielfalt auf ehemaligen Bergbauflächen

Übrigens: Während ehemalige Bergbaulandschaften von vielen Skeptikern oft als „Brache“ wahrgenommen werden, stuft das Bundesamt für Naturschutz sie als „hochwertiges Sekundärbiotop“ ein. Denn: Gerade ehemalige Braunkohlereviere sind oft artenreicher als konventionelle Ackerflächen – und bieten bedrohten Arten einen selten gewordenen Rückzugsort.

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Neue Seenlandschaften

Neue Seenlandschaften durch Rheinwassertransportleitung

Mit dem Bau der Rheinwassertransportleitung beginnt RWE 2026 zudem ein zentrales Infrastrukturprojekt, das die Befüllung der künftigen Tagebauseen Hambach und Garzweiler mit Rheinwasser ermöglicht. Auf diese Weise schafft das Unternehmen im Rheinischen Revier neue Seenlandschaften und wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl an Tierarten.

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Rekultivierung und landwirtschaftliche Wiederherstellung

Rekultivierung und landwirtschaftliche Wiederherstellung

RWE engagiert sich bereits seit Jahrzehnten gezielt in der Rekultivierung – das heißt in der ökologischen und landwirtschaftlichen Wiederherstellung von Landschaften nach deren Nutzung als Tagebau. Die konzerneigene „Forschungsstelle Rekultivierung“ dokumentiert, wie aus Braunkohleflächen wieder Wälder, Feuchtgebiete, Ackerland oder neue Biotope entstehen – inklusive der Rückkehr von Tierarten, die in konventionell genutzten Agrarräumen kaum noch vorkommen.


Sind Windräder und Solarmodule am Ende nicht mehr als Sondermüll?

Auch für die Erneuerbaren stellt sich die Frage: Was passiert, wenn Windkraft- oder Solaranlagen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen? Werden sie zu Altlasten, oder können Materialien und Komponenten wiederverwendet und zurückgeführt werden?

Ein Blick auf die Fakten des Umweltbundesamtes rückt die Verhältnisse gerade: Schon heute sind rund 90 Prozent einer Windkraftanlage (Fundament, Turm) vollständig recyclebar.

RWE zeigt, wie das in der Praxis aussehen kann. Der spanische Onshore-Windpark Muel wurde repowered: Die 27 alten Windräder sind durch drei moderne mit deutlich höherer Leistung ausgetauscht worden. Mehr als 99,8 % der Materialien des alten Windparks wurden wiederverwertet oder recycelt – unter anderem auch die 81 Rotorblätter, wofür das Projekt eine Auszeichnung erhielt.

In mehreren Offshore-Windparks setzt RWE bereits nahezu vollständig recycelbare Rotorblätter ein. Für diese wird ein neuartiges Harz verwendet. Dadurch lassen sich am Lebensende der Rotorblätter Verbundstoffe trennen, sodass die Bestandteile stofflich recycelt werden können.

Windkraftanlagen stehen auf einem Hügel mit einer Landschaft unter einem dramatischen Himmel bei Sonnenuntergang.

Fazit: Mit jedem Ende einer Energiefläche beginnt etwas Neues.

  • Flächen ehemaliger Kraftwerke und Tagebaue veröden nicht.
    An vielen Standorten entstehen neue Anlagen oder Naturflächen – oft auf Basis vorhandener Infrastruktur.

  • Die Idee vom „Sondermüll-Windrad“ ist längst überholt.
    Moderne Anlagen werden recycelt, Komponenten weiterverwendet oder direkt durch recycelbare Materialien ersetzt.

  • Auch Erneuerbare Energien sind Teil der Kreislaufwirtschaft.
    RWE nutzt Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen der Energieerzeugung, um Erfahrungen zu teilen und Zirkularität voranzutreiben – von Repowering bis zum Rotorblatt-Recycling.

  • Energieflächen von gestern werden zu Plattformen der Transformation.
    Ob Batteriegroßspeicher, EE-Anlagen oder Biodiversitätsräume: Die nächste Nutzung ist oft schon in Planung, bevor die alte endet.

  • Noch ist nicht alles perfekt – aber die Entwicklung ist sichtbar und messbar.
    Viele der Projekte von RWE sind Pioniere in ihrer Kategorie und setzen Maßstäbe für den Umgang mit Energieinfrastruktur im Wandel.

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